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Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen den VfB Stuttgart: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett

Notizen vor Stuttgart: Werder-Gefühl, Reschke-Interview und Lob für Baumann

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem sechsten Spieltag gegen den VfB mit vier Fragen an Stuttgarts Sport-Vorstand Michael Reschke, einer Einschätzung zu Werders Höhenflug, Zahlen und Fakten.

Werder-Gefühl

Bayern-Jäger? Pal Dardai hat es gesagt. Nicht ganz ernst gemeint von dem schlitzohrigen Ungarn. Werder schon im Rang eines Bayern-Verfolgers, wo die eingeplanten Münchner Rivalen wie Schalke oder Leverkusen schwächeln?

Ganz sicher nicht, so werte ich auch Dardais Scherz. Doch Bremen hat einen Traumstart hingelegt – ungeschlagen nach fünf Spielen. Große Worte vor dem Anpfiff, große Taten, seitdem der Ball rollt. Fünf Spieltage erst absolviert, da ist es zu verfrüht, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Doch es zeichnen sich bereits Trend ab.

Dass die Bayern wieder der Goliath sind, war zu erwarten und in dieser Dimension zu befürchten. Und Werder? Der Dauergast in unteren Tabellenregionen in der jüngsten Vergangenheit ist endlich mal gut aus den Startblöcken gekommen. Noch ist nicht alles rosig, doch der Genosse Trend spricht für die Bremer und ihren neuen Vormann, der in jeder Beziehung für frischen Wind gesorgt hat und weiterhin kräftig Aufwind garantiert.

Florian Kohfeldt macht vieles anders und das meiste richtig. Werder macht wieder Spaß, Werder versprüht wieder gute Laune mit zumeist erfrischendem Offensivfußball, Werder begeistert mit neuen Gesichtern wie Davy Klaassen und Nuri Sahin, wie Martin Harnik und Yuya Osako. Alles unter der Obhut eines Newcomers wie Kohfeldt, der schon jetzt zu den Entdeckungen aus dem Trainermarkt zählt.

Auch wenn das ambitionierte Ziel, nach Jahren der Abstinenz wieder Europa anzupeilen, möglicherweise in dieser Spielzeit des Aufbruchs noch zu hoch gesteckt sein mag, es dürfte ein sorgenfreies Jahr werden an der Weser. Adé Existenzkampf – so lautet die neue Perspektive. Auch etwas wert, dieser Zwischenschritt beim Aufstieg nach jahrelangem Abstieg.

4 Fragen an Michael Reschke (Sport-Vorstand VfB Stuttgart)

Der VfB, die Mannschaft der Rückrunde, ist auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzt. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Nach fünf Spieltagen darf der Tabellenplatz nicht überbewertet werden. Für eine Zwischenbilanz ist es einfach noch zu früh. Natürlich ist der Start nicht optimal verlaufen. In der Liga liegen viele Klubs vom Leistungsvermögen her nah beieinander, da kann so eine Phase schon mal vorkommen. Wir haben gegenwärtig einen Anti-Lauf, einfach kein Spielglück, wie es in der Rückserie einige Male der Fall gewesen ist.

Stuttgart hat über 30 Millionen Euro auf dem Transfermarkt investiert. Zählt der Klub zu den Neureichen?

Auf keinen Fall, obwohl wir für Stuttgarter Verhältnisse viel Geld ausgegeben haben. Doch wir haben auch verkauft. Das Transferminus liegt bei etwa 17 Millionen Euro, was heutzutage selbst in den Dimensionen der Bundesliga nicht mehr so immens ist. Zudem bin ich fest überzeugt, dass wir das Geld gut angelegt haben.

War es ein Kunststück, einen Ausnahmespieler wie Weltmeister Benjamin Pavard in diesem Sommer halten zu können?

Es war schon eine gute strategische Leistung von uns, wobei viele positive Faktoren eine Rolle gespielt haben. Wir haben ihm von Anfang an eine sehr hohe Wertschätzung entgegengebracht, haben immer betont, dass wir ihn halten möchten. Außerdem haben wir das auch nach außen und zu den potentiellen Interessenten immer wieder so kommuniziert.

Ist Werder in der neuen Spielzeit das, was Stuttgart zuletzt gewesen ist? Die Überraschungself der Liga?

Schon in der letzten Saison habe ich in einem Interview vor unserem Spiel gegen Bremen die Arbeit herausgestellt, die in Bremen geleistet wird. Ich habe hohe Achtung vor der Ruhe und Zielstrebigkeit im Verein. Frank Baumann macht einen sehr guten Job, Florian Kohfeldt zählt für mich zu den großen Trainer-Talenten in Deutschland. Die Mannschaft ist nun ins Laufen gekommen, ganz im Gegensatz zum VfB. Doch sie besitzt auch unabhängig vom guten Lauf hohe Qualität und überzeugt durch Effektivität. Ich traue Werder zu, weiterhin zu überraschen und im Kampf um die internationalen Plätze eine gute Rolle zu spielen.

VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

Statistik

Fast ausgeglichen fällt die Bilanz zwischen den beiden Traditionsklubs aus. 106 Partien haben die Rivalen in der höchsten Spielklasse bestritten. Für Bremen stehen 38 Siege zu Buche, für Stuttgart 36. In Stuttgart holten die Norddeutschen elf Siege und 17 Unentschieden in 52 Spielen. Die letzte Partie in Schwaben fand an 21. April statt. Nach Toren von Gentner und Ozcan verlor Werder mit 0:2.

Spruch

„Das Ergebnis wird uns nicht umhauen.“

Trainer Tayfun Korkut nach dem Pokal-Aus in Rostock.

Der VfB-Trainer Korkut

„Hut ab!“, sagt ein Meistermacher über seine Arbeit. „Was Korkut geleistet hat, ist schlicht sensationell.“ Ein Kompliment aus dem Mund von Ottmar Hitzfeld in seiner Kolumne für den „Sportbuzzer“. Es ist die Würdigung einer Erfolgsgeschichte, die der Türke in der Endphase der letzten Spielzeit im Schwabenländle schrieb.

Im Januar nach der Winterpause stieg er beim VfB ein. Platz 14, Abstiegsangst grassierte. Hannes Wolf, der Vorgänger und Aufstiegstrainer, musste nach sechs Niederlagen in sieben Spielen gehen. Korkut kam, wurde mit viel Skepsis empfangen. Aufgrund seines Werdegangs in Hannover, Kaiserslautern und Leverkusen. Volles Risiko der Stuttgarter Bosse um Präsident Wolfgang Dietrich. Es zahlte sich aus. Korkut verblüfft alle.

Stuttgart-Trainer Tayfun Korkut steht in der Kritik.

Ein nie für möglich gehaltener Aufstieg: 14 Spiele, neun Siege, vier Remis, nur eine Niederlage. 2,21 Punkte im Schnitt für den Coach, 31 Punkte für den VfB , nur die Bayern waren in der Rückrunde erfolgreicher. Am Ende hätte es beinahe noch für die Qualifikation zur Europa League gereicht, wenn Frankfurt nicht sensationell Pokalsieger geworden wäre. Ein Hoch auf Korkut.

Der 44-Jährige, der von 2012 bis 2013 auch als Co-Trainer der türkischen Nationalelf amtiert hat, hat alle verblüfft. Und jetzt? Nur zwei Punkte aus fünf Spielen, dazu das frühe Aus im DFB-Pokal und die ernüchternde Bilanz, in fünf der sechs Pflichtspiele ohne eigenen Treffer geblieben zu sein – wer diese Fakten miteinander addiert, erhält als Summe dies: Krise beim VfB Stuttgart! Droht Korkut bei einer Niederlagegen gegen Werder schon das Aus?

Star: Benjamin Pavard

Manche sagen, es sei das schönste Tor bei der FIFA-Weltmeisterschaft gewesen. Darüber lässt sich trefflich streiten. Doch es war ganz gewiss ein wundervoller Treffer, der ihm da gelungen ist. Benjamin Pavard traf die Kugel ganz genau. Mit dem rechten Fuß, mit dem Außenrist, direkt genommen, sagenhafter Effet, unhaltbar flog der Ball ins Eck.

„So einen Schuss habe ich von ihm noch nicht gesehen“, lobte Hannes Wolf, sein Ex-Trainer, der als TV-Experte analysierte. Das Tor im Achtelfinale gegen Argentinien, das Tor, das Frankreich brauchte auf seinem Siegeszug bis zum W-Titel. Die Franzosen lagen mit 1:2 im Hintertreffen gegen Argentinien, Pavards Knaller brachte sie zurück. Ein Kunstschuss, der den 22-Jährigen Stuttgarter noch bekannter machte.

VfB Stuttgarts Benjamin Pavard gehörte bei der WM 2018 zu den Leistungsträgern der Franzosen.

Der Defensivspieler gilt als die Entdeckung der WM im Team der Grande Nation. Bei den Schwaben zumeist in der Innenverteidigung eingesetzt, brillierte Pavard in der Nationalelf als rechter Außenverteidiger. Er steigerte seinen Bekanntheitsgrad und seinen Marktwert. Ganz klar, dass Spekulationen aufkamen. Im Mittelpunkt: die Münchner Bayern. Es hieß, sie wollten den Weltmeister schon in diesem Sommer holen.

Die Stuttgarter Ablöseforderung soll sich auf 50 Millionen Euro plus x belaufen haben, es wäre der Rekordtransfer für den VfB gewesen. Es kam nicht zustande. Vielleicht auch deshalb, weil der begehrte Profi mit dem Schuss ins Glück in Russland im kommenden Jahr günstiger zu haben ist. Wegen einer Ausstiegsklausel, die sich auf 35 Millionen Euro belaufen soll. Die Bayern, so wird vermutet, haben diese Option schon gezogen.

Investitionen

Über Platzierungen möchte Tayfun Korkut nicht reden. Sein Vorgesetzter geht davon aus, dass der VfB eine stabile Saison spielen werde. „Obwohl das zweite Jahr nach dem Aufstieg immer ein spezielles ist“, wie Michael Reschke, der Sportvorstand, sagt. Der 60-Jährige, der von den Münchner Bayern gekommen ist, sich dort und an seiner früheren Station Leverkusen einen vorzüglichen Ruf als Kaderplaner erworben hat, ist „von der Mannschaft überzeugt“, die er aufgebaut hat.

Es hat sich was getan bei den sparsamen Schwaben. Nach der Ausgliederung der Aktiengesellschaft stieg im letzten Jahr der Daimler-Konzern, der sogenannte Ankerinvestor, ein und pumpte 41,5 Millionen Euro in den Club. Eine Finanzspritze, die den Spielraum für die Macher um Reschke vergrößerte. Gut 35 Millionen investierte der Tabellensiebte in das Team.

Lediglich Daniel Didavi, der aus Wolfsburg zurückkam, sowie Junioren-Nationalspieler Marc Oliver Kempf aus Freiburg kosteten nichts. In die Vollen ging der VfB bei diesen Akteuren: Gonzalo Castro (5 Mio., Dortmund), Nicoals Gonzalez (8,5 Mio., Argentinos Juniors), Pablo Maffeo (9 Mio., Manchester City) und Borna Sosa (6 Mio., Dinamo Zagreb).

Als Abgang ist lediglich der 14 Millionen Euro teure Verkauf des Daniel Ginczek nach Wolfsburg erwähnenswert. Der VfB mit einem neuen Gesicht. Talente wie Sosa, Maffeo und Kempf, dazu gestandene Profis wie Didavi, Castro und Gonzalez. Ein breiter Kader, in dem ein Gerangel um die Stammplätze herrscht. Lediglich zwei Leitfiguren können einen Stammplatz reklamieren: Ron-Robert Zieler im Tor und Mario Gomez als Keilstürmer.

Selbst Holger Badsuber, der Ex-Nationalspieler, muss bangen. Der Start indes missglückte: Vorletzter nach fünf Spielen, nur zwei Punkte auf dem Konto.

Zahlenspiele

254 Bundesligaspiele hat Christian Gentner absolviert, die meisten der aktuellen VfB-Profis

338 Bundesligaspiele hat Karl Allgöwer bestritten, der Rekordspieler

182 Länderspiele haben 14 Profis aus dem Kader vor dieser Saison absolviert

6 Tore fehlen Mario Gomez noch, dann hätte er Jürgen Klinsmann (79) in der ewigen Rangliste der Torschützen eingeholt.

2010 - seit dieser Saison ist Christian Gentner beim VfB, damit der dienstälteste Spieler.

15 Trainer, inklusive Korkut, haben den VfB seit 2006 betreut.

2009 belegte Stuttgarter die beste Platzierung in der Liga der letzten zehn Jahre: Platz 3

Rekord

Seine höchste Niederlage in der Liga kassierte Stuttgart ausgerechnet gegen Werder. In Bremen gingen die Schwaben am 29. November 1985 mit 0:6 unter. Torschützen für Werder: Manfred Burgsmüller, Frank Ordenewitz und Michael Kutzop, die jeweils zweimal trafen.

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