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Valerien Ismael wünscht sich im DFB-Pokal-Halbfinale seiner Ex-Clubs Werder und Bayern ein „komplett verrücktes Spiel“.

Ex-Profi über Werders Chancen gegen Bayern

Ismael im Interview: „Ohne Handbremse und volle Pulle“

Bremen – Werder Bremen gegen Bayern München – für Valerien Ismael (43) ist das kein Spiel wie jedes andere. Mit beiden Clubs gewann er das Double – 2004 mit den Bremern, 2006 mit den Bayern.

Vor dem DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch (20.45 Uhr) sprach der Ex-Profi und Trainer im Wartestand mit der DeichStube über die Bremer Chancen. Und trotz der 0:1-Niederlage bei den Bayern am Samstag sagt er ganz klar: „Die Bremer haben alles, um die Bayern schlagen zu können.“

0:1 in der Liga bei den Bayern verloren – wie war am Samstag Ihr Eindruck von der Bremer Mannschaft?

Werder war nicht so griffig wie in den Wochen zuvor. Das war nicht die gleiche Leistung. Ich will nicht sagen, dass es enttäuschend war, aber das war nicht das Werder Bremen, das wir mittlerweile gewohnt sind.

Was genau meinen Sie?

Als Zuschauer hast du gedacht: „Mensch, spielt doch befreiter, spielt doch mutiger!“ Das hat ein bisschen gefehlt, die letzten Prozente waren nicht da. Ich hatte gedacht, dass Werder mit den Serien, die sie zuletzt hingelegt haben, mit breiterer Brust auftreten würde. Aber es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es nicht so leicht ist, in München locker und befreit aufzutreten.

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Wird das Ergebnis Auswirkungen auf das Pokalspiel haben?

Ich erwarte eine ganz andere Bremer Mannschaft. Werder steht vor der Chance, ins Finale einzuziehen, hat die eigenen Fans im Rücken – das beflügelt garantiert und ist eine ganz andere Situation, als wenn man in München antreten muss. Ich sehe die Chance für Werder und hoffe, dass sie ein komplett verrücktes Spiel machen.

Sie haben den Faktor Heimrecht angesprochen und kennen das Weserstadion aus beiden Perspektiven – als Werder-Profi und als Gegner. Wie viel Power steckt aus Ihrer Sicht in den Bremer Fans?

Ich sage es mal so: Es gibt bestimmt angenehmere Aufgaben, als ein Halbfinale in Bremen spielen zu müssen. Wie ich die Bremer Fans kenne, wird es eine unglaubliche Stimmung sein im Weserstadion. Speziell wenn du am Ende als Spieler müde bist, wirst du nochmal nach vorne gepeitscht. Und nochmal und nochmal. Das kann ein entscheidender Faktor sein.

Am Samstag sind zwei Bremer Serien geplatzt: erstmals in der Rückrunde verloren, erstmals in der Saison ohne eigenes Tor geblieben.

Das ist zwar ärgerlich, ist aber kein Grund für einen Knacks. Im Gegenteil: Für Trainer Florian Kohfeldt ist das sogar eine Vorlage zur Vorbereitung auf das Halbfinale. Er kann der Mannschaft sagen: „Schaut her! Vorher haben wir so gespielt und gewonnen. In München haben wir nicht so gespielt und verloren. Also: Zurück zur eigentlichen Stärke.“ Das ist einfach aufzuarbeiten.

Was erwarten Sie demnach am Mittwoch?

Dass die Bremer aufs Tempo drücken, dass sie wieder ihr schnelles Spiel nach vorne zeigen. Dann haben wir eine offene Begegnung. Und dann glaube ich wirklich, dass Bremen eine Chance hat, ins Finale zu kommen. Der Knackpunkt wird sein, aus wenigen Möglichkeiten vor dem Tor viel zu machen.

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Zweimal Valerien Ismael, zweimal mit dem DFB-Pokal. 2004 gewann er den „Pott“ mit Werder Bremen, 2006 mit Bayern München.

In München gab es nicht eine einzige Bremer Chance zu notieren, das Torschussverhältnis lag bei 22:1 für die Bayern. Das sind doch keine Zahlen, die Mut machen.

Vielleicht waren die Bremer zu sehr auf Taktik, auf defensive Disziplin ausgerichtet. Aber ich will das gar nicht so negativ bewerten. Vielleicht hätte es ohne den Platzverweis (Milos Veljkovic flog nach 58 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz, d. Red.) sogar zu einem 0:0 gereicht, stabil waren die Bremer ja.

Trotzdem: 22:1 Torschüsse...

Dass du in München nicht alles verteidigen kannst, ist klar. Du brauchst auch Glück und einen super Torwart, um gegen die Bayern etwas zu holen. Aber ich sage: Die Bremer haben alles, um die Bayern am Mittwoch schlagen zu können. Es geht nur darum, die Handbremse zu lösen – und dann volle Pulle nach vorne.

Das geht nur mit einem fitten Max Kruse. Sein Einsatz ist wegen einer Oberschenkelprellung aber fraglich.

Sollte er ausfallen, wäre das sehr bitter. In der Raute ist er als der freie Mann sehr stark. Mit seinen Laufwegen und seiner Passqualität ist er ganz, ganz wichtig für die Mannschaft.

Werder kann noch über den Pokal oder über die Liga den internationalen Wettbewerb erreichen. Was nach Jahren des Abstiegskampfs eine steile Entwicklung wäre. Ist die Zeit wirklich schon reif für Europa?

Das kannst du dir nicht aussuchen. Wenn die Chance kommt, musst du sie ergreifen. Ich würde es als Riesenerfolg ansehen. Werder ist zudem ein Verein, der sich mit solchen Herausforderungen auskennt. Und ich sehe eine Mannschaft, die – wie wir damals – eine klare Identität hat. Offensiv spielen, an die eigene Stärke glauben, eigene Wege gehen – das ist etwas, was Werder auszeichnet.

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