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Florian Kainz erzielte im April den 2:1-Siegtreffer für Werder Bremen beim bisher letzten Nordderby gegen den HSV.

Vor dem siebten Spieltag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Hamburger SV

Hamburg - Nordderby – mehr Brisanz geht nicht! Und Werder wartet gegen den Hamburger SV noch immer auf den ersten Saisonsieg. Die wichtigsten Infos zum Spiel.

1. Wiedersehen mit alten Bekannten: Mit Aaron Hunt (2001 bis 2014 bei Werder, inklusive Jugend) und Dennis Diekmeier (2003 bis 2008) stehen zwei Ex-Bremer im Hamburger Team. Auf anderer Seite gibt es auch einen Überläufer: Jaroslav Drobny. Mit dem 37-Jährigen (2010 bis 2016 beim HSV) wird es aber wohl kein Wiedersehen geben. Er ist bei Werder nur noch dritter Torwart.

2. Zwei Teams, eine Krise: Nordclubs? Notclubs! Während Werder noch immer auf den ersten Saisonsieg wartet, konnte der Hamburger SV immerhin die ersten zwei Spiele gewinnen. Seitdem ging es bergab. Die Folge: null Punkte und null Tore in den vergangenen vier Spielen. Der HSV ist Tabellen-15., Werder -17.

3. Die Geschichte: Kein Duell gab es in der Bundesliga öfters. 106 Mal trafen die beiden Hansestädte schon aufeinander. Die Bilanz ist ziemlich ausgeglichen - mit leichtem Vorteil für die Grün-Weißen. Werder gewann 38 Spiele, Hamburg 34, 34 Spiele endeten unentschieden.

4. Der Derbyheld: Das bisher letzte Nordduell gegen den HSV entschied Werder im eigenen Wohnzimmer für sich - dank Florian Kainz. Der Österreicher erzielte beim 2:1 (1:1) den entscheidenden zweiten Treffer der Bremer. Beim Zwischenstand von 1:1 kam Kainz als Joker ins Spiel und schoss in der 75. Minute das Siegtor.

5. Nouri noch ohne Derbypleite: Alexander Nouri hat als Werder-Cheftrainer noch nicht gegen den Hamburger SV verloren. Im Hinspiel der vergangenen Saison holten die Bremer ein 2:2 in Hamburg, das Rückspiel entschied die Nouri-Elf bekanntlich mit 2:1 für sich. Mit einem Dreier würde der SVW-Coach übrigens seine persönliche 50-Punkte-Marke überspringen.

6. Der HSV-Trainer: Achtmal trat Hamburgs Chefcoach Markus Gisdol zu einem Bundesligaspiel gegen die Grün-Weißen an. Dabei gab es noch nie einen Sieg für den 48-Jährigen, und jedes Mal trafen beide Kontrahenten ins Tor.

7. Die Fehlenden: Bei Werder fällt Stürmer Max Kruse (Schlüsselbeinbruch) definitiv aus. Der Einsatz von Lamine Sane ist unwahrscheinlich, der von Ludwig Augustinsson fraglich. Bei Hamburg fehlen Nicolai Müller, Filip Kostic, Sven Schipplock und Rick van Drongelen. Albin Ekdal und Ex-Bremer Aaron Hunt dürften nach Verletzungen in den Kader zurückkehren.

8. Bremer Vereinsrekord: Gegen den Nordrivalen hat Werder den Vereinsrekord von 148 Zählern eingefahren. Vor dem 107. Duell in der Bundesliga holten die Bremer aber nur einen Punkt aus den letzten drei Gastspielen beim HSV. Den letzten Werder-Sieg in Hamburg gab es vor ziemlich genau vier Jahren (21. September 2013, 2:0).

9. Social Media: Wenn es nach den Zahlen in den sozialen Netzwerken geht, kann das Spiel am Samstag nur mit einem Remis enden. SVW und HSV liegen extrem dicht beieinander - mit hauchdünnem Bremer Vorteil: dem HSV folgen 1,580 Millionen Menschen auf den gängigen Kanälen (Twitter: 623.000, Facebook: 794.000, Instagram: 163.000), Werder hat 1,582 Millionen Follower (Twitter: 437.000, Facebook: 1.004.000, Instagram: 141.000).

10. Werder-Support: Mit einer Heerschar von Werder-Anhängern ist schon am Freitag beim Abschlusstraining zu rechnen. Im Nordderby im Volksparkstadion (Samstag, 18.30 Uhr) dürfen sich die Bremer Profis über 6.000 Fans freuen, die ihr Team zum ersten Saisonsieg brüllen wollen.

Noch mehr Fakten, noch mehr Historie, noch mehr Kurioses:

Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © imago/Future Im age
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © nordphoto
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © nordphoto
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Das höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © nordphoto
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © nordphoto
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © nordphoto

(mit dpa)

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