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Der Plan von Werder-Trainer Florian Kohfeldt (Mitte) ging im Spiel gegen Bayer Leverkusen nicht auf.

2:6 gegen Bayer Leverkusen

Taktik-Analyse: Das Experiment Dreierkette geht nach hinten los

Bremen - Die Heimspielserie von Werder Bremen fand am Sonntagabend ein krachendes Ende. Werder verlor deutlich gegen Bayer Leverkusen und wirkte dabei in der Defensive komplett überfordert. Die Gründe lagen auch – oder vor allem – im taktischen Vorgehen Florian Kohfeldts, erklärt Taktik-Analyst Constantin Eckner.

Werder-Coach Kohfeldt entschied sich dafür, das System aus der zweiten Halbzeit gegen Schalke 04 beizubehalten. Bremen spielte also in einem 3-5-2, wobei Marco Friedl den verletzten Niklas Moisander ersetzen musste. Gewiss bedeutete dies einen signifikanten Qualitätsunterschied auf einer defensiven Schlüsselposition, aber Leverkusen nutzte im Spielverlauf vor allem die strukturellen Vorteile auf dem Rasen.

Viel Ballbesitz und viel Risiko

Werder begann recht dominant und hatte viel Ballbesitz in den ersten beiden Spielfelddritteln. Leverkusen zog sich in einem 5-4-1 zurück und überließ den Hausherren großflächige Zonen. Folglich konnte die Bremer Dreierabwehr ohne Probleme vorstoßen, fand dann aber selten den richtigen Passweg im Zentrum. Die Sicherheitspässe gingen allesamt auf die Außenbahnen, von wo aus aber nur vereinzelt Torgefahr erzeugt werden konnte.

Zudem stieg mit den langen Ballbesitzphasen die Wahrscheinlichkeit, dass Werder den Ball herschenkte. Dies geschah beispielsweise um die 28. Minute herum direkt zweimal in kurzer Abfolge – jeweils mit Friedl in der Hauptrolle. Allerdings konnten Karim Bellarabi und Kai Havertz die jeweiligen Torchancen nicht nutzen.

In der ersten Halbzeit spielte Werder im 3-5-2 gegen Leverkusens 5-2-3.

Flügelverteidigung nicht existent

An anderer Stelle war Leverkusen jedoch erfolgreich mit den eigenen Konterversuchen. Das 2:0 und 3:0 für Bayer resultierten aus Ballgewinnen und Umschaltaktionen. Werder war gegen diese schnellen Angriffe vor allem anfällig, weil die beiden Flügelspieler der Grün-Weißen immer weit nach vorn aufrückten. Teilweise warteten Ludwig Augustinsson und Theo Gebre Selassie an der Abseitsgrenze, wenn Werder in Ballbesitz war.

Gerade Augustinsson setzte sich selbst mehrfach in Szene, als er auf dem ballfernen Flügel das runde Leder erhielt und viel Freiraum hatte, weil Bayers Rechtsverteidiger Mitchell Weiser eingerückt war. Aber auf der anderen Seite fehlte Augustinsson in der Defensive. An den ersten drei Toren war jeweils Bellarabi entscheidend beteiligt. Oftmals musste er sich nur gegen Friedl durchsetzen, während Augustinsson entweder noch auf dem Weg nach hinten war oder sich ein paar Meter vor der Abseitsgrenze positionierte.

Das 0:2 lieferte perfektes Anschauungsmaterial. Aleksandar Dragović gewann den Ball von Yuya Osako und spielte blitzschnell den Verlagerungsball auf den rechten Flügel, wo Bellarabi gestartet war und quasi freie Bahn hatte.

Kohfeldt reagiert – Bayer aber auch

Auch zwischen den Toren deutete sich mehrfach die Konteranfälligkeit der Hausherren an. Aber Kohfeldt wartete bis zur Halbzeitpause, um den Fehler aus den ersten 45 Minuten zu korrigieren. Er nahm Friedl vom Platz und ersetzte ihn durch Claudio Pizarro. Mit diesem personellen Wechsel ging auch eine taktische Umstellung einher. Kohfeldt setzte fortan auf ein 4-3-3 mit Osako, Pizarro und Max Kruse in der vordersten Reihe.

Werder-Coach Florian Kohfeldt stellte zur Halbzeit auf ein 4-3-3 um.

Doch so vielversprechend dieser Ansatz war, die nun als klassische Außenverteidiger eingeteilten Augustinsson und Gebre Selassie stärker in die Abwehrarbeit zu integrieren und das Zentrum mit einem halben Dutzend Bremern zu besetzen, Leverkusen hatte die passende Antwort parat. Bayer-Trainer Heiko Herrlich ließ in den ersten Minuten nach der Halbzeit seine eigenen Außenverteidiger mehr Druck in der Offensive entwickeln. Auf dem Papier hatte Werder nur jeweils einen Spieler auf dem Flügel – Leverkusen hingegen zwei.

Nach einer Weile unternahmen Weiser und Wendell jedoch weniger Vorstöße. Stattdessen besetzte Leverkusen die offensiven Außenbahnen jeweils mit zwei Angreifern doppelt. Links waren es hauptsächlich Julian Brandt sowie der aus dem Zentrum nach vorn driftende Havertz; rechts attackierten Kevin Volland und Einwechselspieler Leon Bailey.

Fotostrecke: Bellarabi, Havertz und Co. spielen Werder schwindelig

Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen
Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen © dpa
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Auf ein kurzes Aufbäumen Werders, das in zwei schnell aufeinanderfolgende Treffer mündete, reagierte Leverkusen mit mehreren eigenen Toren. Für Bremens Untergang in der zweiten Halbzeit war eine Mischung aus individuellem Versagen, mannschaftstaktischer Inkompetenz und Pech verantwortlich. Dass die Konterabsicherung auch nach der taktischen Umstellung unzureichend wirkte, lag natürlich zum Teil am Torestand. Werder musste Risiko gehen und arbeitete gerade im Mittelfeld nicht immer konsequent zurück.

Wie ist das 2:6 zu bewerten?

Nun hinterlassen derartige Partien immer die Frage nach dem halbvollen oder halbleeren Wasserglas. Für das halbvolle sprechen unter anderem die gute Phase nach der Halbzeitpause sowie der Umstand, dass eine taktische Variante und nicht etwa ein mannschaftlicher Totalausfall für den 0:3-Rückstand sorgte.

Wer jedoch für das halbleere Glas argumentieren möchte, der kann darauf verweisen, dass die Bremer auch in der zweiten Halbzeit defensiv instabil blieben und gleichzeitig eine zuvor arg angeknockte Leverkusener Mannschaft Stück für Stück aufbauten. Zudem bleibt die Frage, was Kohfeldt mit seiner Entscheidung für ein 3-5-2 bewirken wollte. Was es auch war, es ging nicht auf.

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