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Der Plan von Werder-Cheftrainer Florian Kohfeldt ging gegen Hertha BSC nicht auf.

1:1 bei der Hertha

Taktik-Analyse: Werder findet keinen Weg vorbei an der Berliner Mauer

Berlin - Zäh, zäher, Auswärtsspiel in Berlin: Die Bremer fanden keine Lösung gegen Herthas clevere Defensivtaktik. Unser Taktikanalyst Tobias Escher erklärt, was Hertha richtig gemacht und welche Fehler Werder begangen hat.

Werder hat den Konter entdeckt. Dieses Fazit ließ sich nach dem Pokalsieg gegen Borussia Dortmund und dem 4:0 gegen den FC Augsburg ziehen. Bereits im Vorfeld auf die Partie gegen Hertha BSC wirkte Trainer Florian Kohfeldt dem Eindruck entgegen, seine Mannschaft spiele ab jetzt immer auf Konter. Seine Philosophie sei es noch immer, das Spiel zu gestalten, den Gegner zu dominieren, viel Ballbesitz zu haben. Gegen Hertha ließ Kohfeldt den Worten Taten folgen. Das lag nicht zuletzt am Gegner.

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Werders Ballbesitz-Fußball gegen Berliner Konterspiel

Kohfeldt stellte seine Mannschaft in der altbekannten Raute auf. Milot Rashica und Johannes Eggestein begannen als Doppelsturm, Max Kruse agierte leicht dahinter als Zehner. In der Defensive war Bremen erneut flexibel aufgestellt: Philipp Bargfrede agierte bei Ballbesitz als Sechser vor der Abwehr, ließ sich jedoch auch häufig in die Verteidigung fallen. Bremen spielte somit eine Mischung aus Vierer- und Fünferkette.

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Herthas Trainer Pal Dardai setzt anders als Kohfeldt nicht auf ein ausgefeiltes Ballbesitzspiel. Seine Strategie folgt dem klassischen Defensiv-Dreisatz: kompakt verteidigen, Ball gewinnen, schnell kontern. Gegen Bremen wählte Dardai daher eine defensive Aufstellung.

Hertha agierte aus einem 5-3-2-System. Ähnlich wie Werder agierten die Berliner in der Abwehr flexibel: Karim Rekik rückte immer wieder im Zentrum heraus, um Max Kruse zu stellen. Er übernahm abwechselnd mit Sechser Fabian Lustenberger die Deckung von Kruse. Hertha war darauf bedacht, die Kreise des Bremer-Stürmers einzuengen. Im Mittelfeld wiederum orientierten sich Herthas Spieler eng an ihrem Gegner; eine Art Manndeckung entstand.

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Hertha BSC gegen Werder Bremen
Hertha BSC gegen Werder Bremen © gumzmedia
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Berlins pendelnde Abwehrkette gegen Bremen

Der Clou der Berliner Formation waren die Außenverteidiger. Diese verharrten nicht innerhalb der Fünferkette. Sobald der Ball auf einen Flügel kam, schoss der jeweilige Berliner Außenverteidiger im Sprint nach vorne. Er sollte Druck ausüben auf Bremens Außenspieler. Man muss sich diese Bewegung vorstellen wie ein ausschlagendes Pendel: Aus der Fünferkette schießt der äußere Spieler auf einen Impuls (Pass auf den Bremer Außenverteidiger) nach vorne.

Dieses äußerst aggressive Aufrücken der Berliner Außenverteidiger hatte zwei positive Effekte: Defensiv konnte Berlin hohen Druck auf dem Flügel ausüben. Sie konterten damit Bremens liebsten Spielzug, den Pass von den Außenverteidigern auf die durchstartenden Mittelfeldspieler.

Die Grafik zeigt Herthas defensive Taktik. Im Mittelfeld stellten sdie Berliner Werder mannorientiert zu, Kruse nahmen gleich zwei Spieler in Bewachung. Die Außenverteidiger Berlins übten hohen Druck auf Bremens Außenverteidiger aus - Schachmatt.

Offensiv wiederum waren Berlins Außenspieler nach einem Ballgewinn sofort bereit, in die Offensive zu starten. Auf links funktionierte dies nicht ganz so gut; Maximilian Mittelstädt hatte große Probleme unter Druck, er kam auf eine Passquote unter 50 Prozent. Auf rechts funktionierte diese Idee jedoch wunderbar. Gleich mehrfach bekam Hertha nach einer Balleroberung Valentino Lazaro freigespielt, der wiederum legte den Ball sofort hinter die Abwehr auf den durchstartenden Davie Selke.

Kein Weg vorbei an der Berliner Mauer

Hertha konterte Werder in der ersten Halbzeit klassisch aus. Während Werders Mittelfeld aus dem Spiel genommen war, startete Hertha nach Ballgewinnen schnell durch. Drei Pässe genügten, um sich vor das gegnerische Tor durchzukombinieren. Bremen schwächelte ausgerechnet im Gegenpressing, dem Nachsetzen nach Ballverlusten, das zuletzt noch so gut funktionierte. Zur Pause hätte Berlin durchaus höher führen können als nur 1:0.

Die zweite Halbzeit verkam zum zähen Ringen. Berlin zog sich mit der Führung im Rücken immer weiter zurück, spielte Konter nun kaum mehr aus. Kohfeldt versuchte wiederum alles, damit sein Team einen Weg vorbei an Berlins defensiver 5-3-2-Formation findet. Zunächst stellte er auf ein 4-3-3-System um und beorderte Kruse auf den linken Flügel. Er sollte somit von der engen Bewachung im Zentrum befreit werden. Zugleich rückte Davy Klaassen häufiger in die letzte Linie, um dem Spiel Tiefe zu geben. Wirkung hatte es kaum. Bremens neue Formation verbesserte zwar das Gegenpressing, offensiv fand Werder noch immer keine Lösungen.

Auch die Einwechslungen der Stürmer Claudio Pizarro (61., für Johannes Eggestein) und Joshua Sargent (75., für Rashica) und die damit einhergehende Umstellung auf ein 4-4-2 brachten dem Team keinen neuen Schwung. Es schien, als könne das Spiel noch ewig weitergehen, und trotzdem würde Werder kein Tor mehr schießen.

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Berlin schenkt Sieg gegen Werder her

Dann kam jedoch die 96. Minute und der große Auftritt des alten Mannes. Pizarros Freistoß traf Hertha mitten im Herz. Die Berliner müssen sich nach der zweiten Halbzeit den Vorwurf gefallen lassen, sich zu weit nach hinten zurückgezogen zu haben. Defensiv standen sie zwar solide wie eine Betonmauer, nach vorne brachten sie aber keine Entlastung zustande. Gerade einmal 30 Prozent Ballbesitz hatten die Berliner nach der Pause. Somit luden sie Werder ein, sich irgendwie zum 1:1 zu murksen.

Für Werder ist der Punktgewinn durchaus glücklich. Dardai zeigte Kohfeldt eindeutig die Grenzen auf. Das Ballbesitzspiel der Bremer vermag es noch nicht, eine perfekt eingestellte Defensive zu knacken. Auch wenn am Ende die Punkteteilung steht: Gefühlt hat an diesem Abend der Konterfußball über das Ballbesitzspiel triumphiert.

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