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Werder Bremen feiert den fulminanten 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt - und träumt vom Europapokal.

Einfach Welt-Kruse: Bremen auf Euro-Kurs

„Klopfen oben an“ – Werder-Profis ändern Saisonziel

Ingolstadt - Werder traut sich, zu träumen! Nach dem 4:2-Sieg beim FC Ingolstadt hält sich Trainer Alexander Nouri zwar noch zurück – aber die Spieler haben ein klares Ziel vor Augen: Europa.

Sportchef Frank Baumann und Trainer Alexander Nouri gaben sich alle Mühe, auch in einem der besten Werder-Momente der letzten Jahre bescheiden zu bleiben – da nahm die siegreiche Mannschaft einfach mal selbst das Heft in die Hand. Die Spieler veränderten nach dem fulminanten 4:2 (1:1)-Sieg in Ingolstadt und dem Sprung auf Platz sechs kurzerhand das Saisonziel. „Jetzt klopfen wir oben an“, tönte Keeper Felix Wiedwald – und Teamkollege Robert Bauer verriet: „Wir haben intern gesagt: Wenn wir in Ingolstadt gewinnen, dann schauen wir auf die Europa League.“

Und Werder hat gewonnen – und wie! Mit einer unglaublichen Energieleistung und einem noch unglaublicheren Max Kruse, der alle vier Tore erzielte. Das war einfach Welt-Kruse! „So einen hätten wir auch gerne“, seufzte Ingolstadts Coach Maik Walpurgis, der sich mit seinem Team immer mehr dem Abstieg nähert.

Nouri: „Werde Enthusiasmus nicht bremsen“

Werder hat sich dagegen mit 42 Punkten so weit vom Tabellenkeller entfernt, dass Nouri den Klassenerhalt als perfekt bezeichnete. Doch von Europa wollte er nicht so gerne sprechen: „Wir sind gerade nach dieser schwierigen Saison nicht so vermessen, ein neues Ziel auszugeben. Wir tun gut daran, bescheiden zu bleiben.“ Dass seine Spieler das offenbar etwas anders sehen, störte ihn nicht: „Ich finde es großartig, wenn so etwas aus den Reihen der Spieler kommt. Ich werde die Mannschaft in ihrem Enthusiasmus nicht bremsen.“ Ähnlich nachsichtig ging auch Baumann mit dem völlig euphorisierten Personal um: „Die Spieler und Fans können gerne darüber sprechen und nachts davon träumen. Aber entscheidend ist, dass die Spieler tagsüber hellwach sind und konzentriert arbeiten.“

In Ingolstadt hatte das erst nach der Pause richtig funktioniert. Zu Beginn war es doch eher ein Auftritt der schlechteren Art, und der Verdacht lag nahe, Werder würde sich nach neun Spielen ohne Niederlage schon zu siegessicher fühlen. Die Quittung dafür gab es in der 32. Minute, als Dario Lezcano nach einem Stellungsfehler von Lamine Sane das 1:0 erzielte – allerdings aus abseitsverdächtiger Position.

Viererpacker Kruse lässt Werder jubeln

Immerhin gelang Werder kurz vor der Pause endlich mal ein guter Angriff, der mit einem rüden Foul an Fin Bartels endete. Dafür gab es zwar Elfmeter, aber kein Rot für Täter Marcel Tisserand. Eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Markus Schmidt. Max Kruse machte trotzdem, was er immer vom Elfmeterpunkt aus macht: Er traf – und das zum elften Mal im elften Versuch in der Bundesliga.

Bartels hätte nach der Pause schon den Euro-Kurs einschlagen können, doch er schoss nach feiner Kainz-Vorarbeit vorbei. Das sollte sich rächen – auf höchst ärgerliche Weise. Schiri Schmidt fiel auf eine Schwalbe von Almog Cohen gegen Niklas Moisander herein. Elfmeter von Pascal Groß, 2:1 für Ingolstadt (62.) – wie sollte Werder das an diesem Tag nur wieder drehen?

Bauer: „Bis Platz fünf sind auch nicht so viele Punkte“

Mit noch mehr Offensivpower. Nouri brachte umgehend Claudio Pizarro und Serge Gnabry. Doch für den Ausgleich brauchten die Bremer fremde Hilfe. FCI-Keeper Martin Hansen faustete einen harmlosen Moisander-Ball vor die Füße von Kruse, der mit einem nicht einfachen Drehschuss zum 2:2 abstaubte (81.). Werder wollte mehr und wurde belohnt. Nach feiner Vorarbeit des starken Kainz gelang Kruse mit einem schönen Linksschuss das 3:2 (87.). Und in der Nachspielzeit traf er noch ins leere Tor, nachdem Keeper Hansen bei einer Ecke nach vorne geeilt war.

„Europapokal, Europapokal“, dröhnte es aus dem Werder-Fanblock. Platz sechs würde ganz sicher für Europa reichen. Am Sonntag kann der SC Freiburg noch vorbeiziehen. Na und! Werder fühlt sich so bärenstark, um die Super-Serie fortzusetzen. „Wir wollen nicht mehr weg von diesem Platz“, merkte Bauer an und korrigierte sich dann unbewusst sogar noch selbst: „Bis Platz fünf sind es auch nicht so viele Punkte.“ Es wird geträumt. Und ein ganz kleines bisschen machte dabei dann sogar noch der Trainer mit: „Wenn's für einen dieser Plätze reicht: Ja, geil.“

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