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Ex-Bremer Felix Wiedwald wechselte erst vor Kurzem zu Eintracht Frankfurt, wird zukünftig aber wohl nicht im Kader stehen.

Die Degradierung

Nach Trapp-Rückkehr: Wiedwald wird bei Frankfurt nicht gebraucht

Frankfurt - Von Frank Hellmann. Es sind schwierige Zeiten im Fußballer-Leben des Felix Wiedwald. Und es gibt Phasen, da ist es dann einfach auch besser, mal nichts zu sagen.

Sowohl der Berater als auch die Pressestelle von Eintracht Frankfurt haben zu Wochenanfang ausrichten lassen, dass der 28-Jährige nicht sprechen möchte. Dabei gibt der Keeper die Klammer für das Bundesligaspiel zwischen der Eintracht und dem SV Werder (Samstag, 15.30 Uhr).

Schon von 2013 bis 2015 stand er in Frankfurt unter Vertrag, wechselte dann zurück zu seinem Heimatverein in Bremen. Bei Werder wurde Wiedwald ab dem neunten Lebensjahr ausgebildet. Nun ist er seit ein paar Wochen zurück bei der Eintracht. Er wurde geholt, aber binnen kürzester Zeit hat sich herausgestellt: Gebraucht wird er in Frankfurt nicht. Die am Freitag erfolgte Verpflichtung von Kevin Trapp (Leihe für ein Jahr) rückt den in Thedinghausen aufgewachsenen Schlussmann noch weiter ins Abseits als ohnehin schon. Für Wiedwald bleibt am Samstag gegen Werder nur die Tribüne – es wird wohl sein Stammplatz werden.

Ex-Bremer Wiedwald nutzte seine Chance nicht

Wie das passieren konnte? So: Nach der Verpflichtung des Dänen Frederik Rönnow, als Nachfolger des zu Bayer Leverkusen gewechselten Lukas Hradecky eingeplant, war die Eintracht weiter auf Torhütersuche, weil Ersatzmann Jan Zimmermann bereits 33 ist und nur als bedingt erstligatauglich gilt. Eigentlich war davon auszugehen, dass Wiedwald, der immerhin 70 Mal in der Bundesliga und 47 Mal in der zweiten Liga gespielt hat, als Nummer zwei gesetzt sein würde. In der Vorbereitung bestand sogar die Möglichkeit, sich als Nummer eins zu empfehlen.

Rönnow trat seinen Dienst mit zwei Handicaps an: fehlende Spielpraxis aus der Nationalmannschaft, wo er bei Dänemark hinter Kasper Schmeichel bei der WM nicht zum Zuge gekommen war, und eine Knieblessur. Doch Wiedwald nutzte seine Chance nicht. In den Testspielen gegen Ferrara (1:2) oder Philadelphia (0:1) leistete er sich spielentscheidende Aussetzer. Nicht nur die Kiebitze schüttelten den Kopf, sondern auch der neue Cheftrainer Adi Hütter.

Der Österreicher sehnte die Genesung von Rönnow herbei, den er beim Supercup gegen den FC Bayern (0:5) ins kalte Wasser warf. Der 25-Jährige hinterließ einen verstörenden, weil verunsicherten Eindruck. Doch auch bei der Blamage im DFB-Pokal beim SSV Ulm 46 (1:2) blieb Rönnow zwischen den Pfosten und Wiedwald auf der Bank. Zum Bundesligastart kam alles noch schlimmer: In Absprache mit Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz hob Hütter die Rangfolge unter den Ersatztorhütern auf: Zimmermann und Wiedwald sollen sich in Zukunft als Nummer zwei abwechseln, hieß es.

Wiedwald stand beim Auftaktsieg beim SC Freiburg (2:0) nicht mal mehr im Kader und muss nach Informationen der DeichStube auch fürs Heimspiel gegen seinen Ex-Verein auf die Tribüne. Rotiert werden soll nämlich nicht von Spiel zu Spiel. Die Last-Minute-Verpflichtung von Nationalkeeper Kevin Trapp, der nach drei Jahren bei Paris St. Germain zur Eintrach zurückkehrt, verändert die Hierarchie nun noch einmal völlig. Nummer eins? Trapp. Nummer zwei? Rönnow? Nummer drei: Zimmermann oder Wiedwald.

Wiedwald verlor Stammplatz bei Leeds United

Für den ehemaligen Werderaner kommt die nächste Abstufung einer schallenden Ohrfeige gleich. Von seinem Ziel, „im Idealfall so viel zu spielen wie möglich“, ist er weit weg. Aber Rückschläge ist der 1,90-Meter-Mann ja gewohnt: Trotz einer starken Rückrunde 2016/2017 hatten der damalige Werder-Trainer Alexander Nouri und Manager Frank Baumann Zweifel und verpflichteten den Tschechen Jiri Pavlenka. Im Nachhinein ein Glücksgriff. Wiedwald wechselte zum englischen Zweitligisten Leeds United und begann als Nummer eins, verlor aber zum Jahreswechsel 2017/2018 nach einigen Patzern seinen Stammplatz und saß ab März an der Elland Road meist auch nur noch auf der Tribüne.

Das Angebot aus der Mainmetropole kam eigentlich wie gerufen, weil sich Wiedwald an jene Zeiten erinnern konnte, in denen er für elf Bundesligaspiele sehr überzeugend den verletzten Kevin Trapp vertrat. „Ich habe ein Jahr im Ausland gespielt, ich habe mich gut weiterentwickelt“, sagte er vor zwei Monaten gegenüber Eintracht-TV. „In Bremen hatte ich zwei schöne Jahre in meinem Heimatverein. Jetzt freue mich auf die Zeit, dass ich wieder hier sein kann. Ich habe die letzten Jahre immer verfolgt, die Eintracht war zweimal im Pokalfinale.“ Kontakt hatte er übrigens mit Torwarttrainer Petz gehalten, der die Causa Wiedwald offiziell auch nicht kommentieren möchte. Wer redet in diesem Metier schon gerne über eine Degradierung?

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