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Florian Kohfeldt peitschte seine Jungs immer wieder nach vorne.

DFB-Pokal-Spiel Werder Bremen gegen FC Bayern

Mit offenem Visier: Wieso Werder fast ins Pokal-Finale einzog - die Taktik-Analyse

Taktieren? Diesmal nicht! Florian Kohfeldt schickte gegen die Bayern eine offensive Elf auf das Feld. Wieso das über weite Strecken funktionierte und wieso der Rekordmeister am Ende eine Spur zu clever war für Werder, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Tief stehen und auf das Beste hoffen: Diese Strategie wählen die meisten Außenseiter gegen den FC Bayern. Nicht so Florian Kohfeldt. Nachdem Werder bereits bei der 0:1-Niederlage in der Liga gegen die Bayern recht offensiv auftrat, legte Kohfeldt beim Pokal-Halbfinale noch eine Schippe drauf. Zurückhaltung? Keine Spur!

Raute und hohes Pressing

Im Vergleich zum Spiel am vergangenen Samstag rückte Yuya Osako in die Startelf für den gesperrten Nuri Sahin. Kohfeldt stellte seine Mannschaft damit offensiv um: Osako rückte auf Kruses Position im Sturm, der wiederum agierte als Zehner. Bremen spielte also in einer waschechten Raute. Diese offensive Variante bevorzugt Kohfeldt, gegen Top-Teams wagte er es jedoch bisher selten, sie einzusetzen.

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Das war an diesem Abend anders. Kohfeldt wollte den Bayern gar nicht erst die Dominanz über das Spiel überlassen. Seine Mannschaft rückte weit vor, störte die Bayern früh. Gegnerische Abstöße wurden über eine enge Manndeckung zugestellt, die Bayern sollten zu langen Bällen gezwungen werden. Auch bei Ballbesitz rückte Werder aggressiv vor. Vor allem die Achter Davy Klaassen und Kevin Möhwald sollten sich vor dem Ball positionieren, sobald sich Max Kruse zurückfallen ließ.

Tiefe Außenverteidiger gegen Bayerns Flügelflitzer

Nur auf einer Position agierten die Bremer ungewohnt konservativ: Die Außenverteidiger Ludwig Augustinsson und Theodor Gebre Selassie schalteten sich nur selten in die Offensive ein. Normalerweise sollen sie für Breite sorgen im letzten Drittel. Diese Aufgabe übernahmen nun die ausweichenden Stürmer oder die auf die Flügel rückenden Achter.

Augustinsson und Selassie sollten vielmehr darauf achten, dass Serge Gnabry und Kingsley Coman nicht zur Entfaltung kommen. Diese sind die größte Waffe im Münchner 4-2-3-1-System. Auch im Pressing hielten sich Bremens Außenverteidiger zurück. Münchens Außenverteidiger wurden stattdessen durch die nach Außen rückenden Klaassen und Möhwald attackiert.

Chancen auf beiden Seiten

Die Bayern brauchten einige Zeit, um sich eine Antwort zurechtzulegen auf das überraschend hohe Pressing der Bremer. Erfolg hatten sie vor allem, wenn sie die Rolle der Bremer Achter im Pressing ausnutzten: Sobald Bayerns Rechtsverteidiger Joshua Kimmich Klaassen umspielte, fand er große Räume vor sich. Kimmich nutzte diese für diagonale Dribblings ins freie Zentrum.

Die Grafik zeigt den Raum, in den Joshua Kimmich nach der Pause immer wieder gedribbelt ist.

Entscheidend für das Offensivspiel der Bayern war indes Thomas Müller. Normalerweise bevorzugt der Zehner das Ausweichen auf die rechte Seite. Gegen Bremen wechselte er häufig auf die halblinke Seite und suchte das Zusammenspiel mit Linksaußen Coman. Sobald die Beiden eine Überzahl auf links schufen, bekam Werder Probleme.

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Doch auch die Bremer konnten sich in den ersten sechzig Minuten Torchancen erarbeiten. Ihre besten Möglichkeiten leiteten die Bremer über die Flügel ein. Sobald sie in den Raum hinter Kimmich oder David Alaba gelangten, spielten die Bremer ihre Angriffe schnell zu Ende. Dass es nach 63 Minuten 2:0 für die Bayern stand, lag schlicht an ihrer höheren individuellen Klasse vor dem Tor.

Bremen wirft alles nach vorne

Angesichts des 0:2-Rückstandes hatte Bremen nichts mehr zu verlieren. Kohfeldt warf nun alles nach vorne. Er stellte sein taktisches System zunächst nicht um. Nach der Einwechslung von Claudio Pizarro (65., für Möhwald) waren die Positionen der Raute jedoch enorm offensiv besetzt. So wechselten sich Osako und Pizarro (!) als Achter im Mittelfeld ab.

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DFB-Pokal-Halbfinale: Werder Bremen gegen FC Bayern München
DFB-Pokal-Halbfinale: Werder Bremen gegen FC Bayern München © gumzmedia
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DFB-Pokal-Halbfinale: Werder Bremen gegen FC Bayern München © imago images / Matthias Koch
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DFB-Pokal-Halbfinale: Werder Bremen gegen FC Bayern München © imago images / MIS

Die Bayern verpassten in dieser Phase, den Druck auf Bremens Abwehrreihe zu erhöhen. Diese konnten den Ball ungestört nach vorne tragen. Vorne wiederum hatte Bremen dank seiner offensiven Aufstellung zahlreiche Anspielmöglichkeiten. Mit Wucht, Finesse und einer kleinen Portion Glück drehte Bremen die Partie zu einem 2:2 (75.).

Ehe der Jubel abgeklungen war, erzielte Robert Lewandowski nach einem umstrittenen Strafstoß das 3:2 (80.). Kohfeldt stellte auf totale Defensive um: Mit Martin Harnik (81., für Augustinsson) brachte er einen weiteren Stürmer. Rashica übernahm zeitweise die Linksverteidiger-Position, doch auch ihn hielt nichts mehr hinten.

Am Ende Bayern zu clever

Diesmal reagierten die Bayern cleverer auf den Bremer Sturmlauf. Sie ließen sich nicht weit fallen, sondern hielten den Druck hoch. Gerade Leon Goretzka stabilisierte nun das Mittelfeld. Er war nach der Einwechslung von James Rodriguez (76., für Thiago) auf die Doppelsechs gerückt und stieß von hier nach vorne. Bremen konnte keine sauberen Bälle mehr in die Bayern-Hälfte spielen. Wenn der Rekordmeister am Ball war, verschleppte er routiniert das Tempo.

So bleibt aus Bremer Sicht am Ende nur das Lob für eine starke Leistung und die Wut auf den Schiedsrichter. Beinahe wäre Bremens offensive Herangehensweise gegen die Bayern belohnt worden. Sie bewiesen der Bundesliga aber zugleich: Will man gegen die Bayern bestehen, muss man sich nicht am eigenen Strafraum verbarrikadieren. Kohfeldt blieb sich treu – und brachte gerade dadurch Werder beinahe ins Pokal-Finale.

Im Juni wurde wild spekuliert, was Arjen Robben in Bremen macht. Ein Wechsel zu Werder wird es nicht geben. Er war auf Durchreise von Groningen nach München.

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