+
Abstiegskampf, im wahrsten Sinne des Wortes: Werders Zlatko Junuzovic (links) im Duell mit Hamburgs Johan Djourou.

2:2 im Nordderby zwischen Werder und dem HSV

Fehler-Festival ohne Sieger

Hamburg - Von Malte Rehnert. Sechs Jahre lang hatte es im Nordderby kein Unentschieden mehr zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV gegeben. Am Samstag, im 105. Bundesliga-Duell der beiden Erzrivalen, war es mal wieder soweit.

2:2 (2:2) hieß es am Ende einer Partie, die auch keinen Sieger verdient hatte. Es war ein Fehler-Festival vom Feinsten, Abstiegsk(r)ampf pur. „Der Punkt hilft keinem so richtig weiter“, meinte Werders Mittelfeldmann Philipp Bargfrede hinterher. Den Bremern (nun acht Zähler) aber etwas mehr, denn sie haben den HSV (4) auf Abstand gehalten – immerhin. Werder bleibt auf Rang 16, Hamburg weiterhin siegloses Schlusslicht. Dazwischen rangiert der FC Ingolstadt (1:1 gegen Wolfsburg), der nächste Bremer Gegner am Samstag.

„Natürlich bin ich enttäuscht, wir hatten uns mehr vorgenommen“, meinte Werder-Kapitän Clemens Fritz, „aber wir müssen damit leben. Es ist besser als nichts.“ Auch die anderen Bremer taten sich schwer damit, das Remis im mit 55 237 Zuschauern besetzten Volksparkstadion direkt nach dem Schlusspfiff zu beurteilen. „Ich kann das noch gar nicht richtig einschätzen“, sagte Fin Bartels: „Klar ärgern wir uns, dass wir nicht gewonnen haben. Aber immerhin haben wir den Negativtrend der vergangenen Wochen gestoppt.“ Vor dem Nordderby hatte Werder vier Mal in Folge verloren.

Trainer Alexander Nouri fand das Unentschieden unterm Strich „in Ordnung“. Er haderte mit den Fehlern – lobte aber „den guten Geist. Wir sind zwei Mal nach einem Rückstand zurückgekommen.“ Der 37-Jährige hatte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:2 gegen Frankfurt gleich auf vier Positionen verändert – und dabei gab es die eine oder andere Überraschung. Robert Bauer verteidigte rechts statt Theodor Gebre Selassie. Thanos Petsos ersetzte den verletzten Florian Grillitsch (zwei bis drei Wochen Pause wegen muskulärer Probleme) im defensiven Mittelfeld. Fin Bartels rückte in der Offensive für Torjäger Claudio Pizarro rein.

Jaroslav Drobny bleibt die Nummer eins im Werder-Tor

Und im Tor musste Felix Wiedwald für den wieder genesenen Ex-Hamburger Jaroslav Drobny weichen. „Er kann uns mit seiner Erfahrung, seiner Ausstrahlung und seiner Persönlichkeit noch einen Impuls geben“, erklärte Nouri, warum er auf den 37-jährigen Tschechen setzt – und zwar auch künftig als Nummer eins: „Das wird erst mal so bleiben. Er hat uns gut getan.“ Dass die Mannschaft über ihren Wunschkeeper abgestimmt hatte, wie der TV-Sender „Sky“ berichtete, bezeichnete Sportchef Frank Baumann als „völligen Quatsch“ und „komplett hirnrissig“.

Der neue, alte Stammkeeper Drobny (der insgesamt fußballerisch erhebliche Mängel offenbarte) stand gleich zu Beginn der Partie im Mittelpunkt. Bei einem Missverständnis mit Niklas Moisander spielte er den Ball ins Seiten-Aus. Einwurf HSV, dann die Flanke von Lewis Holtby – und in der Mitte war Michael Gregoritsch völlig frei und köpfte unbedrängt ein. 1:0 (3.) – ein Traum für die Hamburger, ein eiskalter Schock für die Bremer. „Wieder so super gestartet“, sagte Bargfrede mit beißender Ironie. Doch Werder erholte sich schnell. Fritz (bedient von Max Kruse) leitete in zentrale Position weiter auf Bartels, der Douglas Santos mit einem Haken ganz alt aussehen ließ und mit links ins kurze Eck schoss – 1:1 (14.).

Serge Gnabry stellt Auswärts-Tor-Rekord ein

Das Spiel blieb danach munter. Weil die beiden schwächsten Defensiven der Liga aufeinandertrafen, gab es Fehler en masse und deshalb Chancen auf beiden Seiten. Die nächste dicke nutzte der HSV: Werders Serge Gnabry verlor vorne den Ball, Müller sprintete auf und davon, Zlatko Junuzovic und Moisander grätschten nacheinander ins Leere. Nach Müllers Flachpass von der Grundlinie hatte Gregoritsch dann keine Mühe mehr, zum 2:1 einzuschieben (28.). „Wir haben dem HSV beide Tore auf dem Silbertablett serviert“, schimpfte Fritz: „Da kannst du noch so oft erzählen, dass es Priorität hat, das eigene Tor zu verteidigen. Du musst es dann auch machen.“

Fast hätte Bartels kurz darauf wieder ausgeglichen, doch HSV-Keeper Christian Mathenia reagierte stark (37.). Und Bauer schoss mit links rechts vorbei – das nächste Riesending (43.). Doch das 2:2 fiel noch vor der Pause. Gnabry, bis dahin ziemlich unauffällig auf der linken Angriffsseite, schob den Ball mit rechts gekonnt in die lange Ecke (45.) und feierte hinterher mit einem „Schnullerjubel“. Der Bremer Neuzugang vom FC Arsenal traf damit in allen seinen fünf Auswärtsspielen und stellte den Rekord des Rostockers Steffen Baumgart aus der Saison 1995/96 ein.

Zur zweiten Halbzeit brachte Nouri dann Bargfrede für den Gelb vorbelasteten Petsos und später noch Pizarro für Gnabry. Beiden Mannschaften war nun deutlich anzumerken, dass sie unbedingt einen Rückstand vermeiden wollten. Es gab kaum noch Torraumszenen. „Uns hat der letzte Punch gefehlt“, urteilte Bartels. Die beste Chancen hatten Gregoritsch (74.) und Lewis Holtby (90. + 2), doch Drobny parierte und sorgte damit für ein gerechtes Endergebnis.

Das Nordderby in Bildern

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare