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Thomas Schaaf schaut bei Werder als Ex-Coach immer ganz besonders hin, aber auch bei anderen Clubs, denn der 55-Jährige arbeitet für die Uefa.

„Alex macht einen guten Job“

Schaaf für Nouri-Verbleib

Bremen - Vor dem Spiel seiner beiden Ex-Clubs spricht Thomas Schaaf über Werder Bremen und Eintracht Frankfurt - und macht sich für eine Vertragsverlängerung mit Werder-Trainer Alexander Nouri stark.

Wenn seine Ex-Clubs am Freitagabend in Frankfurt aufeinandertreffen, dann sitzt Thomas Schaaf daheim in Brinkum bei Bremen vor seinem Fernseher – und drückt wem die Daumen? Natürlich Werder! „Ich hatte ein tolles, erfolgreiches Jahr in Frankfurt, aber in Bremen war ich viel länger, da ist die Beziehung enger – deswegen wäre mir ein Sieg für Werder schon lieber“, gesteht der 55-Jährige – und denkt dabei als Trainer auch an den Abstiegskampf: „Wir sind noch nicht durch. Alles ist möglich, selbst Ingolstadt kann den Klassenerhalt schaffen.“ Werder sieht Schaaf dabei mit Trainer Alexander Nouri und Sportchef Frank Baumann sehr gut aufgestellt.

„Frank macht einen hervorragenden Job“, lobt Schaaf seinen einstigen Kapitän, mit dem er 2004 das Double holte: „Er wirkt auf mich total souverän.“ Dazu zählt für Schaaf auch der Umgang mit dem Trainer: „Frank gibt ihm die nötige Unterstützung. Er ist nicht verrückt geworden, als die Ergebnisse nicht stimmten, und er dreht auch jetzt nicht durch.“ Dass Baumann mit Nouri erst über eine Vertragsverlängerung sprechen will, wenn der Klassenerhalt geschafft ist, hält Schaaf für absolut in Ordnung. Er selbst hat sein Urteil allerdings schon gefällt: „Alex macht einen guten Job, man sollte den Weg mit ihm weitergehen.“

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

Vor fast 17 Jahren war Nouri mal ein Spieler von Schaaf in Bremen. Auch deshalb schaut der Ex-Coach genau hin, was sein Nach-Nach-Nachfolger bei Werder macht. „Sein Gesicht zeigt, wie viel Energie dieser Job kostet“, findet Schaaf: „Aber Alex ist bereit, diesen Weg weiterzugehen. Und wenn man hart arbeitet, kann man nicht so aussehen, als würde man gerade aus der Wellness-Oase kommen.“

Am vergangenen Dienstag hat sich Schaaf den 3:0-Sieg gegen Schalke im Weserstadion live angeschaut und war durchaus beeindruckt. „Werder agiert sehr selbstbewusst, die Körpersprache ist ganz anders als noch vor ein paar Wochen. Natürlich liegt das auch an den Ergebnissen“, sagt Schaaf. Aber die Siegesserie sei auch kein Zufall: „Die Defensive steht sehr gut. Da sieht man, dass daran intensiv und gut gearbeitet wurde.“

„Es passt einfach mit Max Kruse und Werder“

So wenig Gegentore wie zuletzt hat Werder seit Jahren nicht kassiert – schon gar nicht unter Schaaf. Darauf angesprochen, muss der 55-Jährige erstmal lachen. Das Thema hat ihn stets verfolgt, erst positiv, am Ende seiner Zeit in Bremen dann negativ. „Alle Welt schreit nach schönem Fußball, aber am Ende zählt nur das Ergebnis“, klagt der Ex-Profi: „Meine Maxime war nun mal: So lange wir ein Tor mehr schießen als der Gegner, ist es mir egal, wie viele Tore wir kassieren. Trotzdem basiert eine gute Offensive immer auch auf einer guten Defensive.“

Nouris Weg sei deshalb nachvollziehbar – gerade im Abstiegskampf. Andererseits empfand Schaaf Werders Angriff gegen Schalke als „etwas zu zaghaft“. Gerade mit so besonderen Spielern wie Max Kruse sei nach vorne mehr möglich. „Er hält die Bälle, er verteilt sie, er will Tore machen, er marschiert, er hat Selbstvertrauen – es passt einfach mit Max und Werder“, sagt Schaaf über einen Spieler, der unter ihm 2007 sein Bundesliga-Debüt feierte, danach aber nicht mehr eingesetzt wurde. Die Konkurrenz im Mittelfeld und Sturm war damals enorm. Jetzt ist Kruse selbst ein Star.

Als Trainer von Eintracht Frankfurt war Thomas Schaaf 2015 zu Besuch in Bremen - und traf auch den damaligen U23-Coach Alexander Nouri (2.v.r).

Einen ähnlichen Status besitzt auch Thomas Delaney, der erst seit Januar in Bremen ist. „Mit seinem ganzen Auftreten tut er Werder richtig gut. Es ist bitter, dass er jetzt ausfällt“, sagt Schaaf. Doch die Bremer könnten diesen Ausfall besser verkraften als Gegner Frankfurt das Fehlen von Makoto Hasebe (Knieoperation). „Er hat das Frankfurter Spiel von hinten geprägt. Sein Ausfall tut richtig weh“, sagt Schaaf. Nach einer „hervorragenden Hinrunde“ sei bei den Frankfurtern nach jedem verpassten Sieg die Leichtigkeit geringer geworden. Seit acht Spielen warten die Hessen nun schon auf einen Dreier.

Der Traum vom Europapokal scheint dort langsam zu platzen – und in Bremen immer mehr zu wachsen. Die Werder-Fans sangen beim Schalke-Spiel schon entsprechende Lieder. „Dass geträumt, gerechnet und spekuliert wird, das ist doch super, davon lebt doch der Fußball“, findet Schaaf: „Als Verantwortlicher musst du aber ruhig bleiben und genau überlegen, was als Motivation besser zu deiner Mannschaft passt: der Angriff auf die internationalen Plätze oder die Fokussierung auf den Klassenerhalt.“

„Wir Trainer sind keine Heiligen“

Ruhe und vor allem Geduld sind Schaaf sehr wichtig – nicht nur in Bremen. „Wir Trainer sind keine Heiligkeiten, machen Fehler und manchmal passt es einfach auch nicht“, sagt der 55-Jährige: „Aber warum sprechen alle immer von Kontinuität und langfristigen Planungen, um dann nach vier Monaten den Trainer wieder zu entlassen?“ Es sei für einen Trainer schlichtweg unmöglich, „in wenigen Monaten, eine Mannschaft zu entwickeln, aufzubauen und neue Strukturen zu schaffen“.

In Frankfurt hatte Schaaf im Mai 2015 nach nur einer Saison wegen fehlender Rückendeckung im Verein das Handtuch geworfen. Ein Jahr später konnte er Hannover 96 nicht vor dem Abstieg retten. Seitdem arbeitet der ewige Werderaner (von 1972 bis 2013 erst Spieler, dann Trainer) unter anderem als Beobachter für die Uefa und als Ausbilder für Trainer beim Fußball-Verband der USA. Eine Rückkehr ins Trainergeschäft will er nicht ausschließen, nur eines werde ganz sicher nicht passieren, betont Schaaf: „China oder so etwas wäre nichts für mich.“

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