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Gladbach-Manager Max Eberl.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel in Gladbach

Gladbach-Manager Max Eberl im Interview: Werder macht Spaß!

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 28. Spieltag geht es um Borussia Mönchengladbach.

Gladbach-Manager Max Eberl im Interview

Geschäftsführer Max Eberl , seit 2008 in verantwortlicher Position tätig, analysiert die Lage.

Ist Gladbach nach der famosen Hinrunde ein wenig aus der Spur geraten?

Es fällt mir schwer, so ein pauschal negatives Urteil zu fällen. Wir haben natürlich in den letzten Heimspielen nicht die Ergebnisse gemacht, die wir wollten, drei Niederlagen einstecken müssen. Auswärts war das Spiel in Düsseldorf am letzten Wochenende gar nicht das, was wir uns vorstellen. Dafür Davor haben wir auswärts aber überzeugt und zehn Punkte aus vier Spielen geholt. Aktuell haben wir sechs Punkte weniger im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde, die überragend war. Aber klar ist auch: Wir müssen jetzt wieder ins Punkten kommen. Ich glaube, die Gegner haben sich auf uns eingestellt. Wir müssen daher gerade zuhause neue Lösungen finden.

Wäre das Scheitern an der Qualifikation für die Champions League eine große Enttäuschung?

Im Sommer haben wir uns neu aufgestellt nach der nicht so erfolgreichen letzten Halbserie zuvor. Ein großer Neustart in allen Belangen, sodass wir nicht wussten, was herauskommt. Das Resultat ist bisher insgesamt eine sehr gute Saison. Sollte es am Ende für Europa reichen, wäre dies großartig. Die Qualifikation für die Champions League wäre fantastisch und für uns gleichzusetzen mit einem Titelgewinn.

Zählt Werder zu den Überraschungen dieser Spielzeit?

Werder hat sich sehr spannend aufgestellt. Ich fand auch bemerkenswert, dass die Bremer diese offensive Zielsetzung Europa ausgegeben haben. Unter der neuen Erwartungshaltung hat die Elf in der Hinrunde möglicherweise ein wenig gelitten. Doch nun spielt Werder einen attraktiven Fußball, der Spaß bereitet und erfolgreich ist.

Was sagen Sie zum momentanen Zustand des deutschen Fußballs?

Unser Fußball hat immer noch einen hohen Stellenwert. Ich sehe keinen Zustand, der besorgniserregend ist, ich habe auch vor Wochen nicht alles negativ gesehen. Nun nach dem Erfolg der Nationalelf in den Niederlanden ist auch nicht alles himmelhochjauchzend. Doch wir haben eine gute Basis, ein großes Potenzial an Spielern, eine junge entwicklungsfähige Nationalmannschaft und eine wettbewerbsfähige U21. Der Sieg in Holland sollte als Triebfeder für die nächsten Wochen genutzt werden.

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So lief das Hinspiel Werder gegen Gladbach

Es markierte den Tiefpunkt in der Werder-Hinserie, dieses 1:3 gegen Mönchengladbach im Hinspiel, die dritte Niederlage in Serie. Gladbach gewann dank eines Dreierpacks durch Alassane Plea. Dieser sowie Kapitän Lars Stindl in seinem 250. Ligaspiel und Thorgan Hazard wirbelten die Werder-Abwehr durcheinander. Werder, mit Sahin und Harnik in der Startformation, verpasste dabei gute Möglichkeiten, selbst in Führung zu gehen. Nach dem Wechsel fielen dann die Tore für die Gäste. Sahins Tor machte Mut, doch Klaassen scheiterte zweimal, Kruse, Pizarro und Gebre Selassie nutzten Möglichkeiten nicht. Daten: Laufleistung 122,66 km für Werder, 121,67 km für Gladbach. Ballbesitz 54 Prozent für Werder zu 46 %, Zweikampfquote 46 % für Werder, 54 % Chancenverhältnis: 6:9.

Spruch von Dieter Hecking

„Klar, er hat viel Geld gekostet. Aber andere Spieler kosten auch viel Geld und schießen kein Tor.“

Trainer Dieter Hecking über den erfolgreichen Neuzugang Alassane Plea.

Gladbach-Trainer Dieter Hecking.

Nachgefragt bei Altmeister Uli Borowka

Uli Borowka spielte für beide Clubs – von 1981 bis 1987 für Gladbach, von 1987 bis 1996 für Werder. Der Ex-Nationalspieler (sechs Einsätze) vor dem Treffen seiner beide Lieblingsvereine:

„Gladbach hat eine grandiose Hinserie gespielt, sehr flexibel agiert und vor allem im eigene Stadion sensationelle Vorstellungen geboten. So hat sich die Mannschaft verdientermaßen an der Spitze etabliert. Doch im neuen Jahr ist irgendwie der Wurm drin. Ich verstehe den Leistungsabfall nicht. Die Elf hat einen riesigen Vorsprung verspielt und muss nun um die beinahe schon sichere Qualifikation für die Champions League bangen. Rätselhaft ist für mich vornehmlich der Einbruch zuhause. Glatte Niederlagen gegen Truppen wie die Berliner Hertha und Wolfsburg, wahrlich keine Übermannschaften. Insgesamt ist die Qualitäten der Teams von Platz 5 bis 15 schlechter geworden. Leider hat sich die Borussia diesem Trend in 2019 angeschlossen und muss jetzt um Europa noch zittern. Werder, mein zweiter Ex-Club, ist nicht chancenlos im Borussia-Park. Ich beobachte die sensationell gute Entwicklung der Mannschaft von Florian Kohfeldt. Es ist für mich eine offene Partie. Und es wird ein geiles Match, auf das ich mich freue.“

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Borussia Mönchengladbach im Form-Check

„Wir haben die Tür geöffnet, um etwas Großes zu erreichen“, meinte Dieter Hecking, als seine Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz stand. Der 2:0-Erfolg auf Schalke am 20. Spieltag hatte den Rheinländern diese komfortable Ausgangslage ermöglicht: Die Borussia an zweiter Stelle, punktgleich mit Titelverteidiger Bayern München. Fußball-Deutschland sprach von einem Dreikampf um die Meisterschaft. Doch von da an ging es bergab, vornehmlich in den Heimspielen. Drei Niederlagen in Heimspielen, so wurde die gute Ausgangsposition verspielt. Im einzelnen: 0:3 zuhause gegen Hertha, 1:1 in Frankfurt, 0:3 im Heimspiel gegen Wolfsburg, deftige 1:5-Pleite in den eigenen vier Wänden gegen die Bayern. Der 1:0-Sieg in Mainz ließ Hoffnung keimen, die Wende schien vollbracht. Doch eine Woche später die erneute Ernüchterung: ein 1:1-Unentscheiden im Borussen-Park gegen Freiburg. Zuletzt das niederschmetternde 1:3 im Derby in Düsseldorf. Borussia muss um die Qualifikation für die Königsklasse bangen, ja sogar um die Europa League. Der Trainer analysierte die Entwicklung. Dieter Hecking sprach von „einem Ritt auf der Rasierklinge“ und erkannte diese Schwäche: „Uns fehlt momentan die Leichtigkeit.“ So sieht es auch Tobias Strobl: „Uns fehlt die Durchschlagskraft und eine gewisse Leichtigkeit.“

Gladbacher Sturmschwäche

Hochgelobt ist dieser Mannschaftsteil. Prominente Namen stehen für die Offensive in Gladbach: Der Belgier Thorgan Hazard, der Bruder des in England spielenden Weltklassemanns Eden, der Franzose Alassane Plea, der Himmelsstürmer aus der Hinserie, sowie Lars Stindl, der deutsche Nationalspieler beispielsweise. Das Trio, das zuletzt häufig in der Anfangsformation stand. Auch auf der Bank finden sich namhafte Angreifer, die in jedem anderen Verein ganz gewiss einen Stammplatz hätten. Raffael, der seit 2013 am Niederrhein engagierte Brasilianer, der beim Test in Zwickau erstmals seit seinem Schlüsselbeinbruch am 15. Spieltag wieder von Beginn an spielte, hat sich zurückgemeldet, Eindrucksvoll, weil er an allen drei Treffern beteiligt gewesen ist. Patrick Herrmann, der nicht mehr so häufig berufen wird und daher mit einem Vereinswechsel liebäugelt, hat ebenfalls seine Qualitäten. Dazu noch Stürmer wie Ibrahim Traoré und der indes schon länger abfallende Josip Drmic. Alle Hochkaräter schwächeln momentan. Gladbachs Angriff ist zwar bemüht, bleibt indes harmlos und ohne Durchschlagskraft.

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Hecking verlässt die Borussia

Das kam überraschend: Trainer Dieter Hecking und die Borussia gehen nach der Saison getrennte Wege. Manager Max Eberl bezeichnete die Trennung von Hecking als „strategische Entscheidung.“ „Ich habe für den Klub eine Entscheidung für die Zukunft gefällt“, so Eberl.

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