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Diesmal ging die Taktik von Florian Kohfeldt nicht ganz auf. 96-Coach Andre Breitenreiter hatte einen besseren Matchplan.

Nach 1:2 in Hannover

Taktik-Analyse: 96-Pressing zu stark - Breitenreiter coacht Kohfeldt aus

Hannover - Das kam unerwartet: Werders Serie von fünf Spielen ohne Niederlage endete gegen Hannover 96, die zuletzt fünf Spiele am Stück verloren. Ein Grund dafür war die Taktik. Unser Taktikexperte Tobias Escher erläutert, wieso Hannovers Pressing Bremens Spielaufbau lahmlegte.

Bremen schien zuletzt unbesiegbar. Trainer Florian Kohfeldt hatte für jeden Gegner den perfekten Matchplan in der Schublade – und wenn dieser nicht aufging, stellte er während des Spiels einfach um. Gegen Hannover 96 musste Kohfeldt jedoch zum ersten Mal seit langer Zeit eine bittere Erfahrung machen: Der Gegner hatte einen besseren Matchplan.

Mannorientiertes Pressing gegen Bremens 4-3-3

Kohfeldt stellte seine Mannschaft in der altbekannten Mischformation auf: Bei Ballbesitz agierte Bremen mit einem Dreier-Mittelfeld in einem 4-3-3. Sobald der Gegner den Ball bekam, rückte Thomas Delaney heraus und gab den zweiten Angreifer neben Max Kruse. Bremen agierte gegen den Ball also in einem 4-4-2 mit zwei kompakten Viererketten.

Gegen Hannover stellte Werder diese Viererketten etwas tiefer auf als gewohnt. Bremen verzichtete auf ein hohes Pressing. Den Zugriff auf den Gegner suchten sie erst im Mittelfeld. Der Plan war, Hannovers Innenverteidigern den Spielaufbau gestalten zu lassen, gleichzeitig aber das Mittelfeld des Gegners kaltzustellen. Dieser Plan ging weitestgehend auf.

Das Problem aus Bremer Sicht: Der Hannoveraner Defensivplan ging noch besser auf. Hannover störte die Bremer nicht erst im Mittelfeld, sondern ging zu jeder Zeit des Spiels vorne drauf. Aus ihrem nominellen 4-4-2-System rückte dazu ein Sechser weit vor, Hannover agierte gegen den Ball in einem 4-1-3-2. Die Logik dahinter? Mit dem eigenen Dreier-Mittelfeld stellte Hannover eine Gleichzahl gegen Bremens Dreier-Mittelfeld her. Hannover agierte Mann gegen Mann.

Die Grafik zeigt Hannovers Mann-gegen-Mann-Pressing, mit dem sie Werders Mittelfeld aus dem Spiel genommen haben.

Offensive Ideenlosigkeit, defensive Lücken

Dank diesem Pressing gelang es Hannover, die Bremer über weite Strecken der ersten Halbzeit mattzusetzen. Werders Innenverteidiger wussten nicht mit dem hohen Druck umzugehen, das Mittelfeld wiederum kam nicht vorbei an den Manndeckungen. Bremen blieben häufig nur lange Bälle, die Kruse wiederum nicht festmachen konnte.

Hannovers Offensivbemühungen waren zielgerichteter. Sie hatten im Spielaufbau eine klare Asymmetrie: Felix Klaus besetzte auf links den Flügel, während Ihlas Bebou auf rechts in die Mitte rückte. Hannover peilte die freien Räume hinter Bremens offensivem Rechtsaußen Ishak Belfodil an. Diese Strategie ging auf, auch weil Theodor Gebre Selassie gegen den aufrückenden Miiko Albornoz nicht allzu gut aussah.

Die Tore fielen entsprechend den taktischen Stärken der Hannoveraner: Dem 1:0 ging eine Kombination über die linke Seite voraus (16.). Vor dem 2:0 eroberte Hannover den Ball dank aggressivem Mann-gegen-Mann-Pressing, in der Folge schalteten sie schnell um (41.).

Kohfeldts Umstellungen bringen Bremen wieder ran

Nach der Pause stellte Kohfeldt seine Mannschaft mehrmals um. Mit der Einwechslung von Zlatko Junuzovic besetzte Bremen die Flügel nicht mehr sklavisch wie vor der Pause, sie versuchten öfter Überzahlen im Zentrum herzustellen. Noch fanden sie aber gerade in der Abwehr selten Lösungen gegen Hannovers Pressing.

Fotostrecke: Werder-Niederlage gegen 96

Hannover 96 gegen Werder Bremen
Hannover 96 gegen Werder Bremen © gumzmedia
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Hannover 96 gegen Werder Bremen © nordphoto
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Nach etwas über einer Stunde kippte die Partie zugunsten der Bremer. Zum einen konnte Hannover das hohe Tempo der Anfangsphase nicht aufrechterhalten. Sie zogen sich häufiger in die eigene Abwehr zurück, verteidigten aus einem passiven 4-4-2. Bremen fand gegen die eng stehenden Viererketten der Hannoveraner vor allem auf den Flügeln freie Räume.

Kohfeldt beorderte in der Folge Belfodil in den Sturm. Dieser sollte hohe Hereingaben verwerten. Junuzovic, Kruse und der ausweichende Delaney besetzten die linke Seite und versuchten hier, Überzahlen zu kreieren. Beim Anschlusstreffer (74.) funktionierte die Strategie, danach allerdings nicht mehr. Auch die Einwechslungen der Offensivkräfte Milot Rashica und Johannes Eggestein halfen nicht mehr.

Fazit: Dreißig gute Minuten zu wenig

Bremen krönte die Aufholjagd in der zweiten Halbzeit nicht. Diese kam ohnehin hauptsächlich aus dem Grund zustande, dass Hannover dem hohen Tempo der ersten sechzig Minuten Tribut zollen musste. Insofern ist der Sieg der Hannoveraner durchaus verdient: Trainer Breitenreiter stellte sein Team perfekt auf den Gegner ein. Bremen fand nie Lösungen gegen das hohe Pressing der Niedersachsen.

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