+
Erst fünf Einsätze in der Liga, davon keiner in der Startelf: Florian Kainz möchte bei Werder endlich richtig ankommen.

Österreicher hofft auf ersten Startelfeinsatz

Florian Kainz im Interview: „Ich bin bereit“

Bremen - Von Daniel Cottäus und Björn Knips. Bei Rapid Wien war er in der vergangenen Saison in 33 Ligaspielen an 26 Toren beteiligt – das sind Zahlen, von denen Florian Kainz in der laufenden Spielzeit nur träumen kann.

Bei Werder kam der 24-Jährige bisher nicht über die Reservistenrolle hinaus. Im Interview hat Kainz nun verraten, dass er vor seinem Wechsel nach Bremen mit mehr Einsatzzeiten gerechnet hat und erzählt, wie schwer die erste Zeit an der Weser für ihn war. Kainz erklärte zudem wer ihn damals besonders unterstützt hat – und warum er glaubt, heute vor seinem ersten Startelfeinsatz zu stehen.

Herr Kainz, kennen Sie eigentlich das Worum?

Florian Kainz: Nein. Worum? Davon habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Was ist das?

Das ist das größte Werder-Fan-Forum im Internet – und dort wird oft geschrieben, dass Sie in die Startelf gehören. Haben die Fans Recht?

Kainz: Es ist schön, dass die Fans mich fordern. Ich würde mich auch freuen, wenn ich mal von Anfang an spielen kann. Immer wenn ich eingewechselt werde, versuche ich, frischen Schwung reinzubringen und mich auf diese Weise zu empfehlen.

Nach dem Darmstadt-Spiel war über Sie unter anderem zu lesen: „Der geht ab wie Schmidts Katze!“ Können Sie als Österreicher mit dem Ausdruck etwas anfangen?

Kainz: (lacht) Ja, den Spruch kenne ich. Den sagt man in Österreich auch. Es ist ja auch dieselbe Sprache.

Pezzey, Herzog, Junuzovic – bei Werder gibt es eine ganze Reihe von Österreichern, die zu Leistungsträgern wurden. Trauen Sie sich diesen Schritt auch zu?

Kainz: Das hoffe ich natürlich. Ich glaube, es waren vor mir zehn Österreicher da, und alle haben relativ gute Leistungen gebracht. Ich hoffe, dass ich regelmäßig zeigen kann, was ich kann.

Florian Kainz und Co. bejubeln Kruses Treffer zum 2:0-Endstand gegen Darmstadt 98.

Während des Darmstadt-Spiels wirkten Sie nach Ihrer Einwechslung unglaublich engagiert, als hätten Sie sich vorgenommen: Ich muss jetzt diese Minuten nutzen...

Kainz: Ich will diese Minuten nutzen. Ich glaube, wenn ich zu sehr daran denke, dass ich unbedingt muss, dann verkrampfe ich nur. Ich versuche, mich rein auf die Sache zu konzentrieren und mir keinen allzu großen Kopf zu machen. Ich glaube, das ist die richtige Einstellung.

Was waren denn die Gründe dafür, dass es für Sie bislang noch nicht so funktioniert hat bei Werder?

Kainz: Schwer zu sagen. Ich denke, am Anfang braucht man immer eine gewisse Eingewöhnungszeit. Der Herbst war für mich persönlich sehr enttäuschend. Dass ich so wenig Einsätze bekomme, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe dann im Winter versucht, die Vorbereitung zu nutzen und denke, das ist mir ganz gut gelungen.

Wie haben Sie es im Herbst denn geschafft, nicht zu verzweifeln?

Kainz: Es bringt ja nichts. Man muss jede Situation so annehmen, wie sie ist. Natürlich hatte ich mehr erwartet, als ich hergewechselt bin. Es geht aber immer weiter. Wenn ich jetzt verzweifle oder mich selber schlecht rede, dann hilft mir das ja nicht. Ich versuche einfach, Gas zu geben. Ein bisschen Geduld gehört im Fußball eben auch dazu.

Gab es Personen, die Ihnen besonders geholfen haben?

Kainz: Ja, natürlich rede ich viel mit meiner Freundin und meinen Eltern. Ich habe auch mit dem Mentaltrainer gesprochen. Das waren aber eher lockere Gespräche.

Es heißt über Sie, dass Sie defensiv noch Schwächen haben und nicht robust genug sind für die Bundesliga...

Bekommt Florian Kainz von Trainer Alexander Nouri eine Chance in der Startelf?

Kainz: Ich glaube, körperlich habe ich mich, seit ich da bin, sehr weiterentwickelt. Ich fühle mich fitter. Ich hatte ja auch viel Zeit zum Trainieren. Letztes Jahr bei Rapid habe ich 47 Spiele gespielt, da fehlte die Zeit für Krafttraining. Bei Werder hat mir der Trainer mal eine Szene gezeigt, bei der ich in der Defensive nicht so gut ausgesehen habe. Seitdem achte ich extrem darauf.

Können Sie sich von den anderen Spielern auf Ihrer Position wie zum Beispiel Serge Gnabry oder Fin Bartels denn noch etwas abschauen?

Kainz: Ja, natürlich schaue ich, was sie auf dem Platz gut machen, aber jeder Spieler ist verschieden. Ich habe zum Beispiel nicht die Schnelligkeit wie Serge und bin ein ganz anderer Spielertyp.

Ist Serge Gnabry denn ein Grund dafür, warum Sie bisher noch nicht so richtig zur Geltung kommen?

Kainz: Serge ist von Arsenal gekommen und hat ein super Olympia-Turnier gespielt. Sicher ist er ein Mit-Grund dafür, dass ich so wenig gespielt habe. Er ist eben ein extrem wichtiger Spieler für Werder. Da ist es für mich schwer. Ich bereue es aber auf keinen Fall, dass ich nach Bremen gekommen bin. Auch wenn Serge erst nach mir kam: Es war mir klar, dass die Konkurrenz bei Werder groß sein würde.

Wie groß wäre Ihre Enttäuschung, wenn Sie in Leverkusen trotz der Verletzung von Serge Gnabry wieder nicht in der Startelf stehen?

Kainz: Ich hoffe, dass ich jetzt von Anfang an spielen darf, denn ich bin bereit. Aber wenn nicht, dann hoffe ich, dass ich eingewechselt werde, um dann alles zu geben.

Um zum Abschluss noch einmal aufs Österreich-Thema zurückzukommen: Denken Sie, dass Österreich und Bremen gut zusammenpassen?

Kainz: Ja, das schon. Die Leute in Bremen sind alle sehr freundlich. Ich hatte schon vor meinem Wechsel das Gefühl, dass der Schritt richtig ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare