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Für Max Kruse zählt morgen in Hamburg nur ein Werder-Sieg: „Nichts anderes interessiert mich.“

Gut für Werder: Max Kruse kann gegen den HSV nicht verlieren

Das Schreckgespenst

Bremen - Von Carsten Sander. Max Kruse will Werder Bremen am Samstag im Nordderby zum Sieg führen. Gut für den SVW: Gegen den Hamburger SV scheint der Stürmer gar nicht verlieren zu können.

Nochmal zurück zum Montag. Frank Baumann hatte auf der Mitgliederversammlung des SV Werder so viele schlechte Dinge über sich gesagt, da musste er am Donnerstag erst mal wieder etwas geraderücken. „Es waren ja auch gute Entscheidungen dabei“, sagte der Sportchef auf der Pressekonferenz vor dem Nordderby beim Hamburger SV. „Eine davon sitzt ja hier mit am Tisch“, fügte Baumann an und löste damit großes Gelächter im Auditorium aus. Denn mit am Tisch saßen Trainer Alexander Nouri und Millionen-Einkauf Max Kruse. Gute Entscheidung? Ja, wer denn von den beiden?

Baumann lachte mit, als er seinen Fauxpas bemerkte und bog sogleich auch das wieder gerade: „Ich spreche nur von Spielern.“ Aha, dann war also Kruse gemeint. Dass es grundsätzlich eine gute Baumann-Idee war, den Ex-Nationalspieler für 7,5 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zurück nach Bremen geholt zu haben, steht wohl außer Frage. Auch wenn Kruse (28) am vergangenen Sonntag seinen Anteil an der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt hatte. Aber in einem Nordderby, in dem noch nie so viel Abstiegskampf steckte wie jetzt, kann er alles wieder gutmachen. Und er wird es dem Gesetz einer erstaunlichen Serie folgend voraussichtlich auch tun. Denn Max Kruse ist so etwas wie das fleischgewordene HSV-Schreckgespenst.

Mit einer gewissen Lässigkeit, aber auch mit Stolz wies Kruse auf eine Bilanz hin, für die ihn jeder Werder-Fan lieben wird (wenn er ihn nicht sowieso schon liebt). Noch nie hat Kruse gegen den HSV verloren – nicht mit dem FC St. Pauli, nicht mit dem SC Freiburg oder Mönchengladbach und auch nicht mit dem VfL Wolfsburg. Insgesamt zehn Spiele hat er in der Bundesliga gegen den HSV bestritten, sechs davon hat er gewonnen, viermal ging es unentschieden aus. Drei Tore erzielte er dabei. Speziell die Auswärtsausbeute beeindruckt: vier Siege, ein Remis.

"Mich verbindet nichts mit dem HSV, außer dass ich aus Hamburg komme"

Der größte Coup war dabei zweifellos das 1:0 mit St. Pauli im Volkspark im Februar 2011, die beste Kruse-Show aber sein Doppelpack beim 2:0 mit Gladbach in Hamburg (November 2011). Es waren große Momente für Kruse, der – und das ist jetzt keine ganz unwichtige Information, um die Tragweite seiner Bilanz zu begreifen – auch noch gebürtiger Hamburger ist. „Die Stadt ist meine Heimat, deshalb sind Spiele beim HSV für mich natürlich immer ganz besonders.“ Und Siege erst recht.

Mit Werder will Max Kruse am Samstag mal wieder einen einfahren. „Nichts anderes zählt. Nichts anderes interessiert mich im Moment“, sagte er: „Wir brauchen die drei Punkte.“ Und seine Bilanz würde er natürlich auch „gerne fortführen“. Dass er den HSV damit sehr stark Richtung Liga zwei drängen würde, nimmt er ungerührt zur Kenntnis. Erstens, weil sich das als Werder-Profi grundsätzlich wohl so gehört. Zweitens, weil kein Bremer ob der eigenen mageren Ausbeute von nur sieben Punkten Lust auf Mitleid verspürt. Drittens, weil „mich mit dem HSV nichts verbindet, außer dass ich aus Hamburg komme.“

Um Kruses körperliche Fitness muss sich niemand sorgen

Das ist allerdings etwas geflunkert. Denn über Max Kruse ist bekannt, dass er als kleiner Junge in HSV-Bettwäsche geschlafen hat. Es ist jedoch Vergangenheit – und nur noch eine Anekdote im hochprofessionellen Fußball. Max Kruse ist jetzt Bremer, und als Bremer will er siegen. Die bereits erwähnten sieben Punkte und Platz 16 nach dem ersten Drittel der Saison würden schließlich „unseren Ansprüchen nicht gerecht. Wir wollen auch nicht ewig da unten rumdümpeln“, meint er und erklärt, was nach vier Niederlagen am Stück so schwer zu glauben ist: „Wir haben die fußballerische Qualität, um da unten rauszukommen. Ich mache mir da wenig Sorgen. Der Erfolg wird mit der Zeit zurückkommen.“

Kruse, die gute Baumann-Entscheidung, wurde geholt, um den Erfolg zurückzubringen nach Bremen. Der Außenbandriss im Knie gleich zu Saisonbeginn hat das bisher verhindert. Beim Comeback vergangenen Sonntag ging dann auch etwas schief, weil Kruse in der 90. Minute den Ball verlor und Frankfurt in der Folge das 2:1 erzielte. 

„Unglücklich gelaufen“, sagt er im Rückblick. Mit seiner sicher noch nicht voll wieder hergestellten Fitness habe der Fehler aber nichts zu tun gehabt, betont Kruse: „Ich hätte das in jeder anderen Minute des Spiels genauso gemacht.“ Und überhaupt: „Um meine Fitness muss sich niemand Gedanken machen. Ich habe fünf, sechs Wochen hart für mein Comeback gearbeitet.“

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