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Ein Mann. Eine Tribüne. Eine emotionale Verabschiedung.

Die besondere Rückkehr eines Werder-Profis

Nach dem Herzkino dankt Sahin nicht nur Dortmund

Der Mann mit den weißen Stutzen und der wärmenden schwarzen Jacke steht dort ganz allein. Mittig vor der Südtribüne, vor 25.000 Fans, eine ganze Mannschaft voller Herbstmeister in respektvollem Abstand hinter ihm. Und der Mann kämpft mit den Tränen.

Er applaudiert den Fans, die eigentlich nicht mehr seine sind. Die Fans applaudieren zurück. 25.000 sind es. Sie werfen ihre Liebe über den Zaun, und Nuri Sahin sammelt sie gerührt auf. Im Hintergrund klatschen auch die Spieler von Borussia Dortmund, die in diesen Minuten nicht ihren 2:1-Sieg über Werder Bremen, sondern ihren ehemaligen Kollegen feiern. Große Momente des Fußballs sind das im Signal Iduna-Park. Herzkino auf dem Rasen.

14 Jahre spielte Sahin für Dortmund

„Es gibt schlimmere Empfänge“, sagte Sahin später. Es ist ein zu schwacher Satz für das, was sich bei seiner Rückkehr an die alte und Ende August Hals über Kopf verlassene Wirkungsstätte an Verbundenheit und Freundschaft gezeigt hat. Schon vor der Partie war es ziemlich emotional gewesen. Als seine Werder-Kollegen nach dem Aufwärmen in die Kabine gingen, blieb Sahin in seinem „Wohnzimmer“ und wurde offiziell vom BVB verabschiedet. 14 Jahre hat er dort gespielt. Dafür gab es Blumen vom BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michel Zorc – inklusive inniger Umarmungen. Dann lief Sahin zur Südtribüne, die geschlossen „Nuri, Nuri“ skandierte. „Ich konnte das in dem Moment gar nicht richtig genießen, weil ich doch sofort zur Mannschaft in die Kabine musste“, berichtete Sahin: „Aber es war schon sehr, sehr schön.“

BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke umarmt vor der Partie Nuri Sahin.

Als er nach der Partie über seine ganz spezielle Rückkehr sprechen sollte, da begann er mit einem Dank an Florian Kohfeldt, seinem aktuellen Coach: „Ich bin ihm dankbar, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat.“ Das sei nach dem 3:1-Sieg gegen Düsseldorf eine Woche zuvor nicht selbstverständlich gewesen, schließlich hatte das ohne Sahin geklappt. Diesmal stand er in der Startelf. „Ich war nicht nervös“, meinte Sahin: „Aber es war schon anders als sonst.“

„Ich darf heute in Dortmund bleiben“

Mit seiner Leistung war er zufrieden. Von Kohfeldt gab es Lob für den Sechser: „Er hat das sehr gut gemacht.“ Wie gewünscht im Spielaufbau, aber eben auch in der Defensive. Es sei eine Mär, dass Sahin nicht so gut verteidigen könne, meinte Kohfeldt. Sahin würde sich nur wohler fühlen, wenn die Räume eng sind. Genau das probierte Werder, um die schnellen Dortmunder zu stoppen. Mit dem Tempo der Ex-Kollegen hatte auch Sahin so seine Probleme, beim zweiten Gegentreffer war ihm Marco Reus ein wenig im Rücken entwischt. Ausgerechnet Reus – sein guter Freund.

Nach der Partie düsten Sahin und Reus in die Dortmunder Nacht.

Nach den vielen Interviews hatte es Sahin eilig, Reus wartete nämlich draußen im Kleinbus. „Ich darf heute in Dortmund bleiben“, verriet Sahin und strahlte. Selbstverständlich ist das nicht, schließlich spielt Werder schon am Mittwoch wieder gegen Hoffenheim, da zählt in der Spielvorbereitung eigentlich jede Minute. Es war die nächste schöne Geste von Kohfeldt Richtung Sahin.

(Einzelkritik: Pavlenka mal wieder klasse)

Der 30-Jährige wird das zu würdigen wissen, sich weiter äußerst loyal verhalten, wenn er mal nicht spielt. Den Dortmunder Sieg bezeichnete er als verdient. „Mit etwas mehr Glück holen wir etwas“, sagte Sahin und forderte: „Durch diese Spiele müssen wir die Erfahrungen sammeln, um stabiler zu werden.“ Denn beim nächsten Mal möchte er sicher nicht nur Blumen mitnehmen. Im Februar steht im Pokal bereits das nächste Wiedersehen an gleicher Stätte an. Aber für derlei Gedanken blieb keine Zeit. Sahin düste mit Reus und ein paar weiteren Ex-Kollegen vom BVB in die Dortmunder Nacht. Dieser besondere Tag konnte für den einstigen Meister und Pokalsieger mit der Borussia einfach noch nicht vorbei sein.

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Sahin düste mit Reus in die Nacht: Björn Knips nach der Partie Werder vs. BVB

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