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Werder-Trainer Florian Kohfeldt hat das Taktik-Duell gegen S04-Coach Domenico Tedesco gewonnen.

2:0-Sieg beim FC Schalke 04

Taktik-Analyse: Werder besteht die taktische Reifeprüfung

Gelsenkirchen - Die Partie zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke war geprägt durch die defensive Taktik beider Teams. Warum sich beide Mannschaften in der ersten Halbzeit neutralisierten und wieso Florian Kohfeldt goldrichtig lag mit seinen Einwechslungen, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Wenn der Kommentator ein Fußballspiel als „taktisch interessant“ betitelt, ist dies oft nur eine Umschreibung für: „Das Spiel ist stinklangweilig!“ Kaum anders war es bei der Partie zwischen Schalke und Werder Bremen. Das Problem war allerdings nicht, dass zu viel Taktik im Spiel gewesen wäre – sondern dass beide Trainer zunächst auf Sicherheitsfußball setzten. Jeder auf seine eigene Weise.

Bremen lässt Ball laufen gegen Schalker Bollwerk

Florian Kohfeldt kündigte vor der Partie an, seine Bremer wollen auch gegen den Vizemeister den Ballbesitz dominieren. Dementsprechend blieb er der Taktik der vergangenen Wochen treu. Bremen begann in einem 4-3-3-System. Defensiv rückte Davy Klaassen auf eine Höhe mit Stürmer Max Kruse, sodass ein 4-4-2 entstand. Den Ball ruhig in den eigenen Reihen laufen lassen und nach Ballverlusten sofort nachsetzen: So lautete die Strategie der Bremer.

Schalke-Coach Domenico Tedesco stellte dem Bremer Ballbesitzspiel eine Mauer entgegen. Er stellte seine Mannschaft in einem defensiven 4-4-2-System auf. Sein besonderer Kniff: Der gelernte Sechser Weston McKennie agierte als hängender Stürmer hinter Guido Burgstaller.

Die taktische Ausrichtung in der ersten Halbzeit: Werder im 4-3-3-System,Schalke in einem 4-4-2.

Das war in erster Linie ein defensiver Schachzug: Der starke Zweikämpfer McKennie sollte Burgstaller im Pressing unterstützen sowie dabei helfen, hohe Bälle zu gewinnen. McKennie nahm häufig den zurückfallenden Bremer Sechser Nuri Sahin in Deckung. Die beiden Viererketten verschoben dahinter kompakt. Schalkes Mittelfeld stellte Bremens Zuspielwege ins Mittelfeld zu. Schalke hoffte auf Ballgewinne im Zentrum und schnelle Konter. Alternativ wollten sie mit langen Bällen auf McKennie und Burgstaller Bremens Abwehr aushebeln.

Bremen mit wenig Risiko, aber auch mit wenigen Ballverlusten

Bremen ließ sich auf Schalkes Abwarten-und-Konter-Taktik nicht ein. Sie versuchten gar nicht erst, das Spiel in das enge Mittelfeld-Zentrum zu eröffnen. Nach einer etwas holprigen Anfangsphase ließen Bremens Abwehrspieler den Ball gut in den eigenen Reihen laufen. Mit halbhohen Bällen direkt in die Spitze versuchten sie, Schalkes enge Abwehr zu überspielen.

Das Bremer Spiel war bis zur Pause dadurch etwas risikobefreit. Die Achter rückten weit nach vorne, um das Schalker Mittelfeld nach hinten zu drücken. Sie standen dadurch jedoch nicht bereit für Spielzüge durch das Mittelfeld. Auch die Überzahlbildungen auf den Flügeln, zuletzt Werders große Stärke, traute sich Bremen gegen Schalke nicht. Bloß keine Ballverluste riskieren, bloß schnell in die eigene Ordnung zurückkehren: Auch Bremens Ballbesitzspiel war defensiv ausgerichtet. So neutralisierten sich beide Teams vor der Pause.

Fotostrecke: Eggestein-Show auf Schalke

Werder Bremen gegen FC Schalke 04.
Werder Bremen gegen FC Schalke 04. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen FC Schalke 04. © dpa
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Tor aus dem Nichts wirbelt Schalkes Matchplan durcheinander

Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang Maximilian Eggestein der Führungstreffer; es war die erste Chance des Spiels. Tedesco musste angesichts des Rückstandes in der Pause taktisch umstellen. Mit der Einwechslung von Mark Uth stellte Schalke auf ein 4-3-1-2-System um, eine sogenannte Raute.

Schalkes Raute war äußerst offensiv ausgerichtet: Zehner Amine Harit rückte immer wieder in die Spitze, auch McKennie beschäftigte als zentraler Mittelfeldspieler plötzlich die Bremer Abwehr. Schalke überschwemmte die Bremer Viererkette geradezu, teils standen fünf oder sechs Schalker in vorderster Linie gegen vier Verteidiger. Bremen bekam Probleme, die wuchtigen Angriffe der Schalker zu verteidigen.

Kohfeldt wechselt klüger als Tedesco

Kohfeldt reagierte zügig. Nach zehn Minuten brachte er mit Sebastian Langkamp einen weiteren Verteidiger. Claudio Pizarro kam zudem als zweiter Stürmer in die Partie. Kohfeldt stellte damit auf ein 5-3-2-System um. Der zusätzliche Verteidiger half, in der letzten Linie wieder eine Überzahl herzustellen. Die neue Variante im Mittelfeld sorgte dafür, dass Bremen im Zentrum wieder mehr Zugriff erhielt. Zugleich hielt Pizarro wichtige Bälle im Konter.

In Halbzeit zwei agierte Schalke deutlich offensiver, Werder stellte deshalb auf eine Dreier-Abwehrkette um.

Bremen hatte zwar zunächst Schwierigkeiten mit dem neuen System. Die Außenverteidiger und die Innenverteidiger standen sich teils auf den Füßen, die Mittelfeldspieler rückten bei Kontern nicht nach. Doch nachdem Eggestein erneut einen Treffer aus dem Nichts erzielte (66.), stabilisierte sich Bremens Spiel.

Einzelkritik: Eggestein wird zur Waffe

Schalkes Bemühungen waren nun zu wild und zu wenig koordiniert. Daran hatte auch Tedesco seinen Anteil. Mit der Einwechslung von Franco di Santo stellte er zwar sein System nicht um, änderte aber die komplette Besetzung des Mittelfelds. Seine Schalker schienen mit den Positionswechseln überfordert.

Reifeprüfung bestanden

Die letzten Minuten unterstrichen den Reifeprozess, den Bremen in den vergangenen Wochen durchgemacht hat: Statt sich hinten zu verbarrikadieren und ausschließlich auf Konter zu lauern – wie sie es erfolglos beim 1:1 gegen Nürnberg getan hatten – ließen sie auch nach der Führung Ball und Gegner laufen. Werder leistete sich kaum Ballverluste und verhinderte, dass Schalke wieder ins Spiel fand.

Das ist – bei allen kleineren taktischen Mängeln – die wichtige Nachricht aus dem Schalke-Spiel. Werder Bremen punktet derzeit nicht nur wie eine Spitzenmannschaft, sie treten mittlerweile auch wie eine auf: dominant, selbstbewusst, konzentriert bis zum Schluss. Reifeprüfung bestanden.

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