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Naldo weiß: „Die Fans lieben mich!“ 

Früher Werderaner, heute Schalker

Naldo im Interview: „Pizarro und ich sind Vorbilder“

Gelsenkirchen - Dieser Mann ist „everybody’s darling“. Sagt er jedenfalls. Und man glaubt es ihm auch. Egal, ob bei Werder Bremen, beim VfL Wolfsburg oder bei Schalke 04 – „die Fans lieben mich überall“, sagt Naldo über seine drei Bundesliga-Stationen. Und er liebt die Fans. Sowie den Fußball, von dem er auch mit 36 Jahren noch nicht lassen will.

Für ihn sei es eine „Motivation“, auch mit 40 noch in der Bundesliga zu spielen, erklärt der Innenverteidiger, der es also machen will wie Claudio Pizarro: einfach nicht aufhören! Am Samstag (18.30 Uhr) treffen Schalke 04 und der SV Werder in der Veltins-Arena aufeinander – oder anders gesagt: Fehlstarter empfängt Höhenflieger. Darüber, über sein besonderes Verhältnis zu Schalke-Trainer Domenico Tedesco sowie über das mögliche „Opa-Duell“ mit seinem Vorbild Pizarro spricht Naldo im Interview mit der Deichstube.

Naldo, Sie waren am Wochenende natürlich auch beim Abschiedsspiel Ihres alten Werder-Kollegen Per Mertesacker dabei. Im Trikot hat man Sie in Hannover zwar gesehen, nicht aber auf dem Platz – was war los?

Naldo: Ich hatte einen kleinen Schlag abbekommen und ein bisschen Probleme. Mein Trainer hat gesagt, ich solle lieber nicht spielen. Aber ich trainiere ganz normal und bin fit für das Spiel gegen Werder.

Seit Ihrem Weggang aus Bremen vor sechs Jahren haben sie elfmal gegen Werder gespielt. Man sollte also davon ausgehen, dass die Partie am Samstag Ihren Puls nicht mehr zum Rasen bringt.

Naldo: Nicht ganz richtig. Da sind immer noch viele Gefühle dabei. Werder ist für immer in meinem Herzen, und ich bedanke mich, dass der Verein mich damals nach Deutschland geholt hat. Deshalb ist ein Spiel gegen Werder immer noch etwas Besonderes für mich und bedeutet mir sehr viel.

„Wir haben nie das Wort Krise benutzt“

Im aktuellen Fall geht es auch sportlich um einiges. Nach dem Horror-Saisonstart mit fünf Niederlagen hat Schalke zuletzt zweimal gewonnen, mit einem Sieg in der Champions League als Zugabe. Jeweils ohne Gegentor. Schalke zurück in der Erfolgsspur?

Naldo: Die Siege waren schön für uns, keine Frage. Aber wir wissen, dass es in der Liga mit nur sechs Punkten immer noch schlecht aussieht. Wir stehen in der Pflicht am Samstag wieder Vollgas zu geben. Unsere Aufgabe ist es, die drei Punkte auf Schalke zu behalten – und das werden wir versuchen.

Kann man das Spiel unter die Überschrift stellen: Rückkehr oder Ende der Schalke-Krise?

Naldo: Wir haben das Wort Krise nie benutzt. Ich bin mir auch sicher, dass wir eine gute Mannschaft sind und aus dieser Situation rauskommen werden. Der Start mit den fünf Niederlagen hat natürlich wehgetan. Doch wir kommen Schritt für Schritt voran.

Nach dem 1:0 gegen Mainz 05, dem ersten Schalker Bundesliga-Sieg der Saison, hat sich zwischen Ihnen und Trainer Domenico Tedesco Bemerkenwertes zugetragen. Obwohl Sie das zweite Spiel in Folge nur auf der Bank gesessen hatten, haben Sie sich beim zu dem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit angezählten Trainer im Namen der Mannschaft bedankt. Wieso?

Naldo: Nach jeder der fünf Niederlagen hat er sich vor uns Spieler gestellt, hat nie öffentliche Kritik geübt, hat uns immer das Vertrauen ausgesprochen. Deswegen habe ich nach dem ersten Saisonsieg gesagt: ,Trainer, wir müssen auch Danke sagen.’ Er braucht doch genauso unsere Unterstützung wie wir seine. Als Mannschaft wissen wir doch, dass er das erste Mal so eine Situation erlebt hat – das war bestimmt nicht einfach für einen 33 Jahre alten Trainer. Er hat so viel für uns gegeben, da mussten wir auch zurückzahlen. Und dabei war es auch nicht wichtig, dass ich in dem Spiel nur auf der Bank gesessen hatte. Wir gehören alle zusammen. Nur mit dieser Einstellung kannst du erfolgreich sein.

Ihre Aktion hat Tedesco vermutlich noch mehr Rückendeckung gegeben als der Sieg zuvor. War das so geplant oder kam das spontan?

Naldo: Das war total spontan. Der Ursprung war aber, dass ich mit unserem Trainer total zufrieden bin.

Sie sind 36 Jahre alt und damit drei Jahre älter als Tedesco – wer passt da eigentlich auf wen auf?

Naldo: Domenico Tedesco braucht niemanden, der auf ihn aufpasst. Er ist jung, aber erfahren. Er ist intelligent und findet immer die richtigen Worte. Aber klar: Ich habe schon viel erlebt in meiner Karriere. Da versuche ich natürlich zu helfen, wo ich kann.

Naldo (re.) im Gespräch mit Schalke-Coach Domenico Tedesco.

Hat es Sie nicht gestört, dass Sie gegen Freiburg und Mainz nur zugucken durften?

Naldo: Ich weiß ja, dass viele erwartet hätten, dass ich sauer darauf reagiere oder das Diskutieren anfange. Das wäre in den Augen der meisten wohl die normale Reaktion gewesen. Aber der Trainer hat zu mir gesagt: ,Naldo, ich brauche dich. Aber ich muss deine Belastung steuern.’ Er wollte nicht, dass ich mich in den Englischen Wochen mit Bundesliga und Champions League verletze, weil ich ihm zu wichtig bin. Ich war froh, dass er so etwas über mich gesagt hat. Ich habe ihm geantwortet: ,Trainer, es ist zwar ungewohnt für mich, nicht von Anfang an zu spielen. Aber ich bin immer da für die Mannschaft – ob für zehn Minuten oder für 90.’ Das war ein sehr gutes Gespräch. Ich habe auch totales Vertrauen zu dem Trainer.

In der vergangenen Saison ist Schalke zwar Vize-Meister geworden, hat für den Spielstil aber nicht viel Applaus bekommen. Zu defensiv, zu vorsichtig, zu unattraktiv lauteten die Vorwürfe.

Naldo: Die Leute reden viel. Und wenn es heißt, Schalke spiele nicht schön, frage ich mich: Wer spielt denn immer schön? Berlin macht das im Moment doch ähnlich wie wir. Sie stehen kompakt und versuchen, aus den Fehlern der Gegner Kapital zu schlagen. Letztlich geht es darum, effektiv zu sein. Und das waren wir. Schön spielen und verlieren, bringt auch nichts.

Vor dem achten Spieltag weist die Tabelle Werder als Vierten und Schalke als 15. aus. Auch Leverkusen steckt noch im unteren Drittel, während die Hertha einen Höhenflug erlebt. Befindet sich die Liga gerade im Wandel?

Naldo: Um das beantworten zu können, ist es noch zu früh. Natürlich ist es aktuell in einigen Bereichen erstmal ein überraschendes Tabellenbild. Aber auf Schalke beschäftigen wir uns sowieso nicht so sehr mit der Tabelle – das gilt nicht nur jetzt, sondern war auch vergangene Saison so. Wir wollen nur jedes Spiel Gas geben und Punkte holen. Und am Ende der Saison gucken wir, was dabei herausgekommen ist. Ich bin gespannt, wer dann oben steht.

Sind Sie überrascht über den Bremer Entwicklungssprung vom Abstiegskandidaten zum Europa-League-Aspiranten?

Naldo: Nein, gar nicht. Schon in der vergangenen Saison war die Entwicklung gut, dann kamen gute Neuzugänge wie Davy Klaassen dazu, mit denen es sofort gepasst hat. In der Mannschaft steckt jetzt richtig Qualität. Auf Max Kruse muss man immer aufpassen, Maximilian Eggestein ist in starker Form. Und wenn dann auch noch Pizarro ins Spiel kommt, muss man gewaltig aufpassen.

„Claudio und ich sind noch topfit“

Pizarro gegen Naldo – das wäre das Duell der aktuell ältesten Feldspieler der Liga. 76 Jahre kämen da zusammen. Schon irre, oder?

Naldo (lacht): Das zeigt, dass wir beide ein Vorbild sind. Wir sind immer noch topfit. Ich fühle mich körperlich und mental jedenfalls sehr, sehr gut. Und ich glaube, Claudio geht es genauso. Das Alter zählt einfach nicht, wenn du auf dem Platz noch deine Leistung bringst. Claudio sendet in dieser Hinsicht ein Zeichen an die ganze Bundesliga.

Pizarro ist seit kurzem der vierte Ü 40-Feldspieler der Bundesliga-Geschichte. Werden Sie der fünfte?

Naldo: Warum nicht? Warum sollte ich nicht bis 40 spielen? Es ist zwar noch ein langer Weg, aber es sieht sehr gut aus, dass es in diese Richtung geht. Claudio hat es geschafft, Ze Roberto in Brasilien sowieso. Ich passe auf meinen Körper sehr gut auf. Toi, toi, toi, dass ich mich nicht verletze. Mit 40 noch Profi zu sein, ist auf jeden Fall eine Motivation für mich.

Kein Gedanke ans Aufhören?

Naldo: Nein, überhaupt nicht. Ich bin froh, dass ich mit 36 noch sehr gute Leistungen abrufen kann.

Welches Geheimnis steckt bei Ihnen dahinter?

Naldo: Ich passe gut auf meinen Körper auf. Jeden Tag Pflege, Behandlung, Therapie, Extra-Übungen – auch zu Hause. Und gut erholen, gut schlafen, das ist wichtig. Ich bin immer im Austausch mit dem Teamarzt und den Physios, was ich machen darf, was ich besser nicht machen sollte. Ich habe mich mit Claudio unterhalten und weiß, dass er es genauso macht.

Ihr Vertrag auf Schalke hatte sich zuletzt automatisch aufgrund einer bestimmten Anzahl an absolvierten Spielen bis 2019 verlängert. Was gilt jetzt? Wieder eine Klausel? Oder freie Verhandlungen?

Naldo: Es sieht sehr gut aus, dass ich noch länger auf Schalke bleibe. Der Verein ist zufrieden mit mir, ich bin es auch und die Fans lieben mich wie auch früher in Bremen und Wolfsburg. Ich denke, diese Saison ist nicht meine letzte auf Schalke.

Werden Sie Ihre Karriere sogar auf Schalke beenden oder noch mal wechseln?

Naldo: Weiß ich nicht. Im Fußball kann alles passieren.

„Die Fans lieben mich“

Werder hat Pizarro zurückgeholt, als der schon 39 Jahre alt war. Ist auch bei Ihnen ein Bremen-Comeback denkbar?

Naldo: Keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Es gibt keinen Plan. Für Werder und die Stadt habe ich aber eine große positive Energie.

Zurück zu Mertesackers Abschiedsspiel. Wie war es für Sie, den Mann wiederzutreffen, mit dem Sie die beste Innenverteidigung der Werder-Geschichte gebildet hatten?

Naldo: Es war super! Merte ist ein toller Typ, wir haben viel erlebt in Bremen. Ich freue mich, dass er so eine Karriere hingelegt, so erfolgreich war und nun so einen Abschied bekommen hat.

Mal angenommen, Sie würden in vier, fünf, sechs Jahren oder wann auch immer ebenfalls ein Abschiedsspiel bekommen: Wo sollte das stattfinden? Auf Schalke, in Wolfsburg oder in Bremen?

Naldo (lacht): Das ist schwer. Die Fans lieben mich bei allen meiner Vereine. Vielleicht mache ich einfach drei Abschiedsspiele, das wäre dann eine Abschiedstour.

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