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Raul Bobadilla traf in der Nachspielzeit zum 3:2 für Augsburg gegen Werder Bremen.

Bobadilla trifft in Nachspielzeit

2:3 - Last-Minute-Schock für Werder

Augsburg - Zweimal geführt, trotzdem verloren: Werder Bremen hat mit der 2:3 (1:1)-Niederlage beim FC Augsburg den Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga verpasst.

Das entscheidende Tor der Partie hatte FCA-Stürmer Raul Bobadilla in der dritten Minute der Nachspielzeit erzielt – allerdings aus einer Abseitsposition heraus. Zuvor hatten Theodor Gebre Selassie (23.) und Max Kruse (65./Foulelfmeter) die Bremer zweimal in Front gebracht. Jonathan Schmid (28.) und Ja-Cheol Koo (79.) glichen jeweils aus. Durch die Niederlage müssen die Bremer die Augsburger auf acht Punkte davonziehen lassen, der Kontakt zum Mittelfeld reißt immer mehr ab. „Das ist jetzt Überlebenskampf pur“, sagte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic. „So ein Spiel aus den Händen gleiten zu lassen, ist extrem bitter“, meinte Werder-Coach Alexander Nouri.

Auf die Ausfälle von Innenverteidiger Niklas Moisander (Oberschenkelzerrung) und Linksverteidiger Santiago Garcia (Gelbsperre) reagierte Nouri mit einer ungewöhnlich besetzten Dreierkette und gleich zwei Überraschungen auf links. Neben dem zentralen Abwehrmann Lamine Sane spielten rechts Milos Veljkovic und links der in entscheidenden Szenen unglücklich agierende Ulisses Garcia. Der junge Schweizer kam zu seinem fünften Saisoneinsatz und dem erst zweiten von Beginn an.

Während vor Veljkovic der etatmäßige Verteidiger Robert Bauer im Mittelfeld agierte, bekam Theodor Gebre Selassie die Position vor Garcia zugewiesen. Der Tscheche, sonst rechter Verteidiger, auf dem linken Flügel – das hat Seltenheitswert. Aber die Maßnahme, zwei gelernte Außenverteidiger auf die Flügel vor der Dreierkette zu stellen, war mit Bedacht gewählt. Erklärung Nouri: „Der FC Augsburg ist über die Flügel sehr stark. Da müssen wir hellwach sein und uns gegenseitig helfen.“

Gebre Selassie erzielt das 1:0 - Fußball vom Reißbrett

Die bemerkenswerteste Personalie saß bei Werder allerdings auf der Bank. Kapitän Clemens Fritz gehörte nach überstandenen Nackenproblemen nicht zur ersten Elf. Erstmals seit dem 1. Februar 2015 (2:0 über Hertha BSC) saß der 36-Jährige auf der Ersatzbank. Im zentralen, defensiven Mittelfeld hatten Neuzugang Thomas Delaney und Zlatko Junuzovic den Vorzug bekommen.

Werder brauchte allerdings 20 Minuten, um in dieser Formation einigermaßen zur Ordnung und Sicherheit zu finden. Bis dahin hatte Raul Bobadilla schon zwei dicke Möglichkeiten, den FCA in Führung zu bringen. Einmal scheiterte er an Bremens Schlussmann Felix Wiedwald (8.), einmal flog der Paraguayer haarscharf an einer Flanke vorbei (17.). Die Gäste zeigten erst mit einem Junuzovic-Versuch aus spitzem Winkel, dass auch sie Interesse am Toreschießen besitzen. Und untermauerten das sodann eindrucksvoll mit der Führung. Gebre Selassie vollendete nach einer einstudierten Freistoß-Variante über Junuzovic, Delaney und Bauer zum 0:1 (26.). Dieses Tor war ein perfekt einstudiertes Stück Fußball vom Reißbrett.

Werder verschenkt doppelte Führung

Werder führte, Werder zeigte aber einmal mehr, dass ein Vorsprung die Mannschaft eher nervös, denn selbstsicher macht. Schon beim ersten Angriff nach dem Gegentreffer besaß Ja-Cheol Koo die Chance zum Ausgleich, vergab aber. Nicht schlimm aus Sicht des FCA, denn Werder gewährte gleich die nächste Möglichkeit – und die nutzte Jonathan Schmid zum 1:1 – nur zwei Minuten lagen zwischen den Toren.

Schmid gehörten allerdings maximal 50 Prozent an dem Augsburger Treffer. Initiator war Bobadilla – bei „Sky“ treffend als „Ein-Mann-Büffelherde“ beschrieben. Mit der ganzen Kraft seines wuchtigen Körpers hatte er sich gegen den hilflosen Garcia durchgesetzt und Schmid bedient – Sane kam zu spät, Wiedwald bot zu früh das kurze Eck an.

Bis zur Pause bestimmten die Bremer dann die Partie. Doch bis auf eine Schusschance für Junuzovic (37.) sprang nichts dabei heraus. Was auch daran lag, dass die Offensive, in der Claudio Pizarro wegen muskulärer Probleme fehlte, kaum miteinander kombinierte. Kruse mühte sich zwar, seine Aktionen verpufften jedoch zum Großteil.

Kruse per Elfmeter: 3000. Bundesliga-Tor für Werder

Das blieb auch nach der Pause lange so. Werder war eine Spur besser als Augsburg, Werder war aber auch ungefährlich – so könnte die knappste aller Zusammenfassungen lauten. Bis es Serge Gnabry zu langweilig wurde und er einfach mal zum Solo Richtung FCA-Tor ansetzte. An Martin Hinteregger zog er vorbei, wurde dann von dem Österreicher und dessen Kollegen Dominik Kohr in die Zange genommen. Gnabry lag plötzlich, und Schiedsrichter Christian Dingert entschied sofort auf Strafstoß. Wohl zu recht. Kruse trat an, traf sicher zum 2:1 aus Werder-Sicht und feierte das 3000. Tor in der Bremer Bundesliga-Geschichte (65.).

Nummer 3001 hätte wenig später folgen müssen, doch der für Bartels ins Spiel gekommene Aron Johannsson verpasste nach perfekter Kruse-Vorarbeit das 3:1. Es wäre in einem Spiel mit steigendem Unterhaltungswert wohl die Entscheidung gewesen. Statt sicher zu führen, kassierten die Bremer aber wieder den Ausgleich. Und wieder war es für Augsburg viel zu leicht. Bei einer Flanke aus dem Halbfeld bewegte sich Sane zu behäbig und kam Delaney gegen den Südkoreaner Koo zu spät – 2:2 nach 79 Minuten.

"Ein-Mann-Büffelherde" Bobadilla trifft in der Nachspielzeit

Fortan waren alle Visiere hochgeklappt, Johannsson vergab eine weitere Werder-Chance (90.+1) – und dann kam nochmal die „Ein-Mann-Büffel-Herde“ namens Raul Bobadilla. Am orientierungslos wirkenden Ulisses Garcia vorbei erzielte der Südamerikaner das 3:2 für Augsburg, stand dabei aber um eine Winzigkeit im Abseits. „Unabhängig ob Abseits oder nicht. Das müssen wir einfach besser verteidigen, das zieht sich durch die ganze Saison“, kritisierte Sportchef Frank Baumann.

Der Bremer Fehlstart ins neue Jahr ist nunmehr perfekt ist. Drei Spiele, drei Niederlagen. Keine davon war klar, und die in Augsburg definitiv unnötig. „Wenn du eigentlich die bessere Mannschaft bist, darf dir das nicht passieren. So stehen wir zu recht da unten“, meinte Junuzovic. Für Werder folgen nun die Duelle gegen Borussia Mönchengladbach, Mainz 05, VfL Wolfsburg sowie Darmstadt 98 – die Fortsetzung des Überlebenskampfes.
csa

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