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Florian Kohfeldt gab am Spielfeldrand alles, um seiner Mannschaft zu helfen.

Werder-Trainer: „Ich muss jetzt bei mir bleiben“

Kohfeldt kämpft für seine Fußball-Idee

Bremen - Er hatte am Spielfeldrand so sehr mit den Armen gerudert, dass er beinahe abgehoben wäre. Florian Kohfeldt kämpfte auch körperlich mit seiner Mannschaft darum, die dritte Bundesliga-Pleite in Folge zu verhindern. Vergeblich! Der SV Werder verlor daheim gegen Borussia Mönchengladbach mit 1:3 (0:1) – und Kohfeldt musste seine erste Ergebniskrise als Chefcoach moderieren.

Es war sein nächster Kampf, denn es geht um seine Idee vom Fußball. Der 36-Jährige braucht das Vertrauen seiner Mannschaft und bedingt auch das der Öffentlichkeit, um den mutigen Weg weiterzugehen. Er wählte dafür einen ruhigen Ton, trat in der Medienrunde ganz anders auf als noch am Spielfeldrand. „Übertriebene Emotionen bringen jetzt nichts“, erklärte Kohfeldt. Das gelte auch für den Umgang mit den Spielern. Er habe zwar die Mannschaft nach dem Spiel in der Kabine zusammengetrommelt, aber es folgte keine Strafpredigt, sondern eher etwas Aufmunterung, bevor sich die Nationalspieler auf den Weg zu ihren Teams machen.

Es ist wieder Länderspielpause – und diesmal kommt sie aus Kohfeldts Sicht zur richtigen Zeit. „Das klingt vielleicht jetzt etwas unpopulär. Aber wir können einfach mal durchatmen, uns auch mal ablenken.“ Natürlich trainieren die Nicht-Nationalspieler in Bremen, aber die große Analyse der Talfahrt, die Werder aus der Spitzengruppe auf Platz sieben rutschen ließ, wird es erst in der Woche vor dem Spiel am Sonntag, 25. November, in Freiburg geben.

Kohfeldt: „Wir dürfen unseren Weg nicht verlassen“

Selbst ein Workaholic wie Kohfeldt will sich mal ein wenig zurücknehmen, wie er ankündigte. „Wenn ich jetzt zweifeln, mich verrückt machen und nur noch den Kopf zermartern würde, würde das nichts bringen“, betonte der Coach und forderte von sich selbst: „Ich muss jetzt bei mir bleiben.“

Genauso wenig, wie er sich verändern will, genauso wenig soll es seine Mannschaft machen. Mehr noch! „Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir zusammenbleiben müssen, in der wir hinter unserer Idee stehen müssen. Wir dürfen unseren Weg nicht verlassen.“ Das Spiel gegen Gladbach machte ihm trotz des Ergebnisses dabei sogar Mut. „Wir hatten gute Möglichkeiten, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken – und das nicht durch Zufall, sondern durch Fußball“, hob Kohfeldt hervor – und nicht nur das: „Das war der Tabellenzweite, ein exzellent besetzter Gegner mit einer super Idee vom Fußball.“

Einzelkritik: Kruse keine Hilfe bei der Aufholjagd

Und in der Tat war es vor der Pause ein Spiel auf Augenhöhe. Werder hatte es gut hinbekommen, die starke Gladbacher Offensive in Schach zu halten und sich selbst sogar die besseren Chancen zu erarbeiten. Allerdings ohne Ertrag. „Wir müssen Tore machen“, ärgerte sich Kohfeldt über die fehlende Effektivität. Die auf der anderen Seite dann ein Alassane Plea in beeindruckender Manier an den Tag legte – mit freundlicher Unterstützung der Bremer. Beim 0:1 (39.) bekam erst Max Kruse den Ball nach einer Ecke nicht geklärt, dann ließen sich Davy Klaassen und Martin Harnik von Plea düpieren. Beim 0:2 reichte den Gladbachern eine simple Ecken-Variante, um die Bremer Abwehr ganz alt aussehen und Plea erneut jubeln zu lassen (48.).

„Du kannst spielen, wie du willst. Wenn du zu viele einfache Fehler machst, verlierst du“, monierte Kohfeldt und sprach von einem Aufmerksamkeitsproblem: „Wir müssen Situationen, die scheinbar klein sind, besser verteidigen.“ Das sei aber definitiv keine Frage der Einstellung. „Wir waren alle gallig genug“, versicherte der Coach: „Aber solche Momente dürfen wir nicht zulassen, die killen uns.“

Taktik-Analyse: Kohfeldts Plan war gut - Plea war besser

Kohfeldt hält am Ziel Europa fest

Weil Plea per Konter prompt auch noch das 3:0 besorgte (52.), schien die Partie früh entschieden. Doch der SV Werder gab nicht auf, zeigte beim 1:3 von Nuri Sahin seine ganze Klasse (59.). Der erste Treffer des Ex-Dortmunders im Werder-Dress war von Johannes Eggestein und Ludwig Augustinsson perfekt vorbereitet worden. Sekunden später bediente Klaassen ebenso gut Kruse, der völlig frei am Tor vorbeiköpfte. Futsch war sie, die Chance zur Wende.

Kruse ist eben nicht Plea, der in dieser Saison schon acht Tore erzielt hat. „Natürlich würde ich mir einen Spieler wünschen, der seine zehn, 15 Tore macht“, sagte Kohfeldt, haderte deshalb aber nicht. Es sei ihm schon vor der Saison klar gewesen, dass andere Teams – wie eben auch Gladbach – eine höhere individuelle Qualität besäßen. Dennoch sei das Ziel Europa ausgegeben worden. „Daran halten wir auch fest“, sagte Kohfeldt: „Wir können das über das Kollektiv schaffen, aber auch nur über das Kollektiv!“

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