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Werder-Trainer Alexander Nouri ist mit seiner Arbeit und dem Trend zufrieden.

Zum Jahresabschluss

Rückblick und Ausblick von Werder-Coach Alexander Nouri

Bremen - Von Björn Knips. Zum Abschluss des Fußballjahres wagt sich Werder-Trainer Alexander Nouri an eine Zwischenbilanz. Er ist mit seiner Arbeit zufrieden, stellt sich aber auf einen langen Abstiegskampf ein.

Alexander Nouri kommt direkt vom Zahnarzt. „Wurzelbehandlung“, verrät der Werder-Coach und verzieht das Gesicht: „Ich hatte zwei Tage lang ganz fiese Schmerzen.“ Gearbeitet hat er natürlich trotzdem. Mit Schmerzmitteln – und mit Erfolg. Das 1:1 bei der ungeschlagenen TSG 1899 Hoffenheim war am Mittwochabend ein mehr als ordentlicher Jahresabschluss und zugleich die fünfte Bundesliga-Partie in Folge ohne Niederlage. Und so stellt Nouri beim finalen Medientermin vor der Winterpause zufrieden fest: „Die letzten Wochen geben Grund zum Optimismus.“

Im Vip-Bereich des Weserstadions sitzt trotzdem kein euphorischer Trainer und schon gar nicht einer, der sich feiert. Nouri gibt sich sehr zurückhaltend, sehr vorsichtig, fast schon etwas zu vorsichtig. Und das hat nichts mit seinem Arztbesuch zu tun. „Es ist durchaus ein enges Rennen bis zum Ende möglich“, urteilt der 37-Jährige. Ungeachtet davon, dass sein Sportchef Frank Baumann tags zuvor noch eine etwas ruhigere Saison ohne akuten Abstiegskampf als Ziel für das neue Jahr ausgegeben hatte. Doch Nouri, so scheint es, sichert sich schon einmal ab. Schließlich heißen die ersten beiden Gegner im neuen Jahr Borussia Dortmund und FC Bayern. Alles andere als Punktelieferanten. Da droht bei nur drei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz (Hamburger SV) schnell der Absturz in die Abstiegszone.

"Können unser Spiel auf ein anderes Level heben"

„Bei mir gibt es keine Angst“, betont Nouri zugleich. Zu pessimistisch will er dann auch nicht daherkommen. Das Einschätzen der Lage fällt ihm einfach schwer. Es ist aber auch vertrackt. „Wer hätte gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt punktgleich mit Mannschaften wie Wolfsburg und Gladbach sind?“, fragt Nouri in die Runde. Die Antwort ist natürlich klar: niemand. Trotzdem bedeuten Werders 16 Punkte nur Platz 15, also Abstiegskampf – und eben nicht oberes Tabellendrittel, was die Augenhöhe mit den beiden Topclubs normalerweise darstellen würde.

Außerdem ist davon auszugehen, dass Wolfsburg und Gladbach mit der Qualität ihrer Kader bald wieder nach oben schießen. Und Werder? „Wir können unser Spiel auch auf ein anderes Level heben“, versichert Nouri und spricht von einem ersten großen Schritt: „Wir haben eine gewisse Stabilität erlangt und spielen in einer sehr guten Organisation.“ Er könnte sich nun für seine Arbeit loben, doch als ersten Grund für die Fortschritte nennt er andere Protagonisten.

Dreierkette ist nicht das neue System - sondern ein zusätzliches

„Die Spieler, die zurückgekommen sind, waren sehr wichtig“, sagt Nouri und meint damit die lange verletzten Claudio Pizarro, Max Kruse und Philipp Bargfrede. Gleichzeitig sei es gelungen, dem Spiel mehr Struktur zu geben. Außerdem könne die Mannschaft nun „die Intensität der Spiele besser annehmen“. Es ist ein dezenter Hinweis auf die Fitness-Probleme, die Nouri vor einigen Wochen selbst publik gemacht hatte. Seine Veränderungen in der Trainingsmethodik hätten sich bereits ausgezahlt, „wir sind da auf einem guten Weg“.

Fortsetzung folgt beim Start der Vorbereitung am 2. Januar und dann im Trainingslager im spanischen Alhaurin el Grande. Allerdings wohl dosiert. Schließlich geht es schon am 21. Januar in der Bundesliga weiter. „Es ist nicht viel Zeit. Wir werden Reize setzen, aber die wichtigsten Einheiten sind die Testspiele“, erklärt Nouri. Dabei will er auch weiter die Dreierkette einstudieren. Es soll nicht das neue System sein, sondern ein zusätzliches. Eine größere Variabilität sei im modernen Fußball unabdingbar, betont Nouri.

Nouri will Winter-Einkäufe "nicht ausschließen"

Ob er sich dafür neben Thomas Delaney weitere neue Spieler wünscht, mag der Coach nicht beantworten. Grundsätzlich sei er mit dem Kader zufrieden, aber Neuzugänge will er trotzdem „nicht ausschließen“. Wenngleich erst einmal eine deutliche Verkleinerung des aktuellen Kaders (36 Profis) im Vordergrund steht. So sieht es auch Baumann. Aktuell seien Neuverpflichtungen „nicht geplant, aber Situationen können sich jederzeit ändern. Unsere Pflicht ist es, den Markt zu beobachten.“ Geht da vielleicht doch noch etwas? Möglicherweise sogar auf der Torwartposition? Nouri lobt allerdings Jaroslav Drobny als Nummer eins: „Er macht das gut.“

Mit sich ist Nouri auch zufrieden. Damit meint er nicht die Qualität seiner Arbeit, sondern etwas anderes. „Wir Trainer sind als Team gewachsen und haben dabei unsere Art der Arbeit nicht geändert“, betont er mit Blick auf seine beiden Co-Trainer Florian Bruns und Markus Feldhoff. Und über sich selbst sagt er noch – durchaus mit Stolz: „Als Typ und Mensch habe ich mich nicht verändert.“ Das ist ihm wichtig. Und so freut er sich nun auf eine „besinnliche Zeit“ mit der Familie. Im Schnee. Für ein paar Tage geht es nach Flachau in Österreich. „Diese Tage brauche ich um durchzupusten.“ Hoffentlich ohne Zahnschmerzen.

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