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Erschöpfung bei den Werder-Profis nach dem dritten Spiel innerhalb sieben Tage.

Taktik-Analyse

Werder in Frankfurt: Platt, aber mit Punkt

Bremen - Von Cedric Voigt. Der SV Werder Bremen beendet die Englische Woche ungeschlagen. Nach den beeindruckenden Siegen zuletzt setzte es gegen spielfreudige Frankfurter einen kleinen Rückschlag. Die Taktik-Analyse.

Trotz der leichten Leistungsdelle hatte das letzte Bremer Aufgebot sogar durchaus Chancen zum Sieg, darf unterm Strich jedoch mit dem Punktgewinn gegen die Eintracht zufrieden sein. Alexander Nouris Startaufstellung entsprach den Erwartungen: Er vertraute erneut dem Erfolgsrezept des 3-1-4-2. In der Startelf ersetzte Maximilian Eggestein den verletzten Thomas Delaney, während Fin Bartels für Claudio Pizarro zurück ins Team rückte – wohl, weil man sich auswärts größere Räume für Konter versprach und der peruanische Altmeister zuletzt nur bedingt überzeugen konnte. Gegen das Schalker 4-2-3-1 hatte man in dieser Ausrichtung konstant für guten Zugriff im Mittelfeld sorgen können.

Die Ausrichtung der Frankfurter wusste die Bremer Tricks und Kniffe allerdings geschickt zu umgehen: Werder konnte zuletzt besonders dadurch überzeugen, im Zentrum eine Gleich- oder Überzahl zu schaffen und die Mittelfeldspieler des Gegners aggressiv mannorientiert unter Druck zu setzen. Niko Kovac und seine Frankfurter hatten aber einen anderen Plan als das Spiel durch das Zentrum. Die Hessen bauten das Spiel zunächst aus einer breit aufgefächerten Dreierkette heraus auf: Mit Andersson Ordóñez und besonders David Abraham konnte man aufbaustarke Halbverteidiger auf den Platz bringen, die sich nicht scheuten, hoch aufzurücken.

Gleichzeitig war die erste Frankfurter Linie aus der Bremer Formation heraus schwer zu pressen: Fin Bartels und Max Kruse mussten einerseits weite Wege gehen, um die Frankfurter Innenverteidiger zu stören, andererseits fehlte es der Bremer Doppelspitze auch an Unterstützung. Die Flügelverteidiger waren mit ihren Pendants auf Frankfurter Seite bereits ausgelastet. Im Frankfurter Zentrum entzogen sich Omar Mascarell und Mijat Gacinovic immer wieder dem Bremer Zugriff. Während Mascarell sich vor allem im Sechserraum freilief und den Aufbau unterstützte, positionierte sich Gacinovic meist etwas höher.

Bremer Konter kamen zunächst nicht durch

So gelang es den Frankfurtern, sowohl Florian Grillitsch als auch Zlatko Junuzovic auf den Bremer Achterpositionen gut zu beschäftigen und den Druck von den ersten eigenen Aufbauspielern wegzuleiten. Nach vorne ging es dann meist über die Flügel oder die Halbräume: Hier tat sich in der ersten Hälfte besonders Marco Fabian hervor. Als Gegenstück zum gelernten Stürmer Branimir Hrgota auf der rechten Seite agierte der mexikanische Spielmacher halblinks als eine von zwei hängenden Spitzen hinter Mittelstürmer Ante Rebic und holte sich viele Bälle tief im Mittelfeld, die er anschließend gut zu verteilen wusste.

Mit seiner links versetzten Positionierung konnte er zudem meist ohne viel Druck agieren – Maxi Eggestein, der häufig ohne einen direkten Gegenspieler das Zentrum sicherte, konnte seine Position nicht gefahrenlos verlassen, die Bremer Innenverteidiger nicht so weit herausrücken, wie sich Fabian zurückfallen ließ und die Bremer Achter waren mit der Frankfurter Doppelsechs beschäftigt. Fabian als freie Offensivkraft blieb so schwer zu fassen und half der Frankfurter Ballsicherheit wie auch dem schnellen Spiel nach vorne.

Gerade in der ersten halben Stunde kamen die Gastgeber so zu einigen Chancen, besonders nach Hereingaben aus den Halbräumen, und dominierten auch den Ballbesitz durchgehend. Bremer Konter kamen anders als zuletzt kaum durch – zum einen stand Werder einfach zu tief, zum anderen wirkten die Frankfurter etwas frischer und aufmerksamer und erstickten mit gutem Gegenpressing die unpräzisen Entlastungsangriffe der Grün-Weißen schon im Keim.

Einzelkritik: Starker Wiedwald an alter Wirkungsstätte

Alexander Nouri reagierte bereits früh im Spiel – wenn auch nicht nur aus taktischen Gründen: Milos Veljkovic wandelte am Rande des Platzverweises und ging bereits nach einer halben Stunde aus der Partie. Für den Serben kam Florian Kainz zu seinem bislang längsten Pflichtspieleinsatz für Werder. Aus taktischer Sicht bedeutete das eine Abkehr von der klaren Fünferkette: Vielmehr orientierte sich Kainz ins linke Mittelfeld, während Fin Bartels stärker die rechte Seite besetzte. Dabei blieben jedoch beide Flügelspieler häufig recht tief und verstärkten die Bremer Viererkette, sodass weiterhin Fünfer- oder gar Sechserketten entstanden und gegen druckvolle Frankfurter den Raum sicherten.

Andererseits brachten die neuen, klaren Flügelspieler zumindest vereinzelt Entlastung: So entstand das überraschende 1:0 nach einer der wenigen gelungenen Bremer Umschaltaktionen, als nach einem tiefen Ballgewinn der eingewechselte Kainz auf Linksaußen den Ball erhielt und mit einem cleveren Dribbling die Hereingabe bis zum idealen Abspielzeitpunkt verzögerte. Wie schon in den Vorwochen zeigte sich Werder also eiskalt vor dem gegnerischen Tor – noch vor der Pause erhöhte Fin Bartels mit einem Kunstschuss sogar auf das schmeichelhafte zwischenzeitliche 2:0 aus Bremer Sicht.

Kovac reagierte in der Pause, indem er Innenverteidiger Marco Russ aus der Partie nahm und Danny Blum als zusätzliche Offensivkraft in die Partie brachte. Die Frankfurter Dreierkette wurde so zugunsten eines Mischsystems aus 4-2-3-1 und 4-3-3 aufgelöst, in der Blum den rechten Flügel verstärkte und Fabian stärker ins Zentrum rückte, wo er als Zehner oder rechter Achter neben Gacinovic weiter den Spielaufbau antreiben sollte. Trotz der Umstellung auf die Viererkette rückten die Frankfurter Außenverteidiger weiter hoch auf – eine durchaus nicht risikolose Spielweise, die Werder jedoch nicht entscheidend nutzen konnte.

Deutlicher Substanzverlust bei Werder

Die letzte Präzision und die passenden Laufwege bei den Gegenstößen fehlten, häufig musste im reaktiven 4-1-4-1 der zweiten Halbzeit auch einer der Bremer Achter vorrücken, um Max Kruse im Zentrum zu unterstützen – nur ist die Stärke beispielsweise eines Florian Grillitsch nun leider nicht der Antritt in Kontersituationen. Werder war sowohl der personelle Notstand als auch der Kräfteverschleiß nach der englischen Woche anzumerken: Einerseits fehlte das Tempo, das beispielsweise ein Serge Gnabry hätte auf den Platz bringen können, andererseits fehlte die letzte Präzision und Schärfe in den Zuspielen.

Umgekehrt schien das Frankfurter Spiel in Halbzeit zwei nicht unbedingt sauberer, aber effektiver zu werden – die Bremer Gegentreffer fielen nach einem Eckball und durch einen Strafstoß. Aus dem Spiel heraus besaßen die Frankfurter zwar weiter eine gewisse Dominanz, kamen jedoch nur vereinzelt zu Chancen, die Felix Wiedwald zwar selten festhalten, doch zumeist klären konnte. Noch zerfahrener wurde die Partie, als Frankfurt weitere Defensivspieler für zusätzliche Offensivpower opferte und Werder auch noch Luca Caldirola verletzungsbedingt verlor.

Nur Remis: Werder verspielt 2:0-Führung

In der Schlussphase agierten mit Timothy Chandler und Santiago Garcia zwei gelernte Außenverteidiger in der Innenverteidigung ihrer jeweiligen Mannschaft, das Spiel wurde von langen Bällen dominiert. Auch die späte Hereinnahme von Claudio Pizarro für Fin Bartels und die Umstellung auf ein 4-4-2 trug eher zu diesem Effekt bei, als dass es ihn linderte. Auch späte Gelegenheiten durch Grillitsch und Kruse konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Werder trotz Halbzeitführung mit dem einen Punkt zufrieden sein konnte.

Ohne zahlreiche Stammspieler und mit der dritten Partie in sieben Tagen merkte man deutlich den Substanzverlust, teils fehlte die Selbstsicherheit im Spiel aus der Abwehr nach vorne, teils die letzte Konsequenz im Mittelfeldpressing. Dennoch konnte man auswärts gegen druckvoll auftretenden Frankfurter weitestgehend standhalten. Die Verschnaufpause vor dem Nordderby beim Hamburger SV am Ostersonntag kommt den Bremern allerdings definitiv gelegen – um den Schritt zurück zur Spielweise der Vorwochen zu machen, wird ein wenig Zeit zur Regeneration nur guttun.

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