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War als Profi sowohl für den SV Werder Bremen und die Borussia aus Mönchengladbach aktiv: Arie van Lent.

Gladbachs U23-Coach hat als Profi für Werder und die Fohlen einst für besondere Momente gesorgt

Van Lent und zwei legendäre Geschichten

Gladbach/Bremen – Es ist ein heißer Sommertag, mitten im Jahr 1993 – und Arie van Lent ist die gute Laune auf den ersten Blick anzusehen. Kerzengerade sitzt er da, zwischen Thorsten Legat und Frank Rost, mit einem Strahlen im Gesicht, das das der anderen 26 Männer auf dem Foto bei Weitem übertrifft.

Im Weserstadion hat Werder Bremen für ein ganz besonderes Mannschaftsfoto Aufstellung genommen – das Meistermotiv nach der Saison 1992/1993 entsteht.

Van Lent über Zeit beim SVW: „Ich musste um jeden Einsatz betteln“

Van Lent hat dabei einen durchaus prominenten Platz zugewiesen bekommen: Erste Reihe, nur einen Meter von der Schale entfernt – dabei hatte er auf dem Weg zum Titelgewinn sportlich gar keine Rolle gespielt. „Ich musste um jeden Einsatz betteln“, lacht van Lent heute, der in der Hinrunde damals nur zweimal eingewechselt wird, ehe ihn Werder im Winter bis Saisonende an den VfB Oldenburg verleiht. 

Deutscher Meister darf sich Arie van Lent trotzdem bis heute nennen. „Ich denke gerne an die Zeit in Bremen zurück“, betont der Ex-Profi, der seit 2015 als U23-Trainer von Werders kommendem Gegner Borussia Mönchengladbach arbeitet – und dem Spiel am Sonntag entsprechend entgegenfiebert.

Arie van Lent absolvierte insgesamt 32 Bundesliga-Spiele für den SV Werder Bremen.

„Das wird ein hochinteressantes Duell“, sagt der gebürtige Niederländer, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. „Wir haben von den vergangenen sieben Spielen nur eins gewonnen, spielen jetzt zu Hause und wollen unbedingt mal wieder siegen. Werder ist aber in einer sehr guten Phase.“ 

Van Lent ist während des Gesprächs durchaus anzumerken, dass er hin- und hergerissen ist: Auf der einen Seite die guten Erinnerungen an Bremen, auf der anderen aber auch die an seine aktive Laufbahn in Gladbach, wo ihm der Durchbruch in der Bundesliga gelang. Zwei Clubs, in denen der Stürmer gleichermaßen beliebt war und ist. Schließlich hat er sowohl Werder als auch Gladbach jeweils eine ganz besondere Anekdote beschert.

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Am 9. Mai 1997 war es, Heimspiel gegen Köln, da traf van Lent im Werder-Trikot vier Mal – ein Mal ins eigene und danach noch drei Mal ins gegnerische Tor. Bis heute einmalig in der Bundesliga. „Das werde ich nie vergessen“, sagt der 48-Jährige, „es war mein bestes Spiel für Werder.“ Am Ende steht ein denkwürdiger 3:2-Sieg. Auch danach kommt der Angreifer allerdings nicht über die Rolle als Ersatzmann hinaus. Deshalb 1998 der Wechsel nach Fürth. Ein Jahr später geht es weiter nach Gladbach, wo van Lent in der Saison 2001/2002 die nächste kuriose Geschichte schreibt.

Als Gladbach am 5. Februar 2002 den Erzrivalen aus Köln empfängt, hat der Stürmer seit 103 Tagen kein Tor mehr am Bökelberg erzielt. Zum Glück hatte er am Tag vor dem Duell ein besonders wichtiges Paket bekommen. Inhalt: Seine alten Fußballschuhe, die der Verein einst für einen guten Zweck versteigert hatte. 

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Van Lents Schuhmärchen

„Da hatte ein Fan unheimlich viel Mitleid mit mir und hat sie zurückgeschickt“, schmunzelt van Lent, der die alten Treter (Größe 42, Marke Reebok) damals sofort wieder anzog – und beim 4:0 gegen Köln drei Tore schoss. „Heute stehen die Schuhe im Vereinsmuseum, das bald eröffnet wird“, sagt van Lent, dessen Spieler in der U23 das Schuh-Märchen in- und auswendig kennen dürften. Es ist schließlich Vereinsfolklore.

Generell hat der Trainer am Niederrhein längst sein Glück gefunden – auf den Posten als Chefcoach, den Dieter Hecking im Sommer abgibt, schielt er allerdings nicht: „Ich fühle mich mit meiner Aufgabe sehr wohl.“ Eines Tages in der Bundesliga zu trainieren, diese Vorstellung reizt den Fußballlehrer van Lent aber schon. Und wer weiß, vielleicht schreibt er ja irgendwann auch als Trainer wieder eine dieser kuriosen Geschichten.

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