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Darf er als Cheftrainer bei Werder Bremen weitermachen? Florian Kohfeldt hat noch keine Klarheit.

Guter Plan, mieses Ergebnis gegen Frankfurt

Pluspunkte für Kohfeldt, aber reicht das schon?

Frankfurt - Niklas Moisander ist ein sehr sachlicher Typ, einer, der sich auch mal Zeit lässt, ehe er auf eine Frage antwortet. Was der Finne dann sagt, hat aber stets Gewicht. Am Freitagabend gab es wieder so einen Moment.

Kurz nach dem Spiel in Frankfurt war Werders Innenverteidiger gefragt worden, welche positiven Aspekte seine Mannschaft mit nach Hause nehmen könne. Da Werder die Partie gegen die Eintracht mit 1:2 (1:1) verloren hatte und auch nach dem elften Saisonspiel weiter auf den ersten Sieg wartet, war es verständlich, dass Moisander kurz in sich ging. Dann lobte er den Coach. „Es war eines unserer besten Saisonspiele. Der Trainer hat einen guten Job gemacht. Wir haben an seinen Plan geglaubt.“ Der Trainer – aktuell heißt er in Bremen Florian Kohfeldt. Ob das so bleibt, ist ungewiss.

Als Moisander längst unter die Dusche verschwunden war, tauchte Frank Baumann in den Katakomben der Commerzbank-Arena auf – qua Amt ist Werders Sportchef am Ende der Mann, der in der Kohfeldt-Frage den Daumen hebt oder senkt, sprich die endgültige Entscheidung trifft. Das hatte Baumann erst kürzlich klargestellt.

Kohfeldt ist die Messlatte in der Trainerfrage

In Frankfurt ließ er zu später Stunde durchblicken, dass der bisherige U23-Coach bei seiner Premiere trotz Niederlage durchaus gepunktet hat. „Es war heute ein Plan zu erkennen, und der ging auch über weite Strecken auf“, sagte Baumann. Die Enttäuschung sei nach der Niederlage zwar groß – am Zutrauen in Kohfeldts Fähigkeiten habe das aber nichts geändert. „Wir kennen Florians Qualitäten als Trainer. Wenn wir ihm das nicht zutrauen würden, dann hätten wir ihn auch nicht zum Interimstrainer gemacht“, erklärte Baumann.

Dann sagte er noch einen interessanten Satz: „Florian ist die Benchmark bei der Entscheidung, ob wir einen neuen Trainer holen oder nicht.“ Die Messlatte also, die ein möglicher externer Nachfolger für den entlassenen Alexander Nouri erstmal überwinden muss. „Wir müssen einen Besseren finden. Es wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, ob wir das schaffen, oder ob wir mit Florian den Weg weitergehen.“

Werder Bremen baute gegen Frankfurt nach der Pause ab - und kassierte kurz vor der Schluss den entscheidenden Gegentreffer.

In drei Trainingseinheiten seit seinem Amtsantritt hatte Kohfeldt der Mannschaft das zuletzt verloren gegangene Selbstvertrauen zurückgegeben. Dazu eine offensivere Grundausrichtung, und schon war Werder über weite Strecken des ersten Durchgangs nicht mehr wieder zu erkennen. Die Gäste spielten mutig nach vorne und hätten zur Pause eigentlich führen müssen, scheiterten aber ein ums andere Mal am starken Frankfurter Schlussmann Lukas Hradecky.

Die Führung der Hausherren durch Ante Rebic (17.) hatte Moisander nach einem Eckball egalisiert (25.). Nach der Partie berichtete der 32-Jährige: „Der Trainer hat uns gesagt, dass wir dieses Spiel gewinnen können, und genau dieses Gefühl hatte ich auch auf dem Platz.“ Das Problem: Nach der Pause baute Werder ab, und Frankfurt kam zum späten Siegtreffer durch Sebastien Haller (89.). „Das tat weh“, sagte Kohfeldt, der seiner Mannschaft trotz der Pleite ein „riesen Lob“ aussprach.

Kohfeldt leitet nächste Einheit am Dienstag

Und nun? Bleibt er? Muss er wieder in die U23 zurück? Kohfeldt selbst wollte dazu erst gar nichts sagen, schilderte dann aber doch seinen Eindruck, „dass wir als Gruppe gut funktioniert haben“. Er habe während der Woche einen „guten Bezug“ zur Mannschaft bekommen, aber „besser können das natürlich die Jungs sagen“. Das taten sie auch. Neben Moisander („Die Signale waren gut heute“) hob auch Maximilian Eggestein hervor, dass die Zusammenarbeit mit Kohfeldt gut geklappt habe.

Frank Baumann dürfte diese Aussagen zur Kenntnis genommen haben. Mit anderen Trainern spricht der Sportchef trotzdem. In der Länderspielpause soll eine Entscheidung fallen, im Heimspiel gegen Hannover am 19. November dann der neue Mann auf der Bank sitzen. Oder wieder Kohfeldt, dann als Dauerlösung. Klar ist bislang nur, dass der Interimscoach auch das Training am Dienstag leiten wird. Bis dahin hat die Mannschaft frei. „Und bis dahin wird keine Entscheidung fallen“, so Baumann.

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Einzelkritik: Moisanders Premiere, Gebre Selassies Ausfall 

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: 1,96 Meter ist der Keeper lang – und selbst wenn nochmal 20, 30 Zentimeter dazugekommen wäre, hätte er gegen das 0:1 nichts machen können. Bei Willems' Schuss (64.) und Moisanders Beinahe-Eigentor verhinderte Pavlenka binnen weniger Momente zweimal den erneuten Rückstand. Note 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Wieso um alles in der Welt rückte er vor dem 0:1 in die Mitte und ließ Rebic rechts unbewacht? Auch in der Folge mit Schwächen im Stellungsspiel, ließ zudem die Flanke zum 1:2 zu. Note 5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic (Mitte): Nach zwei Spielen auf der Bank gab der Innenverteidiger sein „Comeback“ in der Startelf. Lamine Sane blieb für ihn draußen. Veljkovic bedankte sich mit dem Assist zum 1:1. Hinten wirkte er oft aber nicht sicher. Note 3,5  © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Premiere für den Finnen. Erstmals traf er in der Bundesliga – und das auch noch gegen seinen finnischen Nationalmannschaftskollegen Lukas Hradecky im Eintracht-Tor. Als Abwehrchef hatte Moisander in einer Phase der ersten Halbzeit einige heikle Situationen zu überstehen. Danach sicherer. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson (bis 90.): Der Linksverteidiger begann schwach, biss sich dann aber in die Partie. Am Ende musste er sich aber gemeinsam mit Delaney ankreiden lassen, Haller bei dessen 2:1 nicht gestört zu haben. Insgesamt bleibt bei dem Schweden das Gefühl, dass er unter seinen Möglichkeiten spielt. Note 4  © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 67): Der 28-Jährige spielte sowohl im defensiven 4-4-2 als Dirigent vor der Viererkette, als auch im offensiven 4-1-4-1 als erster Aufbauspieler eine Schlüsselrolle. Er füllte diese mit großer Routine aus. Festzuhalten bleibt aber auch: 90 Minuten schafft Bargfrede offenbar nicht mehr. Note 3 © Gumz
Fin Bartels
Fin Bartels: Stürmer? Nicht wirklich! Bartels rückte bei Frankfurter Ballbesitz auf der rechten Seite weit zurück – wie auch Junuzovic auf links. In seinem 100. Bundesliga-Spiel für Werder spulte Bartels ein großes Laufpensum ab, blieb aber ohne Durchschlagskraft. Note 3,5  © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (bis 90.): Wechselte zwischen den Positionen „6“ und „8“ hin und her, war folglich vorne wie hinten zu finden. Was durchaus Gefahr brachte. Seine Vorlage für Junuzovic war Zucker (40.), sein Schlenzer aus 20 Metern auch (42.). Beide Male parierte Hradecky. Note 3 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Dem Dänen kam in der defensiven Organisation die Rolle des ersten Störenfrieds zu. Delaney lief die Frankfurter an, suchte die Zweikämpfe. Nach der Bargfrede-Auswechslung übernahm er dessen Position. Note 3,5  © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän kam über links und hatte richtig gute Aktionen. Zweimal legte er bestens für Kruse auf, einmal kam er selbst zum Abschluss, traf freistehend den Ball aber nicht richtig (40.). Aus der Szene hätte er mehr machen müssen. Note 3 © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: Eurosport-Experte Matthias Sammer nannte ihn den „Schlepper“ – weil Kruse oft den Ball nach vorne trug und auch viele Räume zulaufen musste. Mit etwas mehr Fortune (und etwas weniger Hradecky-Klasse) hätte er eine seiner zwei Großchancen (2./42.) genutzt. In der zweiten Halbzeit war von ihm nicht mehr so viel zu sehen. Note 3,5  © nordphoto
GER, 1. FBL, Eintracht Frankfurt vs SV Werder Bremen
Florian Kainz (ab 67.): Rückte auf die linke Seite, brachte aber auch nicht mehr den entscheidenden Impuls. Note -  © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (rechts, ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 1. Note -  © nordphoto
Aron Johannsson
Aron Johannsson (ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 2. Note - © nordphoto

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