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Grün-weiße Männchen vor der Gelben Wand: Die Werder-Profis bedankten sich nach einem turbulenten Spiel am Ende einer bemerkenswerten Saison bei ihren Fans.

Werder verpasst Europa

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Dortmund - Werder Bremen hat Borussia Dortmund im letzten Spiel der Saison alles abverlangt, mit der 3:4-Niederlage aber die Europa League verpasst. Zufrieden kann man mit der Saison trotzdem sein.

Norbert Dickel hatte da offenbar so ein Gefühl – und zwar kein gutes. Deswegen sah sich der Dortmunder Stadionsprecher kurz vor dem Anstoß veranlasst, noch schnell eine Warnung auszusprechen. „Leute, es kommt mir ein bisschen so vor, als ob es heute so manch einer etwas locker angehen lässt“, raunte er ins Mikrofon – um dann zu betonen: „Das wird richtig schwer heute.“ Eine Einschätzung, mit der die BVB-Vereinslegende voll ins Schwarze traf.

Es wurde richtig schwer für Borussia Dortmund – und das lag an einer extrem couragierten, extrem aufopferungsvollen Leistung von Werder Bremen. Zwar verloren die Gäste ein furioses Saisonfinale am Ende mit 3:4 (1:2) und verpassten damit das internationale Geschäft. Es dauerte nach dem Abpfiff allerdings nicht lange, ehe der eine oder andere Akteur in Grün-Weiß durchblicken ließ, dass Werder mit dieser Saison, an deren Ende der achte Tabellenplatz steht, unter dem Strich sehr zufrieden sein darf.

Fotostrecke: Spannend bis zur letzten Minute

„Wir können hier erhobenen Hauptes wegfahren“, stellte ein bemerkenswert entspannter Kapitän Zlatko Junuzovic in den Katakomben des Dortmunder Stadions fest, um sich dann aber doch noch etwas zu ärgern: „Es wäre mehr drin gewesen. Wir haben hier etwas liegen gelassen.“ Hatte Werder auch. Der Spielverlauf glich einer Achterbahnfahrt, zwischenzeitlich schien es so, als sollte sie die Bremer doch noch nach Europa führen.

Der Start in die Partie hätte für die Gäste nicht besser laufen können: Schon nach sieben Minuten lagen sie mit 1:0 vorn. Nach einer Flanke von Fin Bartels erwischte der ob etlicher Ausfälle ins Team gerutschte Ulisses Garcia den Ball nicht richtig, doch Junuzovic bugsierte ihn kurz darauf über die Linie, erst dann wehrte BVB-Keeper Roman Bürki die Kugel ab.

Dortmund wirkte vom frühen Rückstand angestachelt

Es war eine knappe Entscheidung, bei der sogar die Torlinientechnik zum Einsatz kommen musste – der Ball war aber klar drin. „Ich war sehr erleichtert, als der Schiedsrichter Tor angezeigt hat“, sagte Junuzovic. Er selbst hatte gar nicht gesehen, dass der Ball tatsächlich hinter der Linie gewesen war. Weil die Bayern gegen Freiburg führten, und Köln gegen Mainz noch nicht, war Werder zu diesem frühen Zeitpunkt des Spieltags plötzlich Sechster der Blitztabelle.

Dortmund wirkte vom frühen Rückstand allerdings erst recht angestachelt und erspielte sich zahlreiche Chancen. Marco Reus (15.), Raphael Guerreiro (19.) und Matthias Ginter (27.) scheiterten noch, in der 32. Minute glich Reus allerdings aus – 1:1. Shinji Kagawa hatte ihn traumhaft freigespielt. Im direkten Gegenzug fand Junuzovic seinen Meister in Bürki (33.). Keine Frage: Der BVB war das klar spielbestimmende Team, und das 2:1 durch Pierre-Emerick Aubameyang deswegen auch nicht unverdient. Nach feinem Heber von Ousmane Dembele ließ er Werder-Torhüter Felix Wiedwald keine Chance (42.).

Ein Rückstand, Europa damit in ganz weiter Ferne – und Werder? Ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Direkt nach Wiederanpfiff hatte Max Kruse nach toller Einzelleistung das Auge für Fin Bartels, der humorlos das 2:2 besorgte (46.). Und es kam noch besser: Dieses Mal war Junuzovic bei einem Konter der Passgeber, und Kruse vollstreckte per Lupfer über Bürki – 3:2 (68.). „Wenn du in Dortmund zu diesem Zeitpunkt führst, willst du auch gewinnen“, sagte Werders Sportchef Frank Baumann, dessen Team sich den Sieg in der Schlussphase noch nehmen ließ.

Nachdem Wiedwald mehrfach stark gerettet hatte, war auch er in der 74. Minute machtlos. Nach vollkommen unnötigem Foul von Serge Gnaby an Reus gab es zurecht Elfmeter für den BVB. Der Gefoulte vollstreckte zum 3:3. „Es war eine ekelhafte Szene. Ich komme einen Schritt zu spät und berühre ihn leicht“, haderte Gnabry. Auch Dortmunds letzter Treffer fiel vom Punkt. Dieses Mal war der Elfmeter aber nicht so klar, ganz im Gegenteil, sogar äußerst fragwürdig. Philipp Bargfrede brachte Christian Pulisic zu Fall, Aubameyang lief an und sicherte sich mit seinem 31. Saisontreffer die Torjägerkanone.

Europa verpasst zu haben, fühlte sich für Baumann nach dem Abpfiff „richtig schlecht“ an. Dann sagte der Sportchef aber auch: „Unter dem Strich können wir mit der Saison zufrieden sein.“

Einzelkritik: Kruse genial, Garcia patzt doppelt

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