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Marco Reus stellte die Bremer Verteidigung häufiger vor Probleme.

Werder verliert in Dortmund

Wild, leidenschaftlich, aber nicht international

Dortmund - Es hat nicht gereicht! Werder Bremen hat eine großartige Saison nicht mit dem Erreichen der Europa League gekrönt. Doch wer darüber enttäuscht ist, dem ist – deutlich gesagt – nicht mehr zu helfen. Speziell nicht nach diesem Spiel zum Saisonabschluss.

Das 3:4 (1:2) bei Borussia Dortmund war ein Stück gelebter Fußball-Wahnsinn, leidenschaftlicher Sport mit tollen Toren und einer Bremer Mannschaft, die bis zum Schluss um ihre Chance auf den Einzug ins internationale Geschäft gekämpft hat. Vergeblich! Weil die Abwehr nicht hielt, was die Offensive versprach. Die Bremer Tore erzielten Zlatko Junuzovic (7.), Fin Bartels (46.) und der überragende Max Kruse (68.).

Dortmund sicherte sich durch die Treffer von Marco Reus (32./75., Foulelfmeter) sowie dem neuen Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang (42./89., Foulelfmeter) Platz drei und damit den direkten Einzug in die Champions-League-Gruppenphase. Werder beendet die Saison als Tabellenachter. Nicht schlecht für ein Team, das nach der Hinrunde noch in akuter Abstiegsgefahr geschwebt hatte.

1:0 - Junuzovic jubelt dank der Torlinientechnik

Der Bremer Traum von der Europa League – er lebte zunächst auf. Sieben Minuten waren im Signal-Iduna-Park gespielt, als Zlatko Junuzovic die Führung für Werder erzielte. Allerdings brauchte Schiedsrichter Günter Perl in seinem letzten Bundesliga-Spiel die Torlinientechnologie, um den Treffer zu erkennen. Denn nach Junuzovics Schuss hatte BVB-Keeper Roman Bürki den Ball mit dem linken Fuß aus dem Tor gepfeffert – wie die Technik bewies, kam die Rettungstat aber zu spät.

Dem Tor vorausgegangen war eine Kombination über Max Kruse, Florian Grillitsch und Fin Bartels, die letztlich den in die Startelf gerutschten Ulisses Garcia in Schussposition brachte. Der Schweizer wurde von Weltmeister Erik Durm noch entscheidend gestört, Junuzovic schaltete danach aber am schnellsten und brachte den Ball über die Linie.

Dortmund machte nach dem Rückstand mächtig Druck

Das frühe 1:0 war ein Traumstart für Werder und ganz nach dem Geschmack der 9.500 Bremer Fans unter den 80.000 im Stadion. Und für die Dortmunder war es ein Schock, denn der Rückstand bedeutete, dass im Fernduell mit 1899 Hoffenheim die direkte Champions-League-Qualifikation nun akut in Gefahr war. Die Antwort des BVB auf den Rückstand ließ auch nicht lange auf sich warten. Aubameyang setzte einen Kopfball freistehend neben den Kasten (9.), Reus traf aus spitzem Winkel nur die Latte (15.), Raphael Guerreiro prüfte Werder-Keeper Felix Wiedwald mit einem Distanzschuss (19.) und Bremens Innenverteidiger Niklas Moisander hatte Glück, dass sein plumper Rempler gegen Aubameyang nicht mit einem Strafstoß geahndet wurde (23.).

Es waren Szenen, die mehr als nur andeuteten, dass Werder trotz des defensiven 5-3-2-Systems diese immer stärker aufdrehenden Dortmunder nicht mehr lange würde halten können. Speziell auf der rechten Abwehrseite hatten Theodor Gebre Selassie und Milos Veljkovic kaum mal Zugriff auf Reus und Guerreiro.

Fotostrecke: Spannend bis zur letzten Minute

Die Gegentore der ersten Halbzeit fielen aber durch die Mitte, und die entscheidenden Fehler machte dabei Linksverteidiger Ulisses Garcia, der nur wegen der Ausfälle von Robert Bauer (Gelbsperre), Santiago Garcia (Muskelfaserriss) und Luca Caldirola (Mittelfußbruch) ins Team rotiert war. Beim 1:1 durch Reus hob er das Abseits auf, beim 2:1 durch Aubameyang orientierte er sich weg von dem BVB-Torjäger, statt ihm zu folgen. Wie der Gabuner den von Reus in den Sechzehner geschaufelten Ball verarbeitete, war absolute Weltklasse. Direkt und aus der Drehung traf Aubameyang unter die Latte (42.). Es war sein 30. Saisontreffer und sicher einer der schönsten.

1:2 zur Pause – Borussia Dortmund fuhr voll auf Kurs Königsklasse, für Werder war die Europa League dagegen in ganz weite Ferne gerückt. Doch Kruse und Bartels holten sie mit der ersten Aktion der zweiten Halbzeit wieder ein Stück näher heran. Kruse zeigte dabei, dass Weltklasse an diesem Nachmittag nicht nur in Schwarz und Gelb gekleidet sein musste, sondern auch in Grün und Weiß.

Bartels vollendet Kruses geniale Vorarbeit

Elegant nahm der 29-Jährige an der linken Außenbahn einen langen Pass auf, zog mit Tempo davon, ließ an der Torauslinie Marc Bartra (erstmals seit dem Bombenattentat gegen den BVB-Bus vor einem Monat wieder in der Startelf) aussteigen und wartete in Ruhe ab, bis Bartels in der Mitte in Position gelaufen war. Ein millimetergenauer Pass – und Bartels musste nur noch vollenden (46.). Kurz darauf hätten die Gäste sogar in Führung gehen können, doch nach Ablage des eingewechselten Serge Gnabry versprang Kruse der Ball (52.) – schade, denn in der Aktion war mehr drin gewesen.

Aber das 2:2 ließ die Phantasie weiter leben. Nur noch ein Tor, dann hätten die Bremer wenigstens den gegen Bayern München zu dem Zeitpunkt mit 0:1 zurückliegenden SC Freiburg überholt. Der 1. FC Köln führte zeitgleich 1:0 gegen Mainz. Platz sieben war also nach wie vor erreichbar. Und Werder schlug zu! Oder besser: Max Kruse tat es. Bei einem Konter passte Junuzovic auf den nicht zun bändigenden Kollegen, der gekonnt, wenn auch mit ein bisschen Glück, per Lupfer zur erneuten Bremer Führung traf (68.). Werder sprang von Rang neun auf sieben und war beim Jubel außer Rand und Band. Kruse lief zur Trainerbank, sprang aber nicht in die Arme von Chefcoach Nouri, sondern in die von Co-Trainer Florian Bruns.

Werder verpasst Europa - aber die Spiele machen Spaß

Das Spiel, das ohnehin schon temporeich und vollgepackt war mit Torszenen, wurde nun immer turbulenter. Dortmunder Angriffe, Bremer Konter – es war mächtig was los auf dem Platz. In Minute 74 ging es für Serge Gnabry aber zu schnell. Er ließ im Strafraum gegen Reus das Bein stehen. Klare Sache: Elfmeter. Reus selbst trat an und verwandelte zum 3:3. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass Gnabry bei 1899 Hoffenheim auf der Einkaufsliste steht, dann hat er seinem möglicherweise nächstem Club einen Bärendienst erwiesen. Mit dem Ausgleich zog der BVB in der Blitztabelle wieder an Hoffenheim (0:0 gegen den FC Augsburg) vorbei auf Rang drei.

Doch in Stein gemeißelt war in Dortmund überhaupt nichts. Der BVB spielte auf Sieg, Werder lauerte auf die nächste, vielleicht entscheidende Aktion. Die kam – aber auf der falschen Seite. Der eingewechselte Bargfrede foulte Christian Pulisic, wieder entschied Referee Perl auf Strafstoß. Aubameyang trat an, traf, schoss den BVB sicher in die Königsklasse und sich zur Torjägerkanone. Ein großes Finish für Dortmund. Und Werder? Hatte nach dem 3:4 in Köln und dem 3:5 gegen Hoffenheim das dritte wilde, aber mitreißende Spiel in Folge hingelegt und verloren. Doch Spaß hat's gemacht.

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