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Werder-Trainer Florian Kohfeldt erlebte in Hannover, was er nicht erleben wollte: „Wir hatten einen schlechten Tag, und das ärgert mich maßlos."

Nach dem 1:2 bei Hannover

Eine Frage der Spannung

Bremen - Er war mal wieder enorm viel gerannt, hatte zahlreiche Zweikämpfe geführt und Bälle verteilt – die wohl größte Herausforderung des Abends wartete dieses Mal allerdings erst nach dem Schlusspfiff auf Maximilian Eggestein.

Der Blick konzentriert, die Hände auf den Hüften abgelegt, grübelnd: Mit der richtigen Einordnung von Werder Bremens 1:2 (0:2)-Niederlage im Auswärtsspiel bei Hannover 96 tat sich der 21-Jährige zunächst schwer.

Woran es sportlich gefehlt hatte, fasste Eggestein zwar treffend zusammen („Wir waren zu nachlässig in den Zweikämpfen“). Bei der Frage nach der Bedeutung des Ergebnisses geriet er dann aber kurz ins Stocken. „Wir wissen alle um die Gefährlichkeit der Situation“, betonte Eggestein pflichtschuldig, sagte jedoch auch: „Unsere gute Ausgangslage hat sich durch das eine Spiel nicht verändert.“

In der Tat ist diese Pleite gegen Hannover sportlich kein großer Rückschlag, dafür ist Werders Polster in der Tabelle zu groß. Jetzt erst recht sieht sich das Team von Trainer Florian Kohfeldt aber vor eine nicht ganz unwichtige Mentalitätsprobe gestellt. Es geht darum, in den restlichen fünf Saisonspielen die Konzentration hochzuhalten. Gegen Hannover hatte dies vor allem in Halbzeit eins nicht funktioniert.

Kohfeldt: „Abstiegskampf ist nicht beendet“

Das Thema Europa, das bei Werder zumindest offiziell nie eines war, hat sich mit dem 1:2 endgültig erledigt. Der Abstiegskampf trotz erster Niederlage nach fünf ungeschlagenen Spielen am Stück aber auch. Es ist jedenfalls nur sehr schwer vorstellbar, dass die Bremer noch einmal in Gefahr geraten. Kohfeldt kann das so freilich nicht sagen. So lange rechnerisch noch irgendetwas anbrennen könnte, und sei es noch so unwahrscheinlich, darf er das auch nicht.

„Der Abstiegskampf ist nicht beendet“, hob der Coach stattdessen hervor. Und selbst wenn es so wäre, erklärte Kohfeldt, würde es ihm in den kommenden Wochen um Grundsätzliches gehen. Es ist schließlich fester Bestandteil der Rhetorik des Trainers, immer und jederzeit, egal in welchem Spiel und egal in welcher sportlichen Situation, das Maximum von seiner Mannschaft zu fordern. „Genau dann, wenn eben nicht Derby ist und du nicht in einem Finale stehst, musst du lernen, diese Sachen zu leben“, sagte der Trainer, der am Freitagabend zwar nicht sauer auf seine Spieler war, mit ihrem Auftritt aber dennoch ein großes Problem hatte.

Werders schwächster Auftritt seit einigen Monaten

„Wir hatten einen schlechten Tag, und das ärgert mich maßlos, weil ich Niederlagen nur ganz schwer akzeptieren kann“, sagte der 35-Jährige, „erst recht, wenn wir nicht am Maximum waren.“ Das waren die Bremer in Hannover tatsächlich nicht gewesen, so viel steht fest. Nur die Gründe dafür – sie ließen sich am Freitagabend beim besten Willen nicht auftreiben. „Ich kann die erste Halbzeit nicht erklären, das ist die Erklärung“, sagte etwa Abwehrspieler Milos Veljkovic. Zlatko Junuzovic hatte da kurz zuvor ähnlich geklungen.

Sein Satz „Im Fußball gibt es solche Momente“ war zwar nicht falsch, half inhaltlich aber auch nicht weiter. Eine mögliche Erklärung für den „spielerisch schwächsten Auftritt seit einigen Monaten“ (Sportchef Frank Baumann) könnte sein, dass die letzten paar Prozente gefehlt haben, weil die Bremer Profis im Hinterkopf eben wissen, dass die Saison gelaufen ist. Kohfeldt wurde am Freitagabend deshalb mit dem Wort sperrigen Wort „Spannungsabfall“ konfrontiert.

Fotostrecke: Werder-Niederlage gegen 96

Hannover 96 gegen Werder Bremen
Hannover 96 gegen Werder Bremen © gumzmedia
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Hannover 96 gegen Werder Bremen © nordphoto
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„Ich weiß nicht, ob es einen Spannungsabfall gab“, sagte der Trainer, „bei mir selber habe ich jedenfalls nichts gemerkt, und bei den Jungs im Vorfeld auch nicht.“ Zu einfach machen möchte es sich Kohfeldt aber auch nicht: „Ich könnte jetzt sagen: So eine Halbzeit hast du halt mal. Aber das will ich nicht akzeptieren. Das geht nicht. Wir müssen dahin kommen, dass wir solche Halbzeiten nicht mehr haben.“

Die nächste Gelegenheit dazu, bietet sich Werder am Sonntag, wenn die Mannschaft um 18 Uhr mit dem Heimspiel gegen Leipzig den 30. Spieltag beendet. Danach warten noch vier Duelle, die für sich allein betrachtet keinen allzu großen sportlichen Wert mehr haben, für die langfristige Entwicklung aber sehr wichtig sein könnten. „Egal was, diese Saison noch passiert – es wirkt sich auf die neue Saison aus“, sagte Kohfeldt, der Werders jüngste Vergangenheit natürlich kennt.

Nach geschafftem Klassenerhalt verloren die Bremer im Vorjahr die letzten drei Saisonspiele unter Trainer Alexander Nouri und legten nach der Sommerpause einen Fehlstart in die neue Serie hin. Wiederholen soll sich das möglichst nicht.

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