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Ausgelassener Jubel bei Werder um Cheftrainer Florian Kohfeldt nach dem 2:0-Sieg gegen Schalke.

DFB-Pokal: Werder ringt Schalke nieder

Taktik-Analyse: Wie Stevens Kohfeldt das Leben schwer machte – und dennoch scheiterte

Gelsenkirchen - Werder steht im DFB-Pokal-Halbfinale! Doch zuvor mussten die Bremer in einem zähen Spiel den FC Schalke niederringen. Warum Schalke gegen Werder so gut dagegenhielt und trotzdem das Nachsehen hatte, erklärt unser Taktik-Experte Tobias Escher.

„Die Null muss stehen!“ Dieser Satz hat die öffentliche Wahrnehmung von Huub Stevens geprägt. Auch wenn es unfair ist, die Taktik des knurrigen Niederländers auf Betonfußball zu beschränken: Stevens feierte seine größten Erfolge dank einer stabilen Defensive. Auch im Pokal-Viertelfinale seiner Schalker gegen Werder Bremen stand die Abwehr im Vordergrund. Das bereitete den Bremern unerwartet viele Schwierigkeiten.

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Schalker Fünferkette gegen Werder-Raute

Werder-Coach Florian Kohfeldt blieb dem zuletzt so erfolgreichen Rautensystem treu. Nuri Sahin begann auf der Sechs vor der Abwehr. Max Kruse durfte auf seiner Paradeposition im offensiven Mittelfeld auflaufen. Davor agierte ein flinker Doppelsturm aus Milot Rashica und Johannes Eggestein.

Stevens hatte das Bremer System offenbar ausgiebig analysiert. Sein 5-2-1-2-System war exakt auf die Stärken und Schwächen der Bremer abgeschnitten. Im offensiven Mittelfeld hatte der 19 Jahre junge Nassim Boujellab die Aufgabe, Sahin aus dem Spiel zu nehmen. Er nahm ihn in enge Deckung.

Die Grafik zeigt Schalkes systematische Vorteile: Manndeckung im Zentrum gegen Sahin, Doppeln gegen Kruse, Platz auf den Flügeln.

Die Doppelsechs hinter ihm versuchte gar nicht so sehr, Bremens Achter zu decken; sie wussten, dass diese eher für ihren Vorwärtsdrang bekannt sind. Stattdessen orientierten sie sich eher an Kruse und achteten darauf, dass dieser jederzeit gedoppelt wird. Schalke legte gerade in der ersten Halbzeit mit diesen Kniffen den Bremer Spielaufbau lahm. Diese kamen höchstens über die Flügel zum Zug.

Schalker Übergewicht auf den Seiten

Doch auch auf den Flügeln erarbeitete sich Schalke nach und nach ein Übergewicht. Stevens stellte Sebastian Rudy überraschend auf der Rechtsverteidiger-Position auf. Das Kalkühl dahinter: Der in den vergangenen Jahren meist als Sechser eingesetzte Rudy sollte als Spielmacher die Lücken ausnutzen, die durch die Bremer Raute auf den Flügeln entstehen. Zugleich sollte er mit seiner defensiven Übersicht helfen, die Flügel abzusichern.

Es brauchte einige Zeit, ehe Schalke tatsächlich diese Idee umsetzen konnte. Bremen verteidigte in der ersten halben Stunde gut und schob immer wieder nach auf die Flügel. Somit konnten sie hier Überzahlen herstellen. Schalke gelang es noch nicht, vom Flügel schnell wieder in das Zentrum zu gelangen.

Erst nach der Pause schafften sie es, die Lücken im Bremer System besser auszunutzen. Bremens Achter agierten nun noch weiter auf den Seiten, um diese zu schließen. Es entstanden große Lücken im Zentrum, die Schalke besonders nach Ballgewinnen sofort bespielte. Stevens sah diese Lücke und brachte in Yevhen Konoplyanka (59., für Burgstaller) einen weiteren Zehner. SeineSchalker sollten im neu formierten 5-2-2-1-System noch mehr Präsenz im offensiven Mittelfeld aufweisen. In dieser Phase musste Werder einige Konter schlucken, auch weil sie sich in der gegnerischen Hälfte zu viele überhastete Fehlpässe erlaubten.

Werder-Tor verändert Statik

Der Bremer Führungstreffer kam just in dem Moment, als die Partie zugunsten der Schalker zu kippen drohte (65.). Bremen überzeugte vor dem Treffer durch eine gute Überzahlbildung auf der linken Seite sowie einen überragenden Ballgewinn auf rechts durch Aushilfs-Rechtsverteidiger Marco Friedl. Das Sahnehäubchen war der Abschluss von Rashica.

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Mit der Führung im Rücken konnten sich die Bremer nun etwas weiter zurückziehen. Sahin ließ sich als dritter Innenverteidiger in die Abwehr fallen. Schalke fehlten die Ideen, um Bremens enge Formation zu knacken. Es half wenig, dass Stevens schnell wieder zurückstelle auf ein 5-2-1-2-System. Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite erhöhte Bremen auf 2:0 (72.).

Fotostrecke: Rashica zirkelt, Klaassen spitzelt - Werder ist weiter

Werder Bremen gegen Schalke 04
Werder Bremen gegen Schalke 04 © gumzmedia
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Mit der Einwechslung von Kevin Möhwald (74., für Eggestein) stellte Kohfeldt endgültig auf ein 5-3-2 um. Schalke hatte nun zwar mehr Ballbesitz und ließ die Kugel in der Abwehr laufen. Sie fanden aber – wie so häufig in dieser Saison – nicht die Räume im Mittelfeld. Ihre langen Bälle waren keine Gefahr für Werder. Selbst die Gelb-Rote Karte gegen Sahin (90.) tat der Bremer Dominanz keinen Abbruch.

Taktik-Fazit zum Werder-Sieg gegen Schalke

Der Einzug ins Pokal-Halbfinale fiel Bremen schwerer, als so mancher angesichts der Schalker Krise erwartet hätte. Bis zu Werders 1:0-Treffer legte Schalke offen, wie man das Bremer-Rautensystem aushebeln kann. Die Bremer Führung brachte wiederum Schalkes offensive Probleme zum Vorschein. Neben dem erstmaligen Halbfinal-Einzug seit fünf Jahren dürfte diese Gewissheit die wichtigste Lehre des Abends sein: Bremen gelingt es mittlerweile, selbst ein für wesentlich teureres Geld eingekaufte Schalke routiniert abzukochen. Das Halbfinale kann kommen.

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