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Im 107. Nordderby trennen sich der Hamburger SV und Werder Bremen mit einem torlosen Unentschieden.

Erst mit Junuzovic wird Bremen ein bisschen gefährlich / Ultras erneut nicht im Volksparkstadion

0:0 – Werder viel zu spät im Derby-Modus

Hamburg. Werder hat das Gewinnen endgültig verlernt und dazu im Nordderby ziemlich enttäuscht: Denn beim 0:0 gegen den Hamburger SV fanden die Gäste am Samstagabend viel zu spät den nötigen Derby-Modus. Deshalb wäre der erste Sieg im siebten Saisonspiel auch nicht verdient gewesen.

Immerhin kletterte Werder durch den Punktgewinn in der Tabelle auf den Relegationsplatz, kann aber am Sonntag von Freiburg (gegen Hoffenheim) wieder überhholt werden. Eines ist aber so oder so klar: In dieser Verfassung geht es für die Bremer in dieser Saison einzig allein um den Klassenerhalt – und das wird schwierig genug.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ludwig Augustinsson hatte sich Werder-Trainer Alexander Nouri für die einfachste Lösung entschieden: Für den Schweden brachte er Ulisses Garcia auf der linken Außenbahn. Etwas überraschend war das allerdings schon. Der 21-jährige Schweizer hat in dieser Saison erst drei Minuten im Pokal gespielt - und in der vergangenen Saison war auch er auch alles andere als überzeugend in der Liga unterwegs gewesen. Immerhin: Nouri musste nicht umbauen, brachte ansonsten die Startformation aus dem Freiburg-Spiel.

HSV-Coach Markus Gisdol rotierte dagegen freiwillig und überraschte dabei vor allem mit dem ersten Startelf-Einsatz von Newcomer Tatsuya Ito. Und der 20-jährige Japaner wirbelte ganz ordentlich auf der linken Seite, brachte speziell Robert Bauer immer wieder in Verlegenheit und früh zu einer Gelben Karte wegen eines Foulspiels (33.).

Keine Ideen im Spielaufbau

Werder hatte eigentlich ganz ordentlich begonnen und durch einen Delaney-Kopfball auch die erste Chance, weil HSV-Keeper Christian Mathenia die Flutschfinger mitgebracht hatte. Das blieb aber ohne Folgen. Genauso wie auf der anderen Seite die Kopfbälle von Kyriakos Papadopoulos (16.) und Andre Hahn (26.). Viel gefährlicher war da schon die Direktabnahme von Gotoku Sakai, die knapp am Bremer Tor vorbeirauschte (28.).

Das Spiel hatte sich gedreht. Vor 54 000 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Volksparkstadion übernahmen die Gastgeber geführt von einem starken Aaron Hunt das Kommando, arbeiteten viel mehr als die Bremer. Das ließ sich auch an der Laufleistung ablesen: Die HSV-Profis waren zwei Kilometer mehr unterwegs. Werder agierte viel zurückhaltend, hatte überhaupt keine Ideen im Spielaufbau – und schon mal gar keine Durchschlagskraft. Absolut enttäuschend für ein Nordderby. 

Genauso wie eine andere Geschichte: Wie schon bei den beiden letzten Vergleichen hatten es zahlreiche Bremer Ultra-Fans nicht ins Stadion geschafft. Diesmal sollen 170 Personen von der Polizei gestoppt worden sein. Ob diese wie in der Vergangenheit verbotene Materialien dabei hatten, wurde zunächst nicht bekannt.

Junuzovic feiert Saisondebüt

Nouri änderte erst mal nichts, Gisdol dagegen schon – allerdings unfreiwillig: Der starke Ito, der seine Haken zuletzt noch für die U23 in der Regionalliga geschlagen hatte, musste von Krämpfen geplagt runter, für ihn kam Lewis Holtby (53.). Und kurz darauf hätte der HSV beinahe gejubelt: Hahn lief nach einem langen Abschlag Garcia weg, lupfte die Kugel aufs Tor, doch Werder-Keeper Jiri Pavlenka machte sich gerade noch lang genug (56.). Und wenig später war er gegen Bobby Wood auf dem Posten (60.).

Jetzt reagierte Nouri – und das sogar mit einem Doppelwechsel (63.): Für Philipp Bargfrede und Florian Kainz kamen Maximilian Eggestein und Zlatko Junuzovic, der nach langer Verletzungspause sein Saisondebüt feierte. Und wie: Mit einem Hackentrick bescherte er Fin Bartels die bis dahin beste Chance, die Mathenia aber vereitelte (71.). Und siehe da, plötzlich wurden die Gäste mutiger und aggressiver. Werder war endlich im Derby-Modus. Doch die nächste gute Chance hatte Hunt, Pavlenka parierte einmal mehr (79.). Und so langsam verpuffte auch schon wieder der Bremer Angriffselan. Die Angst vor der Niederlage war mal wieder spürbar. 

Wo war da ein Thomas Delaney, der die Mannschaft anführen will? Die Angreifer Belfodil und Bartels bekamen kaum Bälle. Und wenn doch, dann konnten sie diese auch nicht behaupten. Immerhin stand hinten die Null. Das war gegen diese alles andere als überragende Hamburger Offensive aber auch keine Glanztat. Der HSV, dem der Punkt auch nicht entscheidend hilft, kann aber immerhin für sich in Anspruch nehmen, den Sieg im 107. Nordderby der Bundesliga wirklich gewollt zu haben. Davon kann bei Werder keine Rede sein. 

Kein schönes Gefühl vor der Länderspielpause, nach der es mit einem Heimspiel gegen Mönchengladbach weitergeht.

Fotostrecke: Werders Nullnummer beim Hamburger SV

Lest auch die Taktikanalyse von Tobias Escher: Krampf statt Klasse - Nouri verliert das Taktikduell gegen Gisdol

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