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Werder Bremen mit Philipp Bargfrede (l.) wird sich am Samstag ein intensives Duell mit dem Hamburger SV um Andre Hahn liefern.

Vor dem 108. Nordderby

Teamvergleich: HSV punktet in der Abwehr – sonst dominiert Werder

Bremen - Werder Bremen gegen den Hamburger SV. Nordderby. Oder auch: das wichtigste Spiel des Jahres. Tobias Escher, Taktikexperte der DeichStube, vergleicht vor dem Spiel die Mannschaftsteile beider Teams. Wer hat wo einen Vorteil?

Werders Mittelfeld vs. Hamburgs Mittelfeld

Das Mittelfeld, das Herz des modernen Fußballs! Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte zuletzt in der Zentrale die Qual der Wahl. Sechser Philipp Bargfrede überzeugte als Abräumer vor der Abwehr, Maximilian Eggestein brillierte als lauffreudiger Lückenschließer. Thomas Delaney fehlt die Form etwas, der wiedergenesene Zlatko Junuzovic wäre eine Alternative. Egal, welche Variante Kohfeldt wählt: Bremen vereint im Mittelfeld Laufstärke mit Passgenauigkeit und defensiver Absicherung.

Das HSV-Mittelfeld hat keine dieser drei Eigenschaften vorzuweisen. Zuletzt agierte der HSV mit drei Mann im zentralen Mittelfeld, wobei sich Sejad Salihovic als Zehner leicht vor Walace und Gideon Jung positionierte. Dieses Dreier-Mittelfeld stand zwar gegen den Ball kompakt, setzte aber kaum Akzente nach vorne. Salihovic fehlt merklich die Geschwindigkeit, Walace und Jung die Übersicht im Spielaufbau.

Vorteil Werder – Stand 1:0

Werders linke Seite vs Hamburgs rechte Seite

Die linke Seite war zuletzt Werders Schokoladenseite. Hält Kohfeldt am 4-3-3-System fest, dürften Florian Kainz und Ludwig Augustinsson hier gesetzt sein. Kainz befindet sich in guter Form, bietet sich ständig auf links an und geht sofort ins Dribbling. Er erhält dabei Unterstützung durch den aufrückenden Augustinsson.

Der HSV wiederum ist auf dieser Seite verwundbar. Im Hamburger 5-3-2-System beackert nur ein Akteur den Flügel. Dennis Diekmeier war hier lange erste Wahl, zeigte sich aber in den vergangenen Monaten defensiv anfällig. Ersatzmann Gotoku Sakai verteidigt gewissenhafter, ihm fehlt jedoch der Zug nach vorne. .

Vorteil Werder – Stand 2:0

Werders rechte Seite vs. Hamburgs linke Seite

Die Bremer Angriffsstrategie in den vergangenen Wochen war von einer starken Asymmetrie geprägt. Auf links sollte Kainz das Spiel breit machen und an die Grundlinie vorstoßen. Auf rechts agierte wiederum mit Aron Johannsson ein gelernter Stürmer. Er zog – seinem Naturell als Strafraumstürmer entsprechend – häufig in die Mitte. Im Strafraum bot er sich als Abnehmer für Flanken an. Hinter ihm sichert Gebre Selassie ab.

Douglas Santos sichert beim HSV diese Seite. Vergangenes Wochenende ließ er sich vor dem Leverkusener Führungstor im eigenen Strafraum den Ball stibitzen. Es passt ins Bild: Hamburger Fans stempeln ihn bereits als Fehleinkauf ab. Doch wahr ist auch: Santos zeigt eine ansteigende Form, setzt als Außenverteidiger einer Fünferkette mehr offensive Akzente.

Für Werder spricht auf dieser Seite das Duell Johannsson gegen Rick van Drongelen. Der unerfahrene Jungspund wäre als halblinker Innenverteidiger für Johannsson zuständig. Er müsste im Kopfballspiel seine ganze Klasse aufbieten gegen den US-Amerikaner. Vielleicht ergibt es für Werder daher Sinn, das Spiel stärker über die linke Seite zu forcieren.

Kein Vorteil – Stand 2,5:0,5

Werders Sturm vs. HSV-Innenverteidigung

Diese Frage ist etwas verzwickt. Bremens Stürmer Max Kruse agiert nämlich keineswegs wie ein klassischer Stürmer. Er lässt sich häufig zurückfallen, bietet sich im Spielaufbau an, schafft Überzahlen auf dem Flügel. Das Duell mit den gegnerischen Innenverteidigern sucht Kruse eher selten.

Das ist gegen den HSV auch gut so: Das größte Plus der Mannschaft ist ihre Zweikampfstärke in der Verteidigung. Papadopoulos und Mergim Mavraj räumen im Eins-gegen-Eins alles ab, was es abzuräumen gibt. Dass Kruse sich aus ihrem Dunstkreis wegbewegt, könnte ein Vorteil sein: Gerade Papadopoulos lässt sich aus der Kette locken und öffnet dabei Lücken.

Einen Vorteil hat der HSV aber: die Kopfballstärke. Flanken könnten nur auf den zweiten Pfosten erfolgreich sein, Papadopoulos ist im Kopfballduell kaum zu schlagen. Die letzte Linie zu überwinden, wird also die wohl schwerste Aufgabe für Werder, gerade da zuletzt das Spiel in die Tiefe eine Schwachstelle war.

Vorteil HSV – Stand 2,5:1,5

Werders Innenverteidigung vs. Hamburgs Sturm

28 Gegentore in 23 Spielen: Die Defensive ist das große Prunkstück der Bremer. Einen großen Anteil daran hat das Mittelfeld, das durch enge Deckung die gegnerischen Sechser aus dem Spiel nimmt. Aber auch die Innenverteidiger verhindern, dass der Gegner durch das Zentrum gelangt. Niklas Moisander und Milos Veljkovic grätschen und köpfen nahezu jeden Ball weg, der ihnen entgegenkommt.

Die Hamburger Stürmer fallen in dieser Saison nicht durch Torgefahr auf. Filip Kostic ist mit vier Toren Top-Torjäger der Hanseaten. Unter dem neuen Trainer Bernd Hollerbach läuft er als zentraler Stürmer auf. Im Zentrum kommen seine Geschwindigkeit und sein Zug zum Tor besser zur Geltung. Jungstürmer Jann-Fiete Arp wiederum glänzt mit einer starken Technik.

Sie können an Moisander oder Veljkovic aber nur vorbeigelangen, wenn sie mit flachen Pässen aus dem Mittelfeld hinter die Abwehr geschickt werden. Verhindert Bremen diese, gibt es keinen Weg vorbei an der Bremer Innenverteidigung. Diese ist sowohl in der Luft als auch am Boden im direkten Zweikampf überlegen.

Vorteil Werder – Stand 3,5:1,5

Fazit: Vorteil Werder, dennoch enges Spiel

Bremen geht mit einem klaren Vorteil in das Spiel. Sie werden versuchen müssen, das Mittelfeld-Zentrum zu dominieren und über die linke Seite Nadelstiche zu setzen. Das dürfte sich als Geduldsaufgabe erweisen. Der HSV mauert sich unter Hollerbach ein und setzt voll auf Konter. Bremen muss früh das Bollwerk knacken. Sobald die Hamburger in Rückstand geraten und selbst das Spiel gestalten müssen, sind sie aufgeschmissen. Bislang konnte der HSV erst einen Punkt nach Rückstand holen. Klar ist daher auch: Je länger Bremen nicht trifft, umso zäher wird die Partie.

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