+
Schiedsrichter Felix Zwayer (re.) hatte im Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV viel zu tun.

Nach Werders 1:0-Sieg gegen den HSV

Zwei Hamburger Wutreden, Zwayer klärt auf 

Bremen - 90 Minuten Fußball, und am Ende ging es doch nur um eine Frage: War es nun Abseits oder nicht?

Zugegeben: Allen, die es mit Werder Bremen halten, dürfte die Antwort ziemlich egal sein. Schließlich ließ Schiedsrichter Felix Zwayer das Spiel in der 86. Minute laufen, sodass Ishak Belfodil in Richtung Ball grätschen konnte und der Hamburger Rick van Drongelen ihn letztlich über die eigene Torlinie bugsierte. Werder brachte diese Szene den wichtigen 1:0-Derbysieg. Und beim HSV brachte diese Szene alle in Rage.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen setzte am „Sky“-Mikrofon zu einer wahren Wutrede an. „Jeder, der mal ein bisschen Fußball gespielt hat, sieht, dass es Abseits war“, wetterte der 69-Jährige und fragte bezogen auf das Nichteingreifen des Video-Schiedsrichters in Köln: „Was sind das für Leute, die da in Köln sitzen?“ Nun ja, es sind Leute, die sich die Szene ganz genau angesehen haben - und der festen Überzeugung sind: kein Abseits.

Am Sonntag entschuldigte sich Bruchhagen für die Art und Weise seiner Kritik: „Ich bleibe dabei, dass es sich beim Bremer Tor um eine Abseitsstellung handelte“, ließ er mitteilen: „Ich bedaure allerdings, was ich in der ersten Emotion über die Video-Schiedsrichter in Köln gesagt habe. Das war nicht richtig.“

Schiedsrichter Felix Zwayer: „Gleiche Höhe“

Referee Felix Zwayer suchte sich kurz nach dem Schlusspfiff in den Katakomben des Weserstadions auch erstmal einen Fernseher und fühlte sich durch das, was er da sah, bestätigt. „Zum Zeitpunkt des Abspiels war der Spieler, der am Ende maßgeblich am Torerfolg beteiligt war, auf gleicher Höhe mit dem Ball“, sagte Zwayer. Mit „der Spieler“ meinte er Belfodil.

Werders Algerier sollte nach der Partie dann noch das zweite Rätsel der Szene auflösen: Hatte nun van Drongelen oder doch er den Ball über die Linie gebracht? „Das kann ich gar nicht genau sagen“, berichtete der Stürmer, „ich habe den Ball aber noch unter meinem Fuß gemerkt.“ Offiziell gewertet wurde der Treffer jedoch als Eigentor. Am Ende war das aber vollkommen egal. Es war ein Tor. Und es zählte.

Auch Hollerbach wettert gegen Video-Schiedsrichter

Wenig überraschend hielt HSV-Trainer Bernd Hollerbach dies ebenfalls für eine Fehlentscheidung. Allerdings stellte er sich gegen HSV-Vorstandschef Bruchhagen und wischte das Thema Abseits beiseite: „Es war gleiche Höhe.“ Aber danach hatte er ein Foul von Belfodil an van Drongelen gesehen. „Er tritt ihm ins Standbein. Das war ein ganz klares Foul auf der Linie. Das muss man auch in Köln sehen“, schimpfte Hollerbach und fühlte sich „durch eine Fehlentscheidung“ um einen Punkt gebracht.

Am Sonntag meldete sich schließlich auch die DFB-Schiedsrichter-Kommission zu Wort und verteidigte Zwayers Entscheidung. Es ließe sich auch aus unterschiedlichen Perspektiven „nicht klar und zweifelsfrei nachweisen“, ob Belfodil wirklich im Abseits stand, heißt es. Daher: „Es ist korrekt, dass der Video-Assistent in diesem Fall nicht korrigierend eingriff, da kein klarer und offensichtlicher Fehler auf der Hand liegt.“

Fotostrecke: 1:0 - Werder holt wichtigen Derbysieg

In der Anfangsphase ging es auf dem Platz zunächst noch ruhiger zu. Auffälliger waren da einige Hamburg-Anhänger, die Pryros im Fanblock zündeten.
In der Anfangsphase ging es auf dem Platz zunächst noch ruhiger zu. Auffälliger waren da einige Hamburg-Anhänger, die Pryros im Fanblock zündeten. © Gumz
Die erste Bremer Chance hatte Maximilian Eggestein nach 16 Minuten. Bei seinem Schuss stand Hamburgs Rick van Drongelen aber im Weg.
Die erste Bremer Chance hatte Maximilian Eggestein nach 16 Minuten. Bei seinem Schuss stand Hamburgs Rick van Drongelen aber im Weg. © Gumz
Werder tat sich weiterhin schwer, weil Hamburg das Spiel eng machte und vor allem Max Kruse eng markierte.
Werder tat sich weitestgehend schwer, weil Hamburg das Spiel eng machte und vor allem Max Kruse eng markierte. © Gumz
Wenn die Bremer mal einen Angriff starteten, dann meist über Florian Kainz, der aber ziemlich blass blieb auf seiner linken Seite.
Wenn die Bremer mal einen Angriff starteten, dann meist über Florian Kainz, der aber ziemlich blass blieb auf seiner linken Seite. © Gumz
Werder leistete sich Fehlpässe um Fehlpässe. Auch von Hamburg kam in der ersten Hälfte nicht viel, sodass es mit einem 0:0 in die Pause ging.
Werder leistete sich Fehlpässe um Fehlpässe. Auch von Hamburg kam in der ersten Hälfte nicht viel, sodass es mit einem 0:0 in die Pause ging. © Gumz
Nach dem Seitenwechsel hatte Werder anfangs zwar mit 75 Prozent deutlich mehr Ballbesitz, fand aber keine Lücken in der HSV-Abwehr.
Nach dem Seitenwechsel hatte Werder anfangs zwar mit 75 Prozent deutlich mehr Ballbesitz, fand aber keine Lücken in der HSV-Abwehr. © Gumz
Bis zur 71. Minute dauerte es, bis die Grün-Weißen mal wieder gefährlich wurden. Eggestein versuchte es mit einem feinen Schlenzer, traf den Ball aber nicht richtig.
Bis zur 71. Minute dauerte es, bis die Grün-Weißen mal wieder gefährlich wurden. Eggestein versuchte es mit einem feinen Schlenzer, traf den Ball aber nicht richtig. © nordphoto
Zehn Minuten später war es wieder Eggestein, der die Chance auf das 1:0 hatte. Sein Kopfball war aber leichte Kost für HSV-Keeper Christian Mathenia (81.).
Zehn Minuten später war es wieder Eggestein, der die Chance auf das 1:0 hatte. Sein Kopfball war aber leichte Kost für HSV-Keeper Christian Mathenia (81.). © nordphoto
Werder wollte unbedingt die drei Punkte und versuchte nochmal alles. Im Sechzehner schob Johannsson den Ball unter Mathenia, Belfodil setzte entscheidend nach und Rick van Drongelen spitzelte den Ball ins eigene Tor (86.).
Werder wollte unbedingt die drei Punkte und versuchte nochmal alles. Im Sechzehner schob Johannsson den Ball unter Mathenia, Belfodil setzte entscheidend nach und Rick van Drongelen spitzelte den Ball ins eigene Tor (86.). © nordphoto

Schon gelesen?

Einzelkritik: Impulsgeber Bargfrede, Superjoker Belfodil

Werder jubelt über spätes Eigentor - 1:0 gegen den HSV

Kohfeldt: „Der Sieg hat eine hohe Bedeutung“ - die Stimmen zum Spiel

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare