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Sichtlich frustriert wirkt Werder-Keeper Jiri Pavlenka nach dem späten Gegentor.

Interimscoach Kohfeldt ändert gegen Frankfurt ziemlich viel, verliert aber trotzdem

Später Schock für ein anderes Werder

Bremen - Das ist ganz, ganz bitter: Unter Interimscoach Florian Kohfeldt hatte der SV Werder bei Eintracht Frankfurt ein ganz anderes Gesicht gezeigt mit bislang unbekannten taktischen Qualitäten, doch am Ende setzte es eine unglückliche 1:2 (1:1)-Niederlage.

In der 88. Minute gelang Sebastien Haller der Siegtreffer für die Gastgeber. was für ein Niederschlag für die Bremer, die die Führung von Ante Rebic (17.) durch Niklas Moisander (25.) ausgeglichen hatten. Wie geht es jetzt mit Kohfeldt weiter, der am Montag den gefeuerten Alexander Nouri übergangsweise abgelöst hatte? In der Pause war er noch von prominenter Stelle gelobt worden. 

Nach der Pause war die Eintracht besser, der Sieg demnach nicht unverdient. Gut möglich, dass sich Werder nun nach dem elften Bundesligaspiel ohne Sieg für einen anderen Coach entscheidet.

Kohfeldt hatte mit seiner Aufstellung für ziemlich viel Wirbel gesorgt. Dabei ging es vor allem um Philipp Bargfrede. In der offiziellen Startelf-Grafik des SV Werder tauchte der Sechser überraschend als Innenverteidiger einer Dreierkette mit Niklas Moisander und Milos Veljkovic auf. Das wäre ein echtes Ding gewesen. 

Doch die Realität sah anders aus. Werder agierte mit einer Viererkette, in der etwas überraschend kein Platz für Lamine Sane war. Bargfrede gab den Sechser. Und dann wurde es kompliziert. „Werder wow“, urteilte Eurosport-Experte Matthias Sammer in der Pause: „Werder ist sehr flexibel, es war eine Herausforderung, das zu verfolgen.“ In der Offensive war es wohl ein 4:1:2:3, in der Defensive eher ein 4:4:2.

Werder wirkte befreit

„Wir wollen höher stehen und schnell hinter die Kette kommen“, hatte Kohfeldt direkt vor dem Spiel noch mal betont. Und das gelang bereits nach zwei Minuten, als Zlatko Junuzovic durchstartete und Max Kruse bediente. Der Stürmer scheiterte aber am glänzend reagierenden Eintracht-Keeper Lukas Hradecky.

Werder wirkte vor 51 100 Zuschauern nach dem Trainerwechsel befreit, trat mutig und selbstbewusst auf. Aber dann gab es die eiskalte Dusche – ein ganz ärgerliches Gegentor. Im Mittelfeld wurde ein bisschen Flipper gespielt, irgendwie landete der Ball bei Ante Rebic, der die Kugel unhaltbar in die lange Ecke schlenzte (17.). Vielleicht hätte Theodor Gebre Selassie noch eingreifen können.

Werder-Interims-Coach Florian Kohlfeldt in seinem Bundesligadebüt gegen Eintracht Frankfurt.

Die Gäste waren geschockt, verloren etwas den Faden. Aber auch sie hatten dann Glück. Nach einer Ecke von Junuzovic und einem Kopfball von Veljkovic bekamen die Frankfurter den Ball nicht weg, den Niklas Moisander dann irgendwie über die Linie stocherte – 1:1 (25.).

Der erste Treffer nach 509 torlosen Bundesliga-Minuten tat den Bremern richtig gut. Sie spielten immer forscher nach vorne, erarbeiteten sich Chance um Chance. Doch Junuzovic (40.), Kruse (42.) und Eggestein (42.) brachten die Kugel einfach nicht am herausragenden Hradecky vorbei. Werder hätte zur Halbzeit führen müssen.

Frankfurt übernahm das Kommando

Genau das dachten allerdings auch die Eintracht-Fans, als Kevin-Prince Boateng den Ball aus drei Metern nicht über die Linie gebracht hatte (55.). Eine Riesenchance des Ghanaers, der es selbst nicht fassen konnte. Frankfurt übernahm nun das Kommando. Der Tabellenzehnte wollte gegen den Vorletzten der Liga keine Punkte herschenken. Jetro Willems hätte durchaus das 2:1 machen können, doch Jiri Pavlenka war auf dem Posten (64.). Werder geriet ein bisschen ins Schwimmen. Marius Wolf traf aus spitzem Winkel den Pfosten (67.).

Fotostrecke: Haller verdirbt Kohfeldts Debüt

Kohfeldt reagierte – und das auf den ersten Blick ziemlich ungewöhnlich. Für den defensiven Bargfrede, der völlig ausgepumpt war, brachte er den offensiven Florian Kainz (67.). Doch gleichzeitig wurde umgestellt, Delaney übernahm den Posten von Bargfrede vor der Abwehr, Kainz ging auf die linke Seite, von der Junuzovic etwas in die Mitte rückte. Und siehe da, die ganz große Angriffswelle der Hessen konnte damit vorerst gestoppt werden. Nach vorne ging allerdings nicht mehr viel.

Was für ein Tiefschlag

So wurde der Druck der Gastgeber am Ende wieder größer. Simon Fallette verpasste noch den Siegtreffer (88.). Den erzielte dann Sebastien Haller, der nach einem langen Ball per Direktabnahme vollstreckte (89.). Delaney war nicht mitgelaufen, Augustinsson nicht entscheidend eingeschritten. Was für ein Tiefschlag. Den hatte Werder nicht verdient, wenngleich es sich ein bisschen angedeutet hatte. So wird es ganz schwierig, da unten rauszukommen.

Einzelkritik: Moisanders Premiere, Gebre Selassies Ausfall 

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