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Werder-Coach Florian Kohfeldt musste mit ansehen, wie seine Mannschaft immer passiver wurde und schließlich noch den Ausgleich schluckte.

Last-Minute-Unentschieden gegen Nürnberg

Taktik-Analyse: Werder weder Fisch noch Fleisch

45 Minuten lang löste Werder Bremen die Pflichtaufgabe mit Bravour. Nach der Pause jedoch wussten die Werderaner nicht so recht, mit welcher Strategie sie das Spiel angehen sollen – und wurden dafür von Nürnberg bestraft. Unsere Taktik-Analyse von Tobias Escher.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt war vor dem Spiel voll des Lobes für den 1. FC Nürnberg. „Die Nürnberger Mannschaft bringt Attribute mit, die für einen Aufsteiger nicht ganz gewöhnlich sind“, sagte Kohfeldt auf der Pressekonferenz. Spielstärke, Offensivgeist, Mut: Kohfeldt nahm den Gegner ernst. Seine Mannschaft tat dies leider nur 45 Minuten lang.

Dominanz im offensiven 4-3-3

Dabei fing die Partie so gut an. Die Bremer Spieler setzten von Beginn weg die taktische Marschroute ihres Trainers um. Kohfeldt vertraute seinem favorisierten 4-3-3-System. Martin Harnik orientierte sich als Rechtsaußen weiter in die Spitze, während Yuya Osako sich auf links öfters ins Kombinationsspiel einschaltete.

Werder fokussierte folglich Angriffe über Osakos linke Seite. Philipp Bargfrede ließ sich häufig auf die Position des Linksverteidigers fallen. Das erlaubte wiederum Linksverteidiger Ludwig Augustinsson, sich in die Offensive einzuschalten. Immer wieder entwischte er seinem direkten Gegenspieler Matheus Pereira. Der Portugiese, erst zum Schluss der Transferperiode verpflichtete, fremdelte noch mit den Defensivaufgaben im Nürnberger 4-1-4-1-System.

Offensiv spielte Werder viel über Yuya Osakos linke Seite. Philipp Bargfrede ließ sich dann auf die Position des Linksverteidigers fallen, wodurch sich Ludwig Augustinsson ins Angriffsspiel einschalten konnte.

Die zweite Angriffsroute der Bremer verlief durch das Zentrum. Davy Klaassen und Maximilian Eggestein rückten – anders als zuletzt – nur selten auf die Außen, um Überzahlen herzustellen. Stattdessen boten sie sich hinter Nürnbergs aufgerücktem Mittelfeld an. Eine Strategie, die zunächst aufging.

Nürnberg reagierte jedoch schnell darauf. Die Nürnberger zogen sich an den eigenen Strafraum zurück, verkleinerten dabei die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld. Nürnberg übte kaum mehr Druck auf den Bremer Spielaufbau aus. Bremen konnte nun das Spiel nach Belieben aus der Abwehr aufbauen. Der umtriebige Maximilian Eggestein bezwang das Nürnberger Bollwerk mit einem wuchtigen Fernschuss (26.). Bremen ließ auch nach der Führung Ball und Gegner laufen, zur Pause lag ihr Ballbesitzwert bei 61 Prozent.

Bremen verteidigt aggressiv

Werder überzeugte in der ersten Halbzeit auch defensiv. Klaassen rückte im Pressing weit nach vorne, sodass aus dem 4-3-3 ein 4-4-2 entstand. Gemeinsam mit Max Kruse hielt er den Druck auf Nürnbergs Innenverteidiger hoch. Nürnberg tat sich schwer damit, den eigenen Aufbau aus der Abwehr flach zu gestalten. Sobald Nürnberg das hohe Pressing der Bremer doch einmal umspielte, nahmen sie das Tempo aus dem Spiel. Offensive Gefahr der Nürnberger? Fehlanzeige.

Das sollte sich auch über weite Strecken der zweiten Halbzeit nicht ändern. Nürnbergs Trainer Michael Köllner hatte sein System zwar umgestellt von 4-1-4-1 auf ein offensiveres 4-2-3-1-System. Allerdings fehlte seinem Team noch immer Tempo und Zug im Spiel nach vorne. Einzig über die aufrückenden Außenverteidiger konnte Nürnberg vereinzelt Nadelstiche setzen. Bremen verteidigte jedoch routiniert. Sie zogen sich nach und nach weiter zurück, pressten nur noch selten hoch im 4-4-2. Stattdessen verteidigten sie im 4-1-4-1.

Konterspiel harmlos

Die Bremer Passivität sollte ihnen in der Folge jedoch zum Verhängnis werden. Bremens Spiel war fortan weder Fisch noch Fleisch: Sie versuchten zwar, aus einer stabilen Defensive schnelle Konter zu setzen. Für Ballgewinne in höheren Zonen fehlte jedoch der Druck im Mittelfeld, die Konter wiederum waren häufig kraft- und saftlos. Daran änderte auch der eingewechselte Milot Rashica (67., für Harnik) nichts, der sich als Linksaußen häufig festlief und von seinen Mitspielern isolierte.

Um auf das 2:0 zu gehen fehlte Bremen also die Wucht im eigenen Konterspiel. Die andere Option wäre gewesen, das 1:0 zu verwalten. Hierzu fehlte den Bremern wiederum die Ballkontrolle. Obwohl Nürnberg auch im neu sortierten 4-2-3-1 ein eher tiefes Pressing spielte und somit kaum Ballgewinne provozierte, ließen die Bremer den Ball nicht mehr in der Abwehr laufen.

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Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg
Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg © dpa
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Die Pässe in den Sturm kamen allerdings nicht an, sodass Nürnberg wieder an den Ball kam. Bremens Ballbesitzwert sank in Halbzeit zwei auf 50%. Daran änderte auch die Einwechslung von Nuri Sahin nichts. Der Neuzugang begann überraschend auf der Acht vor Eggestein, ging kurz vor Schluss jedoch auf die Sechser-Position zurück. Er konnte das Ballbesitzspiel der Bremer nicht beruhigen.

Es kam, wie es kommen musste: Nach einer ereignisarmen zweiten Halbzeit drosch Nürnberg ein letztes Mal den Ball nach vorne. Bremen stand nicht kompakt, ließ Nürnberg zum Schuss kommen - der Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. Der Aufsteiger bestrafte eine Bremer Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit nicht so genau wusste, wie sie die eigene Führung ausspielen soll.

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