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Kollektives Ausrasten: Die Werder-Profis feiern ihren Elfmeter-Helden Frank Rost nach dem Pokal-Triumph gegen die Bayern 1999.

Ex-Keeper traut Werder Pokal-Triumph wie 1999 zu

Rost glaubt an seine Erben

Berlin/Bremen - Von Hans Günter Klemm. Dieser Moment hat sich bei ihm eingeprägt. Ein spezieller Moment in seiner bewegten wie bedeutungsvollen Laufbahn. „Ich war im Tunnel“, sagt Frank Rost über den Augenblick, den er als das Highlight in seinem Leben als Berufsfußballer bezeichnet. Das denkwürdige Pokal-Finale vor gut 20 Jahren. Werder Bremen gegen Bayern München.

Ein Finale für die Ewigkeit mit einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen. Hauptdarsteller bei diesem dramatischen Schlussakt im Berliner Olympiastadion: Frank Rost, der Keeper, der einen zweifachen Beitrag zum sensationellen Triumph der Norddeutschen leistete. 

Zunächst erledigte der heute 45-Jährige den ihm eigentlich artfremden Job und traf vom Punkt, dann brillierte er in seiner Kernkompetenz und hielt bravourös einen Strafstoß. 5:4 im Elfmeterschießen, Cupgewinn für Werder – dank Rost, dem Elfmeter-Helden.

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Rost über gehaltenen Matthäus-Elfer: „Irgendwann musste es glücken“

„Ich war mir sicher, dass ich verwandeln würde“, erinnert sich der frühere Nationaltorwart, von dem bekannt ist, dass Nervenstärke zu seinen hervorstechenden Eigenschaften zählt. Und ähnlich zuversichtlich war er auch, als er wieder zwischen den Pfosten stand und Lothar Matthäus anlief. „Vorher hatte ich dreimal Pech gehabt, die Ecke geahnt und war nah dran“, schildert der Matchwinner das finale Entscheidungsschießen. „Irgendwann musste es glücken.“ 

Rekordnationalspieler „Loddar“ scheiterte wie einst in seinem letzten Spiel für Gladbach. Zuvor hatte ein anderer Hochkaräter versagt. Stefan Effenberg hatte in Hoeneß-Manier den Ball in den Abendhimmel gejagt. Für den Sieger Bremen, der nur einen Fehlschuss von Jens Todt zu verbuchen hatte, trafen Dieter Eilts, Marco Bode, Rade Bogdanovic und Raphael Wicky – sowie der besagte Heros des Abends. Frank Rost, der Tormann, der Peter Handkes Krimi widerlegte und keine Angst beim Elfmeter kannte.

Der Moment des Glücks: Frank Rost pariert den letzten Elfmeter von Bayerns Lothar Matthäus.

Es war ein historischer Tag, dieser 12. Juni 1999. Der einzige Bremer Sieg in acht Pokalspielen gegen den einstigen Dauerrivalen Bayern. Nun folgt die Neuauflage am Mittwoch in ähnlicher Konstellation: Bayern als Favorit, Werder als Außenseiter, indes nicht chancenlos aufgrund des Heimrechts. 

Rost, der seine Karriere 2012 beendete und nun eine Pferdezucht und einen Ausbildungsbetrieb in Rotenburg (Wümme) betreibt, will keinen Vergleich anstellen, „zumal es kein Finale ist“. Und seine weitere Einschätzung: Werder sei momentan nicht so schwach wie damals, die Bayern seien nicht so stark und übermächtig. „Die Münchner sind anfällig in der Defensive. In einem Spiel können die Bremer sie bezwingen, wenn sie ihre Topform bringen.“

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Pokalsieg als nie für möglich gehaltenes Zubrot zum Klassenerhalt

Zur Erinnerung: 1999 war das Jahr der Wirrungen an der Weser. Untypisch für die Grün-Weißen, dass drei Trainer am Ruder waren, erst Wolfgang Sidka, dann Felix Magath und schließlich Thomas Schaaf, der als Retter in die Geschichte einging. „Mit Ach und Krach haben wir uns durch den Abstiegskampf gequält“, sagt Rost. Der Klassenerhalt sei wichtig, der Pokalsieg ein nie für möglich gehaltenes Zubrot am Ende einer Zittersaison gewesen.

So ordnet der später noch für Schalke und den HSV aktive Schlussmann dieses Erfolgserlebnis ein, das der Verein vornehmlich seinen Glanztaten zu verdanken hatte. Und heute verrät er, wie es dazu gekommen ist. „Dieter Eilts hatte darauf bestanden, dass ich den Elfer schieße“, erzählt Rost vom Machtwort des Kapitäns. 

Der „Ostfriesen-Alemao“, wie Erfolgstrainer Otto Rehhagel den nimmermüden Mittelfeldrackerer ehedem geadelt hatte, wusste um die Qualitäten des treffsicheren Schlussmanns. „Mit Torsten Frings habe ich nach dem offiziellen Training stets ein Wettschießen vom Elfmeterpunkt gemacht. Dabei ging es immer um ein Essen.“ Rost führt nicht weiter aus, doch es ist verbürgt, dass er sich bei diesem Wettbewerb recht gut aus der Affäre gezogen hat und nicht so häufig für die ausgelobte Speise hat zahlen müssen.

Im Weserstadion wird Rost am Mittwoch nicht sein. Vor dem Fernseher wird er mitfiebern mit seinem Ex-Club und auf eine Wiederholung der Sternstunde hoffen, wie sie sich vor zwei Jahrzehnten abgespielt hat. „Alles ist möglich, ich traue Werder eine Überraschung zu.“

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