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Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Hannover 96: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett

Notizen vor Hannover: 4 Fragen an 96-Coach Breitenreiter, Kuriositäten, Erinnerungen

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem Bundesliga-Start der Bremer gegen Hannover mit fünf Fragen an 96-Coach Andre Breitenreiter, Kuriositäten, Besonderheiten und Erinnerungen.

Form

Generalprobe mit Bravour bestanden: Die Breitenreiter-Elf löste mühelos und im Schongang die Pokal-Aufgabe beim Karlsruher SC und gewann mit 6:0. Dabei spielten drei Neuzugänge eine gute Rolle. Kevin Wimmer, der den Platz von Salif Sané in der Innenverteidigung bekleiden soll, bewährte sich und zeichnete sich überdies als Schütze des wichtigen Führungstores aus. Auch Takuma Asano, für eine Millionen Euro vom FC Arsenal ausgeliehen, war als Torschütze erfolgreich und stürmte neben Torjäger Niclas Füllkrug. Dritter Neuer im Bunde: Walace, der Brasilianer, für den die Hannoveraner sechs Millionen Euro hinlegten. Beim Hamburger SV nie etabliert, soll der Olympiasieger ein Eckpfeiler im Mittelfeld werden. 

Walace schon in der Startelf, im Gegensatz zu seinen Kollegen Bobby Wood (für 1,5 Millionen Euro vom HSV ausgeliehen) und dem zuletzt angeschlagenen Genki Haraguchi (für 4,5 Millionen Euro von Hertha BSC Berlin gekauft). Das Quintett soll die Abgänge von Leistungsträgern wie Felix Klaus (ablösefrei nach Wolfsburg), Sané (für sieben Millionen Euro zu Schalke 04) und Martin Harnik, dessen Rückkehr sich Werder zwei Millionen Euro kosten ließ, in der neuen Spielzeit ausgleichen.

Statistik

Die Bilanz aus Werder-Sicht bei Partien gegen den Nord-Rivalen fällt durchweg positiv aus. 43 Siege in 77 Spielen. Es gab nur 16 Niederlagen sowie 18 Remis. Eindeutig auch die Tordifferenz: 189:106 Tore. So fallen auch die Zahlen für die Bundesliga aus: 58 Spiele, 30 Werder-Siege, 15 Unentschieden, 13 Hannover-Erfolge, 131:76 Tore. Noch deutlicher das Plus bei den Heimspielen. In 29 Spielen im Weserstadion triumphierten die Gastgeber 20-mal, kassierten nur eine Niederlage und spielten achtmal remis. Im Pokal (sieben Begegnungen) verlor Werder nie, siegte fünfmal und erreichte zweimal ein Unentschieden.

5 Fragen an Andre Breitenreiter

Ein geflügeltes Wort lautet: Das zweite Jahr in einer neuen Spielklasse ist das schwerste. Gilt dies auch für Hannover, den Aufsteiger von 2017, Andre Breitenreiter?

Andre Breitenreiter: Welche Perspektiven wir haben, hängt davon ab, wie wir schließlich bis zum Ende des Transferfensters in der kommenden Woche personell aufgestellt sind. Wir haben eine sehr gute Vorbereitung hinter uns, die neuen Spieler haben sich super integriert. Aber wir haben auch Spieler mit großer Qualität verloren. Und wenn ich sehe, wie andere Vereine, mit denen wir auf Augenhöhe sein wollen, aufgestockt haben, dann kann ich grundsätzlich nur sagen, dass es sicherlich nicht einfacher wird als in der vergangenen Saison.

Sie haben die Abgänge von einigen Stützen zu verkraften. Manager Horst Heldt hält dennoch die Elf für konkurrenzfähig. Stimmen Sie diesem Urteil zu? Oder wünschen Sie sich bis zum Ende der Transferperiode noch Verstärkungen?

Breitenreiter: Meine Empfehlung – und das ist kein Fordern, sondern eine Empfehlung auf Grundlage der Kader-Einschätzung als Trainer, war schon vor der Verletzung von Timo Hübers, dass wir in der Innenverteidigung noch dringend etwas machen müssen. Genauso auf den offensiven Außen, in Karlsruhe hatten wir auf dieser Position keine Alternativen zur Startelf. Wir haben Spieler im Kader, die leider über die vergangenen Jahre hinweg sehr viel verletzt waren. Dementsprechend müssen wir uns in der Breite so verstärken, dass wir für solche Situationen – auch wenn wir alle hoffen, dass sie nicht eintreten - gewappnet sind. Wir werden gemeinsam entscheiden, was machbar und sinnvoll ist.

Ärger mit den Fans, die in der letzten Spielzeit zu einem Stimmungsboykott aufgerufen hatten, dazu die ständigen Diskussionen um die 50+1-Regelung. Viele Nebenkriegsschausplätze erschweren Ihre Arbeit. Wie schaffen Sie es, diese Dinge auszublenden?

Breitenreiter: Wir können mit der Mannschaft stets nur in Vorleistung gehen. Das haben wir in den eineinhalb Jahren, seit ich Trainer in Hannover bin, immer getan. Wir waren erfolgreich und haben meistens auch attraktiv gespielt. Verein und Fans sind nach der vergangenen Spielzeit aufeinander zugegangen und haben Signale gesetzt. Ich hoffe, dass wir die nötige Unterstützung erfahren werden, beim Pokalspiel in Karlsruhe war das bereits der Fall. Die Mannschaft hat diese Unterstützung mehr als verdient.

Unter Ihrem Kollegen Florian Kohfeldt hat sich Werder entwickelt. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Und was trauen Sie dem Gegner in dieser Saison zu?

Breitenreiter: Werder Bremen hat sich wiederholt nach einem Trainerwechsel positiv verändert gezeigt. Das war auch schon unter Viktor Skripnik und Alexander Nouri der Fall. Florian Kohfeldt hat seine Spielidee erfolgreich auf die Mannschaft übertragen. Vor Saisonbeginn ist wie bei allen anderen Teams eine Einschätzung schwierig, jedoch erwarte ich Werder Bremen, auch aufgrund der getätigten Transfers, im oberen Drittel der Tabelle.

Kennen und schätzen sich: 96-Coach Andre Breitenreiter und Werder-Cheftrainer Florian Kohfeldt.

Kuriositäten

In den Vereinschroniken tauchen zwei Spieler mit dem Namen Christian Schulz auf. Beide wechselten von Werder zu 96. Der bekannte Schulz ist der 2007 für 2,5 Millionen Euro transferierte Linksverteidiger. Das Werder-Eigengewächs kickte zwischenzeitlich für Sturm Graz, ist nun nach Hannover ablösefrei zurückgekehrt und soll die zweite Mannschaft führen. Der Unbekannte, der auf den Namen Christian Schulz hört: Ein Spieler, der eine Partie für die Werder-Reserve absolvierte, 1993 sich dem Zweitligisten Hannover anschloss, dort auch nicht den Durchbruch schaffte und lediglich neunmal zum Einsatz kam.

Besonderheiten

Die Torjäger beider Teams erzielten ihre ersten Treffer in der höchsten deutschen Spielklasse im Werder-Trikot. Martin Harnik, 2010 auf Wanderschaft gegangen und nach den Stationen Stuttgart und Hannover wieder in Bremen gelandet, traf im August 2007 gegen den 1. FC Nürnberg. Niclas Füllkrug, ein gebürtiger Niedersachse, der beim Hannoveraner Vorortklub Ricklingen groß geworden ist, danach von 2006 bis 2013 bei Werder ausgebildet worden ist, feierte seine Tor-Premiere im März 2012 im Spiel gegen Augsburg.

Erinnerungen

Ich kann mich noch an den Moment erinnern. Mai 1992, ein Luxushotel am Kurfürstendamm. Trainer Michael Lorkowski stampfte in Badelatschen durch das Foyer, die Spieler folgten ihm mit Sonnenbrillen. 96 war Pokalsieger geworden, als Zweitligist, erstmals in der Geschichte des DFB. 4:3 nach Elfmeterschießen gegen Mönchengladbach. Michael Schjönberg-Christensen, der Däne, hatte den entscheidenden Strafstoß verwandelt. Große Sause in Berlin. 96 außer Rand und Band. Eine tolle Siegesfeier, die sich in Hannover fortsetzte. 96 in Europa, im Europacup der Pokalsieger. Sie träumten von Monaco, Madrid (Atlético) und Liverpool. Dann der Katzenjammer. Auslosung und ein Los, das niemand wollte. Aus dem Topf gezogen diese Niete: Werder gegen Hannover, ein Deutsch-deutsches Duell in der ersten Runde. Werder, der Titelverteidiger, gegen Hannover, den amtierenden deutschen Pokalsieger. Werder gewann 3:1 im Weserstadion, verlor 1:2 im damaligen Niedersachsenstadion, kam so eine Runde weiter.

Spruch

„Rufen Sie mich aber bitte nicht an. Ich kann Ihnen nicht helfen, wenn Sie liegenbleiben. Ich kann höchstens den ADAC rufen.“

Horst Heldt bei einer Talkshow in der HDI-Arena über seine Lehre als Kfz-Mechaniker

Star

Sein Aufstieg ist atemberaubend: Waldemar Anton, 22 Jahre jung und hochbegabter Junioren-Nationalspieler, gilt als der kommende Star. Erst recht nach dem Abgang des erfahrenen Salif Sané zu Schalke 04 soll Eigengewächs Anton, der auch im defensiven Mittelfeld sich bewährt hat, der neue Abwehrchef werden. Welche Bedeutung dem Talent zukommt, hat Trainer Andre Breitenreiter mit einer Maßnahme deutlich gemacht: Anton ist neuer Kapitän, somit der jüngste in der Liga. 

„Waldemar ist eine Identifikationsfigur für alle“, begründete der Coach, der neben der sportlichen Leistungsfähigkeit auch andere Qualitäten bei seinem Vertrauensmann sieht: „Er hat auch als Persönlichkeit eine enorme Entwicklung genommen.“ Anton sieht die Binde, die er nun tragen darf, nicht als Bürde: „Ich bin sehr stolz.“ Vor zehn Jahren in die Jugend-Akademie von 96 gekommen, hatte er sich nicht träumen lassen, so schnell und reibungslos den Sprung zum Profi zu schaffen und so rasch in diese herausgehobene Position aufzurücken.

Wechselspiele

Es gab in der Vergangenheit häufig Wanderungsbewegungen zwischen den Nord-Klubs, die nur rund 130 Kilometer trennen. Festzuhalten dabei: Mehr Spieler sind aus Bremen nach Hannover gewechselt als umgekehrt. Der Erste im Jahr 1952: ein gewisser Hannes Kirk, als Werder-Akteur in die deutsche Amateur-Nationalelf berufen und bei den Olympischen Spielen in Helsinki dabei, bei 96 Deutscher Meister 1954. 

Die bekanntesten Profis, die bei 96 anheuerten: Günter Hermann, Weltmeister von 1990, der nach 231 Spielen für Grün-Weiß 53-mal für die „Roten“ in der 2. Liga spielte. Und natürlich Christian Schulz, der sich 2007 veränderte und zum Publikumsliebling und Kapitän der Niedersachsen aufstieg. In die andere Richtung marschierten Weltmeister Per Mertesacker (74 Spiele für 96, 147 für Werder) und auch der populäre Klaus „Cäsar“ Wunder. Erst bei Bayern München, dann in Hannover und schließlich ab 1978 an der Weser, wo dem Torjäger 56 Treffer gelangen. Jüngste Beispiele: Martin Harnik, schon mal von 2006 bis 2010 bei Werder, nun von Hannover verpflichtet, sowie auf der Gegenseite Niclas Füllkrug, bis 2013 als Jungprofi in Bremen ausgebildet.

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