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Enttäuschte Bremer nach dem 1:1 gegen Nürnberg.

Nachbericht zum Remis gegen den Club

Das Unheil kam schleichend

Bremen - Im Grunde hätte am Sonntagnachmittag eine einzige Kameraeinstellung ausgereicht, um Werders 1:1 (1:0) im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg bildlich auf den Punkt zu bringen – und zwar mit dem Fokus auf Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Dessen Verhalten spiegelte die seltsame, aus Bremer Sicht unheilvolle Entwicklung dieser Partie perfekt wider.

Während der ersten halben Stunde stand der 35-Jährige kerzengerade vor seiner Trainerbank, verfolgte jeden Pass mit seinen Kopfbewegungen und klatschte immer wieder in die Hände. Kohfeldt gefiel, was er da zu sehen bekam, sehr sogar. Das sollte sich ändern. „Die erste halbe Stunde war mit das Beste, was die Mannschaft gespielt hat, seit ich hier Trainer bin“, sagte er, die Miene dabei dunkel. Denn es gab ja auch noch die zweite Halbzeit, und sie lieferte ein weiteres Kohfeldt-Bild, das zu diesem Nachmittag gehörte: Seinen kurzen Wutausbruch nach dem Ausgleich der Gäste in der Nachspielzeit. Mit den Augen schien der Trainer nach Gegenständen zu suchen, an denen er seinen Ärger auslassen konnte. Er fand nichts und richtete den Blick nach dem Spiel lieber auf sich und seine Mannschaft: „Wir müssen uns alle einen Vorwurf machen.“

Fotostrecke: Später Schock! Misidjan kontert Eggesteins Traumtor

Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg
Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg © dpa
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Furios ist als Bezeichnung sicher etwas zu hoch gegriffen, aber Werder hatte das Heimspiel gegen den Aufsteiger dominant begonnen, schnürte die Franken regelrecht ein und kam zu Chancen. Max Kruse nach Zuspiel von Yuya Osako (15.), Martin Harnik aus der Drehung (21.) – beide Aktionen im letzten Moment geblockt von Georg Margreitter. „Die erste halbe Stunde war nah dran an der Art, wie wir Fußball spielen wollen“, lobte Kohfeldt. Für den strahlendsten Moment in diesem Spielabschnitt hatte Maximilian Eggestein gesorgt: Sein wuchtiger Schuss aus 18 Metern streifte den Innenpfosten und sauste ins Tor (26.). „Ich freue mich, kann das Tor heute aber nicht genießen“, sagte der 21-Jährige nach dem Schlusspfiff über seinen vierten Bundesliga-Treffer. In der 28. Minute dann plötzlich Liedgut, wie es im Weserstadion schon lange nicht mehr zu hören gewesen war: „Deutscher Meister wird nur der SVW.“ Mit diesem Klassiker der Fangesänge begleitete die Ostkurve allerdings Werders schleichenden Leistungseinbruch.

„Uns hat in vielen Dingen der Mut verlassen“

„Wir haben uns das Leben nach der Pause selber schwer gemacht“, haderte Eggestein, „also haben wir es auch nicht verdient, zu gewinnen. Uns hat in vielen Dingen der Mut verlassen.“ Das stimmte, und war für jeden Zuschauer des Spiels spätestens beim vermeintlichen Nürnberger Ausgleich zu erkennen, der allerdings vom Video-Schiedsrichter zurückgenommen wurde, weil Mikael Ishak vor dem Treffer von Ondrej Petrak im Abseits stand (59.). „Spätestens da hätten wir wieder wach werden müssen“, haderte Nuri Sahin, der in der 70. Minute für Philipp Bargfrede und damit zu seinem Pflichtspieldebüt im Werder-Trikot gekommen war. Sein Fazit der persönlichen Premiere: „Ich hätte lieber drauf verzichtet, wenn wir heute drei Punkte geholt hätten.“

An der Außenlinie machte Kohfeldt ab Mitte der zweiten Halbzeit einen zunehmend unruhigen Eindruck, fast so, als hätte er das Unheil kommen sehen. Gefährliche Abschlüsse oder eine vergleichbare Dominanz wie vor dem Wechsel zeigte Werder nicht mehr, während die Franken von Konter zu Konter immer ein Stück mehr an sich zu glauben schienen. „Wir haben ab der 30. Minute aufgehört, in den Räumen zu spielen, wo wir spielen wollen“, klagte Kohfeldt, „und das führt dann dazu, dass man den Zugriff verliert und die eine Sekunde länger schauen muss, ob der andere da ist.“

Werder wackelte, hielt den knappen Vorsprung aber bis in die Nachspielzeit hinein. Bis zum Pass von Club-Kapitän Hanno Behrens auf Joker Virgil Misidjan und dessen Treffer ins kurze Eck – 1:1 (90.+2). Wenig später pfiff Schiedsrichter Daniel Schlager ab, und Kohfeldts Miene wurde zu einem düsteren Gemälde der Enttäuschung und des Ärgers.

„So etwas ist bitter und tut extrem weh“, sagte Davy Klaassen über den späten Gegentreffer, um dann ein erstes Fazit über den Saisonstart mit fünf Punkten aus drei Spielen zu ziehen: „Das ist nicht genug.“ Sportchef Frank Baumann widersprach dem Niederländer nicht, im Gegenteil. „Es ist schwer uns zu schlagen, das ist gut. Aber zwei Punkte aus zwei Heimspielen reichen nicht.“

Immerhin: Kohfeldt hatte einen persönlichen Erfolg verbucht. Es war sein 14. Heimspiel nach Amtsantritt ohne Niederlage. Damit hat er einen alten Bestwert von Otto Rehhagel egalisiert. Angesichts der Laune des Trainers nach dem Spiel, sprach ihn lieber niemand darauf an.

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