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Davy Klaassen und seine Bremer Kollegen bejubeln das Tor zum 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg.

Werder gewinnt Auswärtsspiel mit viel Glück

Die Achterbahnfahrt von Augsburg

Augsburg – Er wollte schon umdrehen und zurücklaufen, die Defensive stärken, jetzt bloß keinen Konter kassieren – da wurde Werder-Profi Davy Klaassen plötzlich der Großchance gewahr, die ihm da unverhofft vor die Füße gefallen war.

Augsburgs Torhüter Fabian Giefer hatte einen harmlosen Ball durch die Beine rutschen lassen – Auftritt Klaassen: Der Niederländer schob den Ball aus kurzer Distanz über die Linie und erzielte somit in der 75. Minute Werders 3:2 (2:1)-Siegtreffer beim FC Augsburg. Ein Tor, das der Schlusspunkt hinter einer mehr als kuriosen Partie sein sollte. „Wir haben heute etwas Glück gehabt“, sagte Klaassen später im Bauch des Stadions. Die Hände artig hinter dem Rücken verschränkt, ein breites Lächeln im Gesicht. Es schien, als wüsste der Niederländer ganz genau, dass er mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Beeindruckende Werder-Statistiken zum Saisonstart

Zunächst etwas Zahlenwerk: Werder hat durch den Erfolg in Augsburg nun acht Punkte aus den ersten vier Bundesligaspielen gesammelt. Besser startete die Mannschaft zuletzt vor sieben Jahren in eine Saison. Die ersten vier Spieltage ungeschlagen zu überstehen, gab es in Bremen gar 13 Jahre nicht. Zudem war das 3:2 von Augsburg saisonübergreifend der vierte Auswärtssieg am Stück – Vereinsrekord. Und Werder steht auf Platz 4 - einem Champions-League-Rang.

Es sind beeindruckende Statistiken, sie zeichnen das Bild einer sehr erfolgreichen Mannschaft. Die in Augsburg allerdings über weite Strecken nicht gut gespielt hatte. „Dieses Mal geht der Sieg nicht in Ordnung“, räumte etwa Maximilian Eggestein offen ein. „Wir haben es heute nicht verdient, zu null zu spielen“, sagte Milos Veljkovic. Beide klangen dabei locker, erleichtert. Und das konnten sie auch, Klaassens Debüt-Tor für Werder sei Dank. Davor hatte Werder ein Spiel mit vielen Aufs und Abs geliefert. „Wir sind irgendwann in eine Achterbahn eingestiegen“, fasste Trainer Florian Kohfeldt später zusammen.

Werder wusste, wie Augsburg zu Hause spielt, klar, denn das weiß heute jede Mannschaft der Bundesliga über jede andere. Die Mannschaft von Trainer Manuel Baum spielt fast über das gesamte Feld eine Art Manndeckung, jagt ihren Gegner, lässt ihm kaum Luft zum Atmen. „Hier zu spielen, ist sehr unangenehm“, berichtete Joker Martin Harnik später. Und genau das war den Bremern über weite Strecken anzusehen gewesen. Augsburg wirkte bereits in der Anfangsphase bissiger, schneller, wacher. Auch wenn die großen Torszenen noch fehlten. Die größte Chance für die Gastgeber im ersten Durchgang vergab Michael Gregoritsch, der mit einem gut getreten Freistoß am noch besser reagierenden Werder-Keeper Jiri Pavlenka scheiterte (22.).

Die Gäste hingegen kamen nur langsam in die gegnerische Hälfte – dann allerdings mit voller Wucht. Nach punktgenauer Flanke von Florian Kainz besorgte Kapitän Max Kruse per Kopfball das 1:0 (34.). Nachdem Klaassen direkt danach eine Großchance verstolpert hatte (36.), war der Doppelschlag wiederum nur Sekunden später perfekt: Eggestein zirkelte einen herrlichen Distanzschuss ins Tor (37.). „Maxi bringt nichts aus der Ruhe“, lobte Kohfeldt. „Er ist ein Spieler, der für mich unverzichtbar ist.“ Allerdings musste auch Eggestein mit ansehen, wie Werder die Zügel entglitten, kurz nachdem das Team sie in die Hand genommen hatte.

Kohfeldt: Bootsfahrt auf der Weser lieber als eine Achterbahnfahrt

Sekunden vor dem Pausenpfiff schlug Augsburg zurück: Kopfballvorlage des eingewechselten Caiuby, erfolgreicher Abschluss von Ja-Cheol Koo – 1:2 (45.+3). „Es darf nicht darum gehen, wann endlich Halbzeit ist“, betonte Kohfeldt, der direkt nach Wiederanpfiff miterleben musste, dass seine Spieler immer noch schliefen. Die letzten Zuschauer waren nach der Pause noch dabei, ihre Plätze einzunehmen, da hatte Philipp Max nach Flanke von Andre Hahn auch schon per Direktabnahme ausgeglichen – 2:2 (47.). „Da waren wir nicht wach“, monierte Sportchef Frank Baumann, dessen Profis auch in der Folge große Probleme mit ihrem Gegner hatten. Als Beleg des Augsburger Angriffswirbels sei stellvertretend nur eine Chance erwähnt: Koo schoss aus elf Metern frei über das Tor (53.). „Da hatten wir Riesenglück“, sagte Harnik.

Werder fing sich danach allmählich wieder und setzte seinerseits Akzente in der Offensive. Meist hatte der gute Kruse seine Füße im Spiel. Zum Matchwinner avancierte aber bekanntlich ein anderer: Davy Klaasen. „Ein sehr schönes Gefühl“, sagte er über seinen ersten Treffer für den neuen Verein. „Acht Punkte aus vier Spielen sind wirklich nicht schlecht.“ Sind sie nicht, keine Frage. Den besten Satz zum Spiel lieferte aber der Trainer. Nachdem er bereits von der Augsburger Achterbahnfahrt gesprochen hatte, sagte Florian Kohfeldt: „Eine ruhige Bootsfahrt auf der Weser ist mir eigentlich viel lieber.“

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FC Augsburg gegen Werder Bremen
FC Augsburg gegen Werder Bremen © imago
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