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Hans-Günther Klemm hat mit Erwin Kremers vom FC Schalke 04 (hier rechts, gegen Uwe Witt Hertha BSC Berlin 1971) über die „Königsblauen“ vor dem Spiel bei Werder Bremen gesprochen.

Klemm-Brett

Schalke-Altmeister Erwin Kremers: „Tedesco muss in Bremen liefern“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 25. Spieltag geht es um den taumelnden FC Schalke 04.

Schalke-Form: Tiefpunkt gegen die Fortuna

Schalke hat den schlechtesten Saisonstart seit 36 Jahren hingelegt. Nur 23 Punkte nach 24 Spieltagen und Platz 14, vier Punkte vor dem Relegationsrang (Stuttgart mit 19 Punkten) sind ein blamables Resultat. Der vorläufige Tiefpunkt war das 0:4 gegen die Düsseldorfer Fortuna im eigenen Haus. Bezeichnend die Kicker-Noten: 5,54 im Schnitt. Unter den aktuellen Erstligisten belegten die Gelsenkirchener damit den (geteilten) dritten Rang, gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg (3.11.2001 beim 0:0 in Wolfsburg). Schlechter nur: Gladbach am 18.9.2010 beim 0:7 in Stuttgart und Hoffenheim am 10.3.2021 beim 1:7 bei Bayern. Für das Allzeittief sorgt der entzauberte Dino: 5,81 für den HSV am 30.3.2013 beim 2:9 in München. Schlechtester Wert für Werder: 5,50 am 18.10.2013 beim 0:6 bei Bayern, Platz sechs.

Altmeister enttäuscht

Erwin Kremers (69) ist ein ehemaliger Nationalspieler. Mit seinem Zwillingsbruder Helmut spielte er von 1971 bis 1979 bei Schalke, bestritt 212 Partien und schoss 50 Tore.

„Die Spielzeit ist mehr als enttäuschend. Wer mit fünf Niederlagen startet, muss mit einer großen Hypothek leben, wie sich gezeigt hat. Dazu kamen immense Verletzungsprobleme, die sich negativ ausgewirkt haben. Ich hoffe, dass sich nun eine Mannschaft einspielen kann, was bisher nicht der Fall gewesen ist. In akute Abstiegsgefahr wird Schalke nicht mehr kommen. Das ist weiter meine Hoffnung, auch nach der Niederlage gegen Düsseldorf. Ich finde es gut, dass die Vereinsbosse in dieser Woche den Trainer nicht entlassen haben. Domenico Tedesco hat weiter die Chance verdient, seine Philosophie zu verwirklichen. Ich drücke die Daumen, dass dies klappt. Für mich hat er weiterhin eine Zukunft in Gelsenkirchen, doch er muss nun liefern – gerade im Spiel gegen Bremen. Sportvorstand Heidel ist dagegen Vergangenheit. Ihm ist es nicht gelungen, Qualität in den Spielerkader zu bringen, was Schalke unbedingt gebraucht hätte. Seine Bilanz ist ernüchternd: Millionen investiert ohne Rendite, ein riesiges Problem. Heidel muss ich hoch anrechnen, dass er die Konsequenzen gezogen hat. Sein Rückzug hat Stil, ist nicht gerade alltäglich in der Bundesliga. Mit Jochen Schneider kommt ein Nachfolger, mit dem es einen Neuanfang geben wird. Ihm sollte die nötige Unterstützung gewährt werden.“

So lief das Hinspiel auf Schalke

Es war das erste ganz große Ausrufezeichen des neuen Werder unter Florian Kohfeldt: 2:0-Erfolg auf Schalke nach einem Doppelpack von Maximilian Eggestein. Erstmals wieder mit Milos Veljkovic nach abgebrummter Rotsperre im Team, bestach die Elf durch Cleverness, Effektivität und Kaltschnäuzigkeit und entführte verdient die drei Punkte. Alle Leistungsdaten sprachen für Werder: Laufleistung 120,4 zu 117,6 km, Ballbesitz 54 Prozent, Zweikampfquote 62 Prozent zu 50 %.

Spieler des Hinspiels: Maxi Eggestein

Ein Tor mit rechts, eins mit links, einmal auf Vorlage von Max Kruse, einmal nach Vorarbeit von Theo Gebre Selassie. Maximilian Eggestein gelang ein sehenswerter Doppelpack, so wurde er zum Matchwinner auf Schalke. Eine Partie, nach der das Eigengewächs erstmals so richtig mit der deutschen A-Nationalelf öffentlich in Verbindung gebracht wurde. Noch spielt Maxi bei den Junioren. Nach dem Abpfiff tröstete er übrigens einen Kumpel aus dem Team der U21: Alexander Nübel, den hoffnungsvollen Schalker Keeper, den er zweimal überwunden hatte. Eggestein entschuldigte quasi bei dem Kollegen. Ein feiner Zug und der Beweis eines tadellosen Charakters.

Werders Maxi Eggestein (hier zweiter von links) avancierte mit seinem Doppelpack auf Schalke zum Matchwinner - die Bremer gewannen 2:0.

Spruch

„Heute hat nicht die bessere, sondern die effektivere Mannschaft gewonnen. Die ist dann auch die bessere.“

Stürmer Guido Burgstaller nach dem 0:2 gegen Werder Bremen im Hinspiel.

Schalke-Legende

„Mister Schalke“ ist gestorben. Rudi Assauer ist tot. Am Pokal-Spieltag erreichte die Nachricht die königsblaue Gemeinde. Alle wussten um seine schwere Krankheit. Alzheimer hatte den Bergarbeitersohn aus Herten befallen und aus dem Leben gerissen, das aus Fußball und somit aus Schalke 04 bestand. Manager und Macho, Macher und Malocher – Assauer war ein unverwechselbarer Typ und ein Kind des Ruhrgebiets. Als Spieler Mitglied der Elf von Borussia Dortmund, die 1966 den ersten Europacup nach Deutschland holte. Als Manager eine erfolgreiche Größe in der Bundesliga – zweimal auf Schalke sowie auch bei Werder. Die im Alter von 74 Jahren verstorbene Legende gilt als Schöpfer der „Euro-Fighter“, die 1997 den Europacup nach Gelsenkirchen holten, und als treibende Kraft beim Bau der Arena. Clemens Tönnies würdigte Assauer vor dem 4:1 gegen Düsseldorf im DFB-Pokal als den „Architekten des modernen Schalke“.

Mendyls Gelbsucht

Der Mann sieht nicht Rot, sondern Gelb. Hamza Mendyl kassierte in seinen ersten sechs Spielen fünfmal die Gelbe Karte. Man muss weit in die Historie blicken, um diesen Sachverhalt zu finden. 1994/95 stellte Bernhard Trares, von 1997 bis 2001 in 89 Bundesliga-Partien für Werder aktiv, diesen Rekord auf – damals im Trikot von 1860 München.

Abschied

Dieser Abschied kam überraschend: Naldo, der Ex-Bremer, der auch auf Schalke wie schon zuvor in Wolfsburg zu einer Identifikationsfigur avancierte, verließ den westdeutschen Erstligisten. Der 36-Jährige schloss sich dem AS Monaco an und unterschrieb einen Vertrag bis 2020. Nur zwei Monate nach der Verlängerung seines Vertrags bei Königsblau kam dieser Schritt relativ unverhofft. Doch der Brasilianer, in der letzten Saison von seinen Liga-Kollegen noch zum besten Feldspieler gewählt worden, sah keine Chance mehr bei Trainer Domenico Tedesco, der auf Salif Sané und Matija Nastasic in der Innenverteidigung setzt.

„Ich bin ehrgeizig und fühle mich noch zu fit“, begründete der Fan-Liebling, der in der Hinserie nur siebenmal zum Einsatz kam. „Ich will spielen, dies ist auf Schalke nicht mehr möglich.“ Naldos Verkauf, für den Schalke gut eine Million Euro kassierte, lief nicht ohne Wirbel ab. Nach Benedikt Höwedes ist es immerhin der zweite Sympathieträger mit Kultstatus, der in der Ära des jungen Coaches Tedesco ging. „Uns ist die Zustimmung zu diesem Transfer nicht leicht gefallen“, kommentierte Manager Christian Heidel, der betonte, sie hätten Naldo nicht weggeschickt, sondern es sei der Wunsch des Spielers gewesen. Der Spieler wehrte sich indes gegen den Vorwurf, er sei aus finanziellen Gründen gewechselt, und gegen die Unterstellung, bei einem Verbleib hätte es im Innenverhältnis Konflikte geben können. Die DeichStube hat mit Naldo darüber im Interview gesprochen.

Wissenswertes zum Werder-Spiel beim VfL Wolfsburg: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Schalker Eigengewächs

„In der Arena aufzulaufen und ein Tor zu schießen“, so lautete sein Traum. Ahmed Kutucu, 18 Jahre jung und ein Eigengewächs aus der legendären Knappenschmiede, erfüllte sich diesen Traum. Der Jung-Profi, der seit der U12 für Schalke spielt und in diesem Winter zu den Profis befördert worden ist, brachte seine Farben im Pokalspiel gegen Düsseldorf auf die Siegerstraße. Sein erstes Tor in der Arena in Buer öffnete die Tür zum Viertelfinale im DFB-Pokal. Seine Torpremiere für Schalke hatte der Stürmer schon im letzten Jahr gefeiert: in Stuttgart am 17. Spieltag.

Aussortiert: Ex-Werderaner Franco di Santo

Drei Spieler, die nicht mehr benötigt werden, schickten die Schalker im Winter weg. Ein Trio, zu dem auch der frühere Bremer Franco di Santo zählt. Es fand sich ein Abnehmer für den einstigen Torjäger, für den sich der Wechsel aus Bremen nicht ausgezahlt hat. Auf Schalke konnte er sich nicht durchsetzen, durfte froh sein, kurz vor Schluss der Transferzeit in Spanien mit Rayo Vallecano noch einen neuen Arbeitgeber gefunden zu haben. Schalke hat den Argentinier kostenfrei abgegeben. Weiter auf der Liste: Maximilian Geis, ohne Gebühr zum 1. FC Köln, sowie Abdul Rahman Baba, der von Chelsea ausgeliehen war und weitergereicht wurde an Stade Reims.

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Schalker Rücktritt

„Schicht auf Schalke“ - so die Schlagzeile nach dem 23. Spieltag. Christian Heidel, längst nicht mehr unumstritten in Gelsenkirchen, gab seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt und kam somit, wie viele Beobachter meinten, einem Rauswurf zuvor. Ausgerechnet in Mainz, wo er zuvor erfolgreich gewirkt hatte, wurde sein Rückzug publik. Der 55-Jährige übernahm damit die Verantwortung für die katastrophale Entwicklung des Klubs, löste seinen noch bis 2020 laufenden Vertrag freiwillig auf und verzichtet damit auf ein Jahresgehalt (geschätzt 1,8 Millionen Euro). Die Bilanz von Heidels Wirken seit 2016: Transfers für rund 154,3 Millionen Euro, Einnahmen bei Verkäufen von 110,8 Mio., somit ein Minus von 43,5 Mio., zumal Hochkaräter wie Goretzka, Meyer und Kolasinac ablösefrei gewechselt sind.

Der Aufsichtsrat um Clemens Tönnies nahm Heidels Rücktritt an und präsentierte schnell einen Nachfolger: Jochen Schneider, bekannt aus seiner Tätigkeit beim VfB Stuttgart, zuletzt Teamkoordinator bei RB Leipzig und rechte Hand von Ralf Rangnick. Der 48-Jährige erhält einen Vertrag bis 2022. Als „Fußballfachmann, der über ein erstklassiges Netzwerk verfügt, stellte Tönnies den neuen Mann vor. In dieser Woche wurde Schneider offiziell präsentiert. Der neue Mann lobte überraschend die Schalker Elf, die er positiv erlebt habe. Die Krise sei eine „reine Kopfsache“. Und zum Spiel bei Werder: „Der kommende Freitag wird ein ganz wichtiger Tag für uns.“ Schneider kündigte an, dass es noch ein neuen Sportdirektor und einen neuen technischen Direktor geben werde. Zugleich sprach er dem Trainer Tedesco das Vertrauen aus - zumindest für das Spiel in Bremen. Verknüpfte dies indes mit einer Andeutung, dass dies ein Endspiel für den Mann auf der Trainerbank sei: „Ich bin ein Freund von Kontinuität, aber die darf nicht die Ziele und Erfolge gefährden. Die Mannschaft muss ein ganz anderes Gesicht zeigen.“ Link zu unserem Schneider-Text.

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