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Ludwig Augustinsson ersparte Werder mit seinem Treffer die vierte Niederlage in Serie. 

Nach Remis in Freiburg

Eine Prise Entspannung vor dem Endspurt

Freiburg - Ludwig Augustinsson war nicht unbedingt anzusehen, dass er wenige Augenblicke zuvor zum Mann des Tages geworden war. Abgekämpft sah er aus, die sonst so adrette Frisur etwas außer Form geraten, beim Sprechen stemmte er die Hände in die Hüften. „Wir mussten sehr hart arbeiten, es war ein verrücktes Spiel“, sagte Werders Linksverteidiger.

Augustinsson hatte seiner Mannschaft beim SC Freiburg durch ein Tor in der Nachspielzeit einen Punkt gerettet. Grund zur bedingungslosen Zufriedenheit war das für den Schweden nicht. Augustinsson blieb sachlich, betonte die Wichtigkeit des Punktgewinns, aber auch, dass sich Werder eigentlich deutlich mehr vorgenommen hatte. Es waren wohlüberlegte Sätze, inhaltlich absolut nachvollziehbar, wie immer, wenn sich Augustinsson äußert. Und dennoch machten sie deutlich, dass die richtige Einordnung dieses 1:1 von Freiburg nicht so einfach ist.

Ludwig Augustinsson: Seine Karriere in Bildern

Ludwig Augustinsson
Der erste Werder-Neuzugang der Saison 2017/18: Ludwig Augustinsson kam im Sommer vom FC Kopenhagen an die Weser. © imago
Der Linksverteidiger machte früh auf sich aufmerksam. Bereits im Alter von 17 Jahren wechselte Augustinsson im Januar 2012 vom schwedischen Zweitligist IF Brommapojkarna zum Erstligist IFK Göteborg. © imago
Ludwig Augustinsson
Nur ein Jahr später unterschrieb er bei Champions-League-Teilnehmer FC Kopenhagen. In Dänemark machte Augustinsson erneut einen großen Sprung und spielte sich schnell zu einer festen Größe. © imago
Ludwig Augustinsson
Sein Debüt in der schwedischen A-Nationalmannschaft gab er am 15. Januar 2015 beim 2:0-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Bisher kam Augustinsson sechsmal zum Einsatz und nahm an der EM 2016 teil. © imago/Bildbyran
Ludwig Augustinsson
Auf dem Platz stand er dort allerdings nicht. Gegen Zlatan Ibrahimovic und Co. konnte sich Augustinsson noch nicht durchsetzen. © imago
Ludwig Augustinsson
In den Jugendnationalmannschaften spielte der Linksverteidiger allerdings schon eine wichtige Rolle. Sein wohl wichtigstes Tor in seiner bisherigen Laufbahn: Der Treffer zum 3:2 im Elfmeterschießen des Finalspiels der U21-EM 2015. Schweden gewann am Ende mit 4:3 gegen Portugal. © imago
Ludwig Augustinsson
Es war bisher Augustinsson größter Triumph - aber nicht sein einziger. © imago
Ludwig Augustinsson
Mit seinem Club aus Kopenhagen gewann er zuletzt zweimal in Folge den dänischen Pokal und wurde dänischer Meister - zusammen mit seinem damaligen und heutigen Teamkollegen Thomas Delaney (Mitte). © imago
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson ist schnell bei Werder Bremen angekommen - und war von Minute eins an auf dem Weg zum Fan-Liebling. © Gumz
Ludwig Augustinsson
Er gehörte bei Werder schnell zum Stammpersonal. © Gumz
Ludwig Augustinsson
Geschafft! Mit der schwedischen Nationalmannschaft feierte Augustinsson im November 2017 den Einzug in die WM-Endrunde 2018 in Russland. © imago
Durch gute Leistungen ist es Ludwig Augustinsson gelungen, die linke Abwehrseite in der Saison 2017/18 abzusichern.
Durch gute Leistungen ist es Ludwig Augustinsson gelungen, die linke Abwehrseite in der Saison 2017/18 abzusichern. © gumzmedia
Am 22. Spieltag konnte Augustinsson gegen den VfL Wolfsburg seinen ersten Treffer für Werder Bremen feiern.
Am 22. Spieltag konnte Augustinsson gegen den VfL Wolfsburg seinen ersten Treffer für Werder Bremen feiern. © gumzmedia
Bei der WM 2018 in Russland erzielte Augustinsson im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko seinen ersten Treffer für Schweden. Es war der Türöffner ins Achtelfinale. Schließlich ging es sogar bis ins Viertelfinale.
Bei der WM 2018 in Russland erzielte Augustinsson im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko seinen ersten Treffer für Schweden. Es war der Türöffner ins Achtelfinale. Schließlich ging es sogar bis ins Viertelfinale. © imago

Zunächst einmal ist es Werder gelungen, die Negativserie zu stoppen. Nach den Niederlagen gegen Leverkusen (2:6), Mainz (1:2) und Gladbach (1:3) ist keine weitere hinzugekommen, wodurch das in der Fußballersprache ebenso schnell verwendete wie unbeliebte Wort „Krise“ wieder ein ordentliches Stück von Werder weggerückt ist. 

Freiburg erweist sich als hartes Pflaster

1:1 in Freiburg – nur mal zum Vergleich: Gladbach hat dort mit 1:3 verloren, Schalke mit 0:1, und Leverkusen musste sich ebenfalls mit einem Remis begnügen. „Ein Punkt in Freiburg ist nicht das Schlechteste“, hielt Werder-Trainer Florian Kohfeldt fest, „hier zu spielen, ist super schwer“. Es war eine Feststellung, die keinen Widerspruch zulässt, denn auch gegen Werder hatten die von Christian Streich trainierten Freiburger bewiesen, dass sie mehr sein können als ein Abstiegskandidat.

Und doch war der gute Auftritt der Hausherren am Ende nur die halbe Geschichte des Spiels. Die andere handelte von Bremern, die lange brauchten, um in Tritt zu kommen, die dann eine bessere Phasen, am Ende aber vor allem auch Glück hatten. Stichwort: Pavlenkas Paraden, Stichwort: Tor in der Nachspielzeit.

Einzelkritik: Ohne Pavlenka wäre Werder untergegangen

Werder wird an forscher Zielsetzung gemessen

Nun gehört es zu Werders Rhetorik in dieser Saison, Ziele forsch zu formulieren, mutig aufzutreten, ein neues Selbstverständnis zu leben. Das haben alle Verantwortlichen vom ersten Tag an getan, es war und ist erfrischend, hat den Verein – gepaart mit den guten Leistungen vom Saisonstart – wieder attraktiv gemacht. Es hat aber auch dafür gesorgt, dass Ansprüche wachsen, dass plötzlich Fragen kommen, ob ein 1:1 in Freiburg mit Ausgleichstreffer kurz vor Schluss denn genug ist, um sich am Ende fürs internationale Geschäft zu qualifizieren.

Seriös beantworten lässt sich das nicht. Werders Leistung ließ jedenfalls Zweifel daran aufkommen. Und dennoch könnte dieses Freiburg-Spiel mit dem glücklichen Ausgang noch ganz wichtig werden. Eine vierte Niederlage in Folge wäre für Kohfeldt nur sehr schwer zu erklären gewesen, das hat der Trainer am Sonntagabend selbst gesagt. 

Fotostrecke: Waldschmidts Elfmeter und Augustinssons Last-Minute-Tor

Werder Bremen gegen den SC Freiburg
Werder Bremen gegen den SC Freiburg © dpa
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Werder Bremen gegen den SC Freiburg © gumzmedia
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Dieses Augustinssons-Tor hat also Druck genommen, auch wenn es nur einen Punkt wert war – den war es immerhin wert. Ganz zu schweigen davon, dass ein spätes Erfolgserlebnis schon so mancher Mannschaft Selbstvertrauen zurückgegeben hat, das zuvor auf welche Weise auch immer verloren gegangen war. „Die Moral stimmt in der Mannschaft“, betonte Sportchef Frank Baumann. „Dass wir ein sehr unangenehmes Auswärtsspiel noch gedreht haben, macht Mut für die nächsten Wochen.“ Schaden kann das sicher nicht mit Blick auf das Hinrunden-Restprogramm.

Werder hat vor den Duellen gegen Bayern, Düsseldorf, Dortmund, Hoffenheim und Leipzig nun 18 Punkte auf dem Konto und ist Siebter, was vollkommen in Ordnung ist. „Wenn wir im Winter immer noch auf Schlagdistanz zu diesen Tabellenplätzen liegen, ist alles top“, sagte Kohfeldt und verwies zurecht auf die nach wie vor gute Ausgangslage seiner Mannschaft. Der Trainer dürfte aber auch wissen, dass spielerisch wieder mehr kommen muss, um vor Weihnachten nicht abzurutschen. Späte Ausgleichstreffer fallen nicht in jedem Spiel.

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