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Max Kruse ist nach wie vor Werders bester Torschütze.

Werders Flexibilität im Sturm

Kohfeldts spezielles „Vier gewinnt“

Bremen - Der Fixpunkt ist Max Kruse. Unbestritten. Um ihn dreht sich das Bremer Offensivspiel, ohne ihn geht es nicht. Jedenfalls bisher.

Doch Werder Bremen ist gerade auf dem besten Weg, sich auf dem Platz nach und nach von seinem Superstar zu emanzipieren – im positiven Sinne natürlich. Denn es gibt nicht mehr nur Kruse, der die Tore schießt, die Vorlagen liefert, die Chancen kreiert. Andere springen ein – namentlich Aron Johannsson, Milot Rashica, Ishak Belfodil und Florian Kainz. Vier Spieler, die sich abwechseln in der Rolle des Kruse-Satelliten und Kruse-Adjutanten. Und sie machen es gut. Findet auch Coach Florian Kohfeldt. „Ich kann je nach Gegner variieren. Besonders toll ist aber, dass die Jungs auch fast immer das abliefern, was man sich erhofft und erwartet.“

Das bringt Kohfeldt in die Luxus-Situation, frei auswählen zu können, und macht Vorhersagen, wer im nächsten Spiel in der Startelf stehen wird, quasi unmöglich. Auch für den gegnerischen Trainer.

Es ist eine besondere Art des „Vier gewinnt“, die Kohfeldt derzeit spielt. Mal schickt er den körperlich robusten Belfodil in den Kampf (wie beim 2:2 in Gladbach), im nächsten Spiel bilden Kainz und Rashica eine gefährliche Flügelzange und produzieren gemeinsam den Konter zum 2:1. Und es sollte nicht verwundern, wenn gegen Augsburg oder einem der nächsten Spiele auch Aron Johannsson wieder auf den Spielberichtsbogen hüpft.

16 verschiedene Torschützen

Bei dem US-Nationalspieler – wohl der Stürmer mit dem stärksten Zug zum Tor neben Kruse – hat man ohnehin das Gefühl, dass er bei Kohfeldt noch viel mehr Spielanteile hätte, wenn er nicht immer wieder durch kleine Zipperlein ausgebremst werden würde. Aber gut, der Werder-Kader hat andere Lösungen parat, wenn es sein muss.

Die Vielfalt der Möglichkeiten lässt sich längst auch in Toren und anderen Zahlen ausdrücken. 16 unterschiedliche Spieler haben bislang für 27 Bremer Saisontore gesorgt – und jeder Angreifer hat in den vergangenen Wochen schon seinen großen Auftritt gehabt. Kainz mit zwei Treffern beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg, Johannsson mit dem Ausgleich gegen Gladbach, Belfodil mit dem erzwungenen Siegtreffer im Nordderby, zuletzt Rashica mit dem Kontertor gegen Köln. Leistungsnachweise, die zwar nicht besagen, dass Kruses Kollegen alles in Grund und Boden schießen, die aber aufzeigen, dass stets mindestens auf einen Verlass ist. „Unser Ziel war es immer, uns im Angriff variabel aufzustellen. Ich glaube, das ist uns in den letzten Wochen gelungen“, meint Kohfeldt. „Egal wer spielt, wir verlieren nicht an Qualität. Das hat uns in den vergangenen Spielen so stark gemacht“, sagt auch Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein.

Krise bei Kruse? Nein!

Und Max Kruse? Kurioserweise wartet er nun schon seit fünf Spielen auf sein sechstes Saisontor. Eine Krise? Nein, vielmehr die Konsequenz einer Entwicklung, die Kohfeldt nicht nur negativ sieht. Die Gegner haben sich sehr auf Kruse eingeschossen, „sie verfolgen ihn über den ganzen Platz“, stellte der Coach beispielsweise am Montag nach dem Sieg über Schlusslicht Köln fest. Diese Sonderbehandlung raubt Kruse zwar viel von seinem direkten Einfluss auf die eigenen Offensivaktionen, eröffnet aber auch Chancen. Kohfeldt: „Die Bewachung von Max gibt Raum für andere. Der Idealzustand wäre, dass wir diese Räume so gut nutzen, dass der Gegner die Bewachung von Max wieder aufgeben muss. Dann wären wir noch weniger berechenbar.“

Wie das aussehen kann, hat der Montag gezeigt. „Das Kontertor von Rashica war ein gutes Beispiel. Er ist in den Raum gestartet, den Max freigemacht hat. Max war weg, hat Gegenspieler mitgezogen. Der Laufweg war frei. Für mich ist deshalb der Anteil von Max an dem Tor genauso groß wie der von Rashica“, erklärt Kohfeldt. Ob Kruse sich darüber genauso freuen kann, ist nicht überliefert. Kohfeldt kann nur berichten, dass der Bremer Offensivchef weder von der eigenen Torflaute noch von gegnerischen Wadenbeißern großartig beeindruckt sei. „Max ist doch nur selten genervt“, meint der 35-Jährige. Und überhaupt: „Es ist zwar nie eine gute Situation für uns, wenn der Gegner versucht, Max aus dem Spiel, zu nehmen. Aber wenn wir das für uns nutzen, dann hat Max vielleicht nicht so viel Spaß auf dem Platz, aber wir gewinnen trotzdem. Da muss er dann durch.“

Kohfeldt lacht dazu, weil er weiß, dass Kruse die Rolle annimmt und irgendwann auch wieder selbst treffen wird. Vielleicht schon heute in Augsburg. Wer mit ihm den Bremer Angriff bilden wird, ist freilich völlig offen. Kohfeldt: „Einen berechtigten Anspruch haben ja alle vier.“

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