+
Trainer Florian Kohfeldt ist mit den öffentlichen Bewertungen von Werders Saisonstart nicht ganz einverstanden.

Kohfeldt geht so manche Einordnung „auf den Sack“

Und es ist doch ein Spitzenspiel

Bremen - Der Vierte empfängt den Zweiten – Spitzenspiel im Weserstadion: Wann hat es das zuletzt gegeben? Doch Werder-Coach Florian Kohfeldt mag zu „diesem Zeitpunkt der Saison noch nicht von einem Spitzenspiel sprechen“.

Es ist ja erst der fünfte Spieltag, wenn die Hertha am Dienstagabend um 18.30 Uhr in Bremen antritt. Trotzdem freut sich Kohfeldt natürlich auf dieses Duell mit einem speziellen Gegner. Er schlägt aber auch ein paar kritische Töne an. „Natürlich geht mir das auf den Sack“, sagt Kohfeldt, „aber was soll ich dagegen tun?“ Es geht um die Bewertung des Saisonstarts. Nach dem 1:1 gegen Nürnberg gab es öffentlich durchaus Zweifel an Werders Stärke, nach dem 3:2-Sieg in Augsburg wird von einem Top-Einstieg in die Spielzeit gesprochen. Was passiert nach der Partie gegen die Berliner?

„Dass jedes Spiel in den Gesamtzusammenhang gestellt wird, nervt dich einfach als Trainer. Aber wenn du das nicht abkannst, darfst du nicht Bundesliga-Trainer werden. Deswegen lebe ich damit, lächle und antworte auf die Fragen“, sagt Kohfeldt auf der Pressekonferenz vor dem Berlin-Spiel und gibt seine persönliche Einordnung der ersten Partien ab: „Acht Punkte nach vier Spieltagen müssen wir uns nicht schlechtreden lassen. Das ist eine Basis. Die kann am Dienstag besser werden, sie würde aber auch nicht dramatisch schlimmer. Wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen. Wenn wir unentschieden spielen oder verlieren, werde ich nicht zufrieden sein.“

In den Heimspielen war das mit dem Gewinnen zuletzt so eine Sache. Zwar ist Werder unter Kohfeldt noch unbesiegt im Weserstadion – und das schon seit 14 Partien –, aber in den vergangenen fünf Spielen gab es auch keinen Sieg. Auswärts klappt es mit den Dreiern besser. „Das ist Zufall“, sagt Kohfeldt zunächst, muss sich dann aber selbst etwas korrigieren: „Wir haben auswärts schon etwas mehr Platz als bei Heimspielen.“ Da würden sich die meisten Gegner nun hinten reinstellen – eine Folge der gestiegenen spielerischen Klasse der Gastgeber.

Für Kohfeldt ist das kein Problem, denn auch dafür gibt es Lösungen. Doch dafür braucht es Selbstvertrauen, Geduld und Konstanz. Letzteres war bislang das große Problem. Phasenweise lief es prima, Werder beherrschte den Gegner, doch dann gab es fast unerklärliche Einbrüche. Natürlich wünscht sich Kohfeldt noch längere Kontrollphasen, aber nimmt seine Mannschaft auch in Schutz: „Ein Spiel über 90 Minuten zu dominieren, das ist extrem schwierig. Da wollen wir hin. Aber das habe ich in den letzten Jahren in der Bundesliga außer bei den Bayern nur in Dortmund gesehen, unter Thomas Tuchel in dessen erster Saison. Schalke ist vergangene Saison Vize-Meister geworden und hat nicht sonderlich viele Spiele über 90 Minuten kontrolliert.“

Kohfeldt: „Hertha wird weiterhin ziemlich weit oben stehen“

Es ist auch ein Werben um Verständnis – und eine Reaktion auf die hohe Erwartungshaltung, die in Bremen durch das Saisonziel Europa entstanden ist. Nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Nürnberg hatte es Pfiffe gegeben. Das tat weh. Sportchef Frank Baumann hat das schon kritisch angemerkt. Vor dem Berlin-Spiel verzichtet er darauf. Auch Kohfeldt sagt nichts in diese Richtung.

Er verweist lieber darauf, dass ein richtig starker Gegner ins Weserstadion kommt. Das Team von Pal Dardai habe sich extrem weiterentwickelt, sei sehr flexibel, habe tolle Einzelspieler wie Salomon Kalou. „Die Hertha hat eine gute Kader-Struktur und wird auch weiterhin in der Tabelle ziemlich weit oben stehen“, prophezeit Kohfeldt. Da Werder das auch möchte, steht fest: Am Dienstag gibt es ein Spitzenspiel im Weserstadion, für das es tatsächlich noch Karten gibt.

Schon gelesen?

Mögliche Aufstellung gegen Hertha BSC: Baut Kohfeldt für Sahin um?

Nuri Sahin „drängt auf Einsätze“ - Pause für Philipp Bargfrede?

Klemm-Brett vor Hertha BSC: Preetz-Interview, Jugend forscht und Erinnerungen an Davie Selke

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare