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Aaron Hunt bringt es auf stolze 293 Bundesligaspiele.

Vor dem 108. Nordderby

Aaron Hunt: „Die Angst ist in unseren Köpfen“

Hamburg – Aaron Hunt ist in diesen Tagen ein gefragter Mann, wie eigentlich immer, wenn das Spiel seines ehemaligen gegen seinen aktuellen Verein kurz bevorsteht: Werder Bremen gegen Hamburger SV, Nordderby. Zum 108. Mal treffen die Erzrivalen am Samstag in der Bundesliga aufeinander.

Es ist wieder mal ein Krisengipfel, und für Hunt wieder ein Spiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Insgesamt 13 Jahre trug er das Werder-Trikot, ehe ihn sein Weg über die Station VfL Wolfsburg im Sommer 2015 zum HSV führte. „Das Derby hat immer besondere Brisanz“, erklärt Hunt, „für mich natürlich noch einen Tick mehr.“ Der Bremer Jüngling von einst tritt zum vierten Mal gegen Werder an – dieses Mal endgültig in komplett konträrer Rolle, nämlich als Anführer und Routinier des Hamburger SV.

Insgesamt 293 Bundesligaspiele

Sehad Salihovic (33) ist ein Jahr älter als Hunt, Mergim Mavraj (31) ein paar Monate – Position drei in der Hamburger „Leitwolf-Hierarchie“ bekleidet aber schon der Ex-Bremer, der es mit seinen 31 Jahren auf stolze 293 Bundesligaspiele bringt. Kein aktueller HSV-Profi hat mehr. „Ich bin ja schon ewig in der Bundesliga“, setzt Hunt an, um zu unterstreichen, dass er sich als Führungsspieler sieht, auf den es im Abstiegskampf ganz besonders ankommt. „Ich möchte meine Erfahrung einbringen und der Mannschaft damit helfen.“ Bei Werder war Hunt stets der Adjutant von Mittelfeldgrößen wie Johan Micoud, Diego und Torsten Frings. Ein Talent, dem viele eine große Zukunft zutrauten. Beim HSV ist er heute der Mann, der dafür sorgen soll, dass der ganze Verein eine Zukunft hat. „Es kommt jetzt auf uns Spieler an“, betont er, „diejenigen, denen der HSV angeblich so am Herzen liegt, werden uns auf dem Platz nicht helfen.“

13 Jahre lang trug Aaron Hunt das Werder-Trikot.

Seit zehn Spielen haben die Hamburger in der Bundesliga nicht mehr gewonnen. Ausgerechnet beim Erzrivalen Werder soll sich das am Samstag ändern. „Das Spiel kommt für uns zur richtigen Zeit“, sagt Hunt. Die Mannschaft könne vieles wieder geraderücken. Angesichts der großen Unruhe im Umfeld muss sie das wohl auch. „Ich kann den Unmut der Fans im Großen und Ganzen verstehen. Wir können die Antwort darauf nur auf dem Platz geben“, fordert Hunt, der vor allem mit seinen jüngeren Kollegen viel spricht in diesen Tagen.

„Ob die Fans pfeifen oder nicht interessiert mich nicht“

„Es ist schon so, dass die Situation den einen oder anderen belastet“, berichtet er – und hält fest: „Die Abstiegsangst ist in unseren Köpfen, das ist doch ganz normal.“ Wenn der Schiedsrichter das Nordderby am Samstag um 18.30 Uhr anpfeift, wollen Hunt und seine Mitspieler das ausblenden. „Werder hatte in den letzten Wochen zwar die besseren Ergebnisse, aber wenn das Spiel läuft, interessiert das keinen mehr.“ Gut möglich, dass es so kommt. Als sicher gilt schon jetzt, dass Hunt nicht gerade freundlich im Weserstadion begrüßt werden wird. „Ob die Fans pfeifen oder nicht interessiert mich nicht“, sagt er. „Ich komme mit meiner Mannschaft nach Bremen, um das Spiel zu gewinnen.“ Es war ein prägnanter Schlusssatz, eine Aussage, die zeigt: Zumindest rhetorisch ist Aaron Hunt in der Rolle des Leitwolfs angekommen.

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