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Frankfurt stellte Werder mit hohem Pressing vor Probleme. Daran wird Trainer Florian Kohfeldt arbeiten müssen.

2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt

Taktik-Analyse: Werder hat es sich unnötig schwer gemacht

Was für ein Knaller! Milot Rashica rettet Werder den Sieg. Trotz drei Punkten: Den Bremern fehlte gegen Eintracht Frankfurt über weite Strecken die taktische Reife, meint unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Die Partie zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt als eine kampfbetonte Partie zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. 22 Fouls, ein Elfmeter, böse Verletzungen auf beiden Seiten – es ging hoch her in Frankfurt. Mitte der zweiten Halbzeit ging Sky-Kommentator Klaus Veltman sogar so weit zu sagen: „Jetzt zählt nur eins: Wer will es mehr?!“

Wer glaubt nach so einem emotionalen und aggressiv geführtem Spiel schon daran, dass die Taktik ein gewichtiger Faktor war? Tatsächlich war die Partie zwischen Bremen und Frankfurt taktischer geprägt, als man erwarten würde. Nicht zuletzt lag dies an einer Bremer Mannschaft, die mit dem aggressiven Pressing des Gegners überfordert war.

Erste Halbzeit: Flugbälle auf Osako

Dabei fing die Partie für Werder gut an. Trainer Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:1 gegen Hannover 96 nur auf einer Position verändert: Martin Harnik rückte für Florian Kainz in die Mannschaft. Harnik ging auf die Rechtsaußen-Position, Osako wechselte dadurch auf die linke Außenbahn. Kohfeldt hielt also an seinem favorisierten 4-3-3-System fest.

Dank Osakos Flügelwechsel veränderte sich das Aufbauspiel der Bremer allerdings. Bremen fokussierte lange Flugbälle auf Osakos linke Außenbahn. Häufig eröffnete Bremen das Spiel auf der halbrechten Seite. Von dort schlugen Theodor Gebre Selassie und Milos Veljkovic lange Flubälle auf die linke Seite.

Diese Flugbälle stellten Frankfurts Defensive vor massive Probleme: Frankfurts Coach Adi Hütter möchte, dass seine Elf innerhalb des 4-4-2-Systems kompakt zum Ball schiebt. Die ballferne Seite blieb gegen Bremen häufig frei. Da Frankfurt nicht genügend Druck auf Bremens halbrechte Seite herstellte, konnte Bremen problemlos die schnellen Flügelwechsel spielen. Osako war in der Anfangsphase der auffälligste Spieler. Seine Leistung krönte er mit dem Treffer zum 1:0 (20.).

Werder eröffnete das Spiel oft von der halbrechten Seite mit langen Flugbällen auf Yuya Osako. Damit hatte Frankfurt Probleme.

Bremen verliert in Überzahl den Faden

Kurz darauf geriet Frankfurt auch noch in Unterzahl; Jetro Willems kassierte aufgrund einer Tätlichkeit die Rote Karte (32.). Die Überzahl stabilisierte Bremens Spiel aber nicht, im Gegenteil: Frankfurt bekam in der Folge Aufwind.

Schon in der Anfangsphase hatte Bremen Mühe, die Flügelangriffe der Frankfurter zu verteidigen. Die Außenverteidiger agierten äußerst offensiv, die Außenstürmer wiederum rückten ein und suchten den Weg zum Tor. Nach der Roten Karte verbesserte sich die Flügelverteidigung der Bremer zunächst. Harnik und Osako nahmen die gegnerischen Außenverteidiger in Manndeckung. Der Nachteil: Sie ließen sich dadurch weit nach hinten locken und standen sehr tief. Bremen konnte trotz Überzahl und Führung keine schnellen Konter fahren. Frankfurt blieb im Spiel.

Nach der Pause ließen sich die Bremer überrumpeln. Anstatt in Unterzahl defensiv zu agieren, blies die Eintracht zur Attacke: Hütter stellte auf ein offensives 4-2-1-2-System um. Vor allem Mijat Gacinovic blühte in seiner neuen Rolle als Zehner auf, er startete immer wieder hinter die Spitzen. Bremen hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass Frankfurt plötzlich weit in der Bremer Hälfte attackiert. Mit ihren Abspielfehlern brachten sie Frankfurt zurück ins Spiel.

Kohfeldt stellt um – und Werder findet zurück ins Spiel

Nach dem Ausgleich (54.) konnte Frankfurt das Tempo nicht mehr hochhalten. Bremen konnte nun den Ball wieder ruhiger in den eigenen Reihen laufen lassen. Dass Werder in der Folge vermehrt vor den gegnerischen Kasten kam, lag auch an den taktischen Umstellungen von Kohfeldt: Mit der Einwechslung von Claudio Pizarro stellte er auf ein 4-3-1-2-System um, Kruse agierte als Zehner hinter dem Doppelsturm Pizarro/Osako.

Später ging Kohfeldt sogar noch einen Schritt weiter. Die Schlussphase bestritt Bremen in einem extrem offensiven Spielsystem: Die Außenverteidiger agierten praktisch als Außenstürmer, sodass Bremen mit vier Angreifern in der vordersten Linie spielte. Mit der Einwechslung von Milot Rashica gesellte sich ein fünfter Angreifer in den Sturm, Osako (!) agierte fortan im zentralen Mittelfeld.

In der Schlussphase trat Werder extrem offensiv auf, die Außenverteidiger agierten als Außenstürmer.

Bremens offensives 2-3-5-System bestach mit einer starken Raumaufteilung: Bremen drückte Frankfurt in einer 6-2-1-Staffelung an den eigenen Strafraum. Jeden Ball, den Frankfurt klärte, gewannen die Bremer prompt zurück. Einzig das Spiel in die Spitze lahmte etwas; die Bremer schlossen zu selten ab, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten. Werder benötigte einen Freistoß, um den zu diesem Zeitpunkt verdienten Sieg perfekt zu machen (95.).

Fazit: Es war schwerer als nötig. Emotional war der späte Treffer von Rashica der Höhepunkt einer intensiven Partie. Rational betrachtet überwiegen jedoch die kritischen Aspekte des Werder-Auftritts: Trotz Führung und Überzahl gaben sie das Spiel phasenweise aus der Hand. Schon gegen Hannover bekam Bremen Probleme, sobald der Gegner zu einem hohen Pressing ansetzt. An diesem Punkt wird Kohfeldt arbeiten müssen.

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Werder Bremen feierte in letzter Sekunde einen 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt.
Werder Bremen feierte in letzter Sekunde einen 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. © dpa
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Werder Bremen feierte in letzter Sekunde einen 2:1-Sieg  gegen Eintracht Frankfurt. © gumzmedia
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Werder Bremen feierte in letzter Sekunde einen 2:1-Sieg  gegen Eintracht Frankfurt.n
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