Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Eintracht Frankfurt: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett

Notizen vor Frankfurt: Bobic im Interview, Erinnerungen an 2016 und der große Umbruch

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem zweiten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt mit vier Fragen an SGE-Manager Fredi Bobic, Kuriositäten, Besonderheiten und Erinnerungen.

Statistik

Fast ausgeglichen ist die Bilanz gegen die Eintracht. 103 Spiele, Werder siegte 42 Mal, Frankfurt 40 Mal, 21 Partien endeten unentschieden. Das Torverhältnis: 165:163 aus Bremer Sicht. Die Zahlen für die Bundesliga: 96 Spiele, 41 Werder-Siege, 20 Unentschieden, 35 Eintracht-Erfolge.

Kuriositäten

Eintracht kommt international daher. Im Aufgebot stehen Akteure aus 17 Nationen. Zwischenzeitlich standen zu wenige deutsche Profis in dem Kader, nicht die laut der Satzung geforderten zwölf. Der Klub musste reagieren und tat das so: Mit Tobias Stirl und Patrice Kabuya wurden zwei Eigengewächse befördert. Frühere Ausbildungsverträge wurden umgewandelt. Das Duo erhielt Profiverträge, damit den Bestimmungen Genüge getan ist.

Form

Durchschnaufen in Frankfurt, Durchatmen bei Adi Hütter: Es drohte ein kompletter Fehlstart für die Eintracht. Erst das 0:5-Debakel im Supercup gegen die vom Ex-Trainer Niko Kovac betreuten Bayern, danach das Aus im DFB-Pokal beim Regionalligisten SV Ulm (1:2) – der neuformierte Pokalsieger neben der Spur. Die erste Krise? Die Hessen rehabilitierten sich, siegten 2:0 zum Bundesliga-Start in Freiburg. „Balsam auf die Wunden“, kommentierte Trainer Hütter dieses erste Erfolgserlebnis in der neuen Spielzeit.

Der große Umbruch

Der Österreicher Hütter steht vor keiner leichten Aufgabe am Main. Es ist die Saison des großen Umbruchs. „Der Adlerlass“, kalauerte der kicker, bezogen auf das Wappentier der Eintracht, den Adler Attila. Leitfiguren verließen den Tabellenachten: Torwart Lukas Hradecky nach Leverkusen, Mittelfeldmann Omar Mascarell zu Schalke 04, Stürmer Marius Wolf zu Borussia Dortmund, Kevin-Prince Boateng zurück in seine italienische Wahlheimat zu US Sassuolo Calcio. Zudem erhielt Publikumsliebling Alex Meier keinen neuen Vertrag. Ein massiver Substanzverlust, den Sportvorstand Fredi Bobic auszugleichen bemüht war. Beim Auftakt im Breisgau bewährten sich einige Einkäufe.

Der aus Bröndby geholte und schnell kritisierte Keeper Frederik Rönnow zeigte Stabilität. Im Abwehrzentrum stand Evan Ndicka, für gut fünf Millionen Euro aus Auxerre gekommen, seinen Mann ebenso wie Lucas Torro (für 3,5 Millionen Euro von Real Madrid, zuletzt bei Osasuna) als Sechser. Von den beiden HSV-Flügeln wurde nur Nicolai Müller eingesetzt, der sich mit dem Führungstor in Freiburg gleich auszeichnete. Filip Kostic wie auch der noch verletzte WM-Star Ante Rebic oder Goncalo Paciencia (für 3 Millionen Euro vom FC Porto) waren noch nicht am Ball. Außerdem fehlten die angeschlagenen Stammspieler David Abraham und Makoto Hasebe, die eventuell im Spiel gegen Werder wieder dabei sind. Fazit: Gute Ansätze bei der Eintracht, Neu-Trainer Hütter kann in Ruhe darauf aufbauen.

Spruch

„Ein legendärischer Tag für die Eintracht“

Lukas Hradecky, inzwischen bei Bayer Leverkusen, der im Eintracht-Tor beim sensationellen Pokalgewinn gegen die Bayern stand, über den 19. Mai 2018

Adi Hütter ist der neue Trainer bei Eintracht Frankfurt. Geholt hat ihn Manager Fredi Bobic.

Interview mit Fredi Bobic

Was wiegt schwerer? Der Verlust von wichtigen Leitfiguren? Oder der Weggang von Niko Kovac?

Da mache ich keinen Unterschied. Nur wenn sowohl in der Trainerposition als auch im Bereich der Führungsspieler Änderungen notwendig sind, sorgt das natürlich erst einmal zu einer Instabilität. Doch haben wir ja in Sachen Neuaufbau schon Routine. Und ich denke, es ist uns wieder einmal einiges Gutes gelungen.

Doppelbelastung für die Eintracht in dieser Saison. Ist der Kader dafür stark genug und ausreichend besetzt?

Ich mag das Wort nicht. Es klingt mir zu sehr nach Alibi. Die Spieler haben sich die Chance, international zu spielen, durch den Pokalsieg verdient. Alle freuen sich auf die bevorstehenden Aufgaben.

Es findet mal wieder ein Umbruch statt. Ein weiteres Aufbaujahr für Frankfurt?

Jede Saison geht bei null los. Natürlich würde ich mich darüber freuen, wenn ich einmal eine stressfreie hätte. Aber wir sind eben noch dabei, den Verein zu entwickeln und eine völlig andere Struktur aufzubauen.

Gegner Werder gibt das offizielle Saisonziel aus, sich für das europäische Geschäft zu qualifizieren. Wie bewerten Sie dieses ambitionierte Vorgehen?

Ich finde es gut, wenn man sich intern Ziele setzt. Mir gefällt grundsätzlich der Weg, den Werder beschreitet. Hier sieht man die klare Handschrift von Fachleuten wie Marco Bode und Frank Baumann.

Der Trainer: Adi Hütter

Wo er ist, ist Erfolg. Die Gleichung gilt im Fall von Adi Hütter. Der Neuling auf dem Frankfurter Trainerstuhl hat sich diesen Ruf erworben. Das Gesetz, sowohl in seiner Heimat Österreich als auch in der Schweiz bestätigt: Der 48-Jährige hatte an allen Stationen bislang Erfolg. Bei den Juniors von RB Salzburg startete er, sein Nachfolger wurde dort übrigens Niko Kovac. Mit Altach, einem Underdog in Austria, spielte er mehrfach um den Aufstieg. Dieser gelang dem nicht auf den Mund gefallenen Fußballlehrer 2013 mit Grödig. Mit dem Aufsteiger belegte er im Folgejahr sensationell Platz drei. Ralf Rangnick holte ihn 2014 nach Salzburg zurück – als Trainer der Profis. Hütter, der für attraktiven Offensivfußball steht, gelang das Double.

Nach einem Zerwürfnis mit Boss Rangnick wechselte er in die Schweiz, wo er Young Boys Bern zur ersten Meisterschaft nach 32 Jahren führte. Wieder eine Bestätigung für Hütters Erfolgsformel, sodass der Ruf aus Deutschland nicht ausblieb. Im letzten Herbst hatte sich auch Werder interessiert gezeigt, in diesem Sommer griff Frankfurt zu. Hütter hat das Erbe von Kovac, dem alten Bekannten, angetreten. „Wir trauen ihm viel zu“, sagt Bruno Hübner, der Sportdirektor, über den Liga-Newcomer.

Der Star: Ante Rebic

„Wir hätten locker für ihn eine Rekordablöse erzielen können“, sagt Manager Fredi Bobic über den begehrtesten Spieler aus dem Kader. Ante Rebic, der Stürmer aus dem Team des Vizeweltmeisters Kroatien, hat seinen Marktwert beim Turnier in Russland enorm gesteigert. Viele internationale Spitzenklubs lockten den Pokalhelden, der zum Senkrechtstarter der letzten Monate geworden ist. Der 24-Jährige widerstand allen Verlockungen, sodass Bobic, der Stürmerstar von einst, frohlockte: „Er trägt den Adler im Herzen.“ Der Beweis: Rebic verlängerte seinen Vertrag bei den Hessen, unterschrieb ein neues Arbeitspapier, das ihn erst einmal bis 2022 an den Pokalsieger bindet.

Der Neuling: Filip Kostic

Manch ein Hesse bekam kräftige Bauchschmerzen, als der Transfer verkündet wurde: Filip Kostic ist ausgeliehen bis 2020, inklusive einer Kaufoption. Kostic – da war doch was! Richtig, der Serbe gilt als Seuchenvogel. Zweimal ist er abgestiegen, zunächst mit dem VfB Stuttgart, unlängst mit dem Hamburger SV, bei dem er nicht überzeugen konnte. Seine Bilanz an der Alster: 30 Spiele, 5 Tore, 2 Assists, 4,17 als Durchschnittsnote beim kicker.

Zwar nahm der 26-fache Nationalspieler an der WM teil, doch zuletzt war er außer Form. Gemeinsam mit dem ebenfalls aus Hamburg verpflichteten Nicolai Müller könnte Kostic nun die Flügelzange bilden. Doch wegen seiner Vorgeschichte beschleicht manchem Fan ein ungutes Gefühl. Nicht jedoch Fredi Bobic, der den Außenbahnspieler 2014 für Stuttgart engagierte. Kostenpunkt damals: 14 Millionen Euro. Der Sportvorstand zerstreut alle Bedenken: „Filip ist ein gestandener Bundesligaspieler. Er bringt alle Voraussetzungen mit, die unser Trainer für das angestrebte Spielsystem benötigt.“

Papy Djilobodji feiert den Sieg gegen Eintracht Frankfurt im Saison-Finale 2016.

Eine Erinnerung

Der Weg vom Presseparkplatz bis zum Weserstadion ist lang. Es dauert, bis die Reporter ihren Arbeitsplatz erreicht haben. Am 14. Mai 2016 dauerte es noch länger als gewöhnlich. Der Tag des Abstiegsendspiels zwischen Werder und der Frankfurter Eintracht. Hunderte Werder-Fans belagerten den Osterdeich und die Rampe hinunter zur Arena. Motto: „Green White Wonderwall“, eine Kampagne in höchster Not, die die Unterstützung der ganzen Stadt signalisierte. Die Fans feierten die Ankunft der eigenen Mannschaft. Und sie empfingen den Gegner auf ihre, nicht immer ganz schöne Art.

Es gab für mich kein Durchkommen durch die Massen und die Absperrungen der Polizei, die den Frankfurter Bus schützen musste. Es dauerte, bis das Eintracht-Gefährt bis zum Eingang des Weserstadions durchkommen konnte. Die Fans blockierten, sie bestürmten den Bus, sie Fans warfen Gegenstände, sie gröhlten und intonierten nicht so freundschaftliche Begrüßungsgesänge an die Adresse der Frankfurter Profis – so wollten sie die Spieler der Eintracht verunsichern, ihnen Angst machen vor dem Schicksalsspiel. Nicht ganz die feine Art, dieser Empfang der Gäste aus Hessen, wie später auch die Verantwortlichen der Eintracht sich beschwerten.

Ich wurde Augenzeuge der Aktion, unfreiwillig und gezwungenermaßen. Ich empfand es wie die Frankfurter Bosse. Auf dem Spielfeld blieb es zum Glück ruhig und sportlich-fair. Zur Erinnerung: Glücklicher Ausgang für Werder. Papy Djilobodji sicherte mit einem späten Tor den Klassenverbleib für die Bremer in der 88. Minute. Frankfurt musste in die Relegation gegen den 1. FC Nürnberg. Die Eintracht behauptete sich in den Entscheidungsspielen gegen die Franken.

Zahlenspiele

602 Bundesligaspiele hat Charly Körbel absolviert. Der alte Recke der Eintracht, der in seiner Karriere ausschließlich für die Hessen spielte, ist damit unangefochtener Rekordhalter in der Bundesliga. Der 63-Jährige fungiert als Vorstand des Jugendfußballclubs. Zum Vergleich: Bremens Rekordspieler Dieter Burdenski kann eine Schnapszahl vorweisen: 444 Spiele.

Werder-Gefühl

Im Grunde genommen haben sich nur zwei Klubs weit aus dem Fenster gelehnt: Hoffenheim und der mutige Noch-Anführer Julian Nagelsmann, der die Bayern attackieren möchte. Neue kämpferische Töne, von den potenziellen Rivalen der Übermacht aus München bisher unbekannt. Und Werder mit dem couragierten Saison-Motto: Wir wollen nach Europa! Die Bremer in geschlossener Formation. Alle reden vom internationalen Geschäft, erst die Spieler, sodann Manager und Trainer. Richtig so. Nur wer sich hohe Ziele setzt, kann Großes schaffen.

Risikobehaftet indes ist diese öffentliche Proklamation schon. Nach dem Remis im Heimspiel gegen Hannover (1:1), aus Werder-Sicht schon ein leichter Dämpfer, gab es erste Anspielungen. Damit muss das Team leben. Den Worten müssen Taten folgen. Die beste Antwort auf die noch mehr oder weniger dezenten Anmerkungen: ein mutiger Auftritt in Frankfurt, belohnt mit Punkten.

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