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Kung Fu Theo: Gebre Selassie im Duell mit Erik Thommy.

VfB Stuttgart gegen Werder Bremen 

Beeindruckend gut trotz Niederlage

Stuttgart - Martin Harnik hatte sich das Trikot über den Kopf gezogen, Davy Klaassen die Hände in die Hüften gestemmt, direkt daneben: Theodor Gebre Selassie, auf allen Vieren kniend.

Kurz nach dem Schlusspfiff gab das Trio auf dem Rasen, nahe der Mittellinie, für einen Moment ein Bild des Scheiterns ab, was irgendwie so gar nicht zu Werders starkem Auftritt während des 1:2 (0:1) beim VfB Stuttgart passen sollte. Gut, die Bremer hatten das Spiel verloren und damit den zwischenzeitlichen Sprung an die Tabellenspitze verpasst, dabei allerdings eine Leistung gezeigt, die Trainer Florian Kohfeldt hinterher knackig zusammenfasste: „Einfach geil!“

Zwei „Entscheidungsfehler“

In Sachen Leidenschaft, Einsatz und Offensivdrang war der 35-Jährige rundum zufrieden mit seiner Mannschaft. Es hätte also ein perfekter Nachmittag werden können – hätte. Denn es gab sie eben doch, diese zwei „Entscheidungsfehler“, wie Kohfeldt es nannte, die seine Mannschaft letztlich um den Lohn gebracht hatten. Um den zwischenzeitlichen Sprung an die Tabellenspitze, um den vierten Auswärtssieg am Stück, um den 1000. Punkt auf des Gegners Rasen.

Der erste dieser Entscheidungsfehler ging auf das Konto von Milos Veljkovic, der in der 19. Minute zu spät aus der Abwehr herausrückte, um dann im Laufduell von Anastasios Donis abgehängt zu werden. Torhüter Jiri Pavlenka stürzte aus dem Tor, Donis zog vorbei - 1:0 für Stuttgart.

Ganz glücklich sieht Werder-Keeper Pavlenka nicht aus, wenn er rauskommt, muss er eigentlich auch den Ball kriegen.

Bitter: Auch bei Entscheidungsfehler zwei stand Veljkovic im Zentrum: In der 36. Minute riss er Daniel Didavi zum zweiten Mal an diesem Nachmittag um und sah dafür die zweite Gelbe, sprich Gelb-Rote Karte. „Das darf mir nicht passieren. Es tut mir leid für die Mannschaft“, sagte der 23-Jährige, der gegen Hertha BSC vier Tage zuvor noch Torschütze gewesen war. „Ich bin weit davon entfernt, über Milos den Stab zu brechen“, sagte Kohfeldt - und betonte: „Er muss jetzt einmal zuschauen, danach spielt er sofort wieder.“

Spielen - das hatte auch Werder in Stuttgart getan, bisweilen sehr beeindruckend sogar. Allein der wuselige Yuya Osako kam in den ersten neun Minuten dreimal zum Abschluss (3./5./9.), die Führung sprang dabei nicht heraus. Weitere Werder-Chancen in Hälfte eins: Max Kruse (18.) und vor allem Theodor Gebre Selassie, der sich fürs Flanken entschied, anstatt selbst aus guter Position abzuschließen (23.). „Wir haben super gespielt und hätten das Tor machen müssen“, haderte Davy Klaassen.

Fotostrecke: Verrücktes Werder-Spiel in Stuttgart

Ein freundlicher Handschlag unter Trainern: Tayfun Korkut und Florian Kohfeldt vor der Partie.
Ein freundlicher Handschlag unter Trainern: Tayfun Korkut und Florian Kohfeldt vor der Partie. © Gumz
In der 9. Minute flankt Kruse von links in den Stuttgarter Strafraum, Osako bringt die Pille im Sprung aus zehn Metern gut aufs Tor - Zieler faustet die Kugel weg.
In der 9. Minute flankt Kruse von links in den Stuttgarter Strafraum, Osako bringt die Pille im Sprung aus zehn Metern gut aufs Tor - Zieler faustet die Kugel weg. © Gumz
Eine Minute später verliert Veljkovic den Ball an Daidavi und reißt den Stuttgarter dann um - Gelb.
Eine Minute später verliert Veljkovic den Ball an Daidavi und reißt den Stuttgarter dann um - Gelb. © imago
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Dem ist nichts hinzuzufügen! © Gumz
Was für ein Ball von Didavi in die Gasse auf Donis. Der Angreifer eilt Veljkovic davon, geht am herauseilenden Pavlenka vorbei und vollendet ins leere Tor.
Was für ein Ball von Didavi in die Gasse auf Donis. Der Angreifer eilt Veljkovic davon, geht am herauseilenden Pavlenka vorbei und vollendet ins leere Tor. © imago
Ganz glücklich sieht Werder-Keeper Pavlenka nicht aus, wenn er rauskommt, muss er eigentlich auch den Ball kriegen.
Ganz glücklich sieht Werder-Keeper Pavlenka nicht aus, wenn er rauskommt, muss er eigentlich auch den Ball kriegen. © imago
Gelb-Rot in der 36. Minute: Didavi geht an Veljkovic vorbei und wird dann kurz vor dem Strafraum von dem Bremer zu Boden gerissen. So darf er natürlich nicht hingehen, wenn er schon Gelb hat. Konsequenz: Werder nur noch zu zehnt.
Gelb-Rot in der 36. Minute: Didavi geht an Veljkovic vorbei und wird dann kurz vor dem Strafraum von dem Bremer zu Boden gerissen. So darf er natürlich nicht hingehen, wenn er schon Gelb hat. Konsequenz: Werder nur noch zu zehnt. © imago
Trost von Coach Kohfeldt.
Trost von Coach Kohfeldt. © imago
Gebre Selassie im Duell mit Mario Gomez.
Gebre Selassie im Duell mit Mario Gomez. © imago
Max Kruse im Duell mit Timo Baumgartl.
Max Kruse im Duell mit Timo Baumgartl. © imago
68. Minute: Der Ausgleich - und was für ein kurioser! Sosa macht einen Einwurf auf Keeper Zieler, der lässt den Ball durchrutschen, berührt ihn aber leicht - das Leder trudelt ins eigene Tor.
68. Minute: Der Ausgleich - und was für ein kurioser! Sosa macht einen Einwurf auf Keeper Zieler, der lässt den Ball durchrutschen, berührt ihn aber leicht - das Leder trudelt ins eigene Tor. © imago
Hätte Zieler den Ball nicht mehr berührt, dann hätte der Treffer nicht gezählt. So ist die Freude bei Pizarro und Kruse groß. Zumindest bis zur...
Hätte Zieler den Ball nicht mehr berührt, dann hätte der Treffer nicht gezählt. So ist die Freude bei Pizarro und Kruse groß. Zumindest bis zur... © Gumz
...bis zur 75. Minute Castro trifft trocken ins linke Eck vom Bremer Tor.
...bis zur 75. Minute Castro trifft trocken ins linke Eck vom Bremer Tor. © imago
Gebre Selassie im Duell mit Erik Thommy.
Gebre Selassie im Duell mit Erik Thommy. © imago
Zufrieden sieht anders aus: Werder-Coach Florian Kohfeldt nach der Niederlage.
Zufrieden sieht anders aus: Werder-Coach Florian Kohfeldt nach der Niederlage. © imago

Ein Tor verbuchte Werder in Stuttgart dann auch, 69. Minute, und was für eines! Einwurf Borna Sosa, weit in der eigenen Hälfte, zurück zu Torhüter Ron-Robert Zieler. Eine Szene, so unspektakulär, dass Kohfeldt auf der anderen Seite schon überprüfte, ob seine Hintermannschaft richtig steht. „Ich Idiot habe nicht hingesehen und womöglich Bundesliga-Geschichte verpasst“, sagte er. Zieler war der Ball tatsächlich über den rechten Fuß gesprungen und danach ins Tor gerollt - 1:1! Kurzer Ausflug ins Regelwerk: Hätte der Schlussmann den Ball nicht berührt, hätte es Eckball für Werder gegeben.

Kohfeldt setzt alles auf eine Karte

Nach dem Ausgleich schien es zunächst nur eine Frage der Zeit, bis Werder das Spiel endgültig auf den Kopf stellen sollte. Die Bremer kombinierten sich in Unterzahl munter nach vorne. Dort traf der eingewechselte Claudio Pizarro aber ebenso nur den rechten Pfosten (72.), wie es Maximilian Eggestein bereits in der 58. Minute getan hatte. „Sehr bitter. Wir hatten das Spiel auch in Unterzahl in der Hand“, sagte Nuri Sahin.

Gelb-Rot in der 36. Minute: Didavi geht an Veljkovic vorbei und wird dann kurz vor dem Strafraum von dem Bremer zu Boden gerissen. So darf er natürlich nicht hingehen, wenn er schon Gelb hat. Konsequenz: Werder nur noch zu zehnt.

Kohfeldt setzte in der Schlussphase alles auf eine Karte, ließ alle Spieler extrem offensiv agieren - und wurde für den Mut nicht belohnt: Nach einem Sahin-Ballverlust erzielte Gonzalo Castro den 2:1-Endstand (75.). Danach rollten etliche Stuttgarter Konter auf das Bremer Tor zu – Pavlenka rettete mehrfach.

Werders Spieler gingen nach dem Spiel also als Verlierer zum Bus, die meisten aber mit einem Lächeln im Gesicht. „So lange ich in der Verantwortung stehe, werden wir immer diesen Spirit haben, offensiv zu spielen, um zu gewinnen“, sagte Kohfeldt, der das 1:2 von Stuttgart als „weiteren Schritt in einem positiven Prozess“ bezeichnete. Punkte brachte das dieses Mal nicht. Sah aber vielversprechend aus.

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