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Der taktische Plan von Werder-Trainer Florian Kohfeldt ging gegen Hertha BSC auf.

3:1-Sieg gegen Hertha BSC

Taktik-Analyse: Werder wie einst unter Thomas Schaaf

Werder Bremen zeigt beim 3:1-Erfolg über Hertha BSC die bislang beste Saisonleistung. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher erklärt, wieso Kohfeldts Taktik maßgeblich dazu beitrug – und wieso Bremen aktuell an die glorreichen Tage unter Thomas Schaaf erinnert.

Werders Trainer Florian Kohfeldt leitet nach dem gelungenen Saisonstart die zweite Phase seiner Regentschaft ein – zumindest aus taktischer Sicht. Während er in den ersten Monaten meist an seinem präferierten 4-3-3-System festhielt, stellt er sein Team nun flexibler ein. Bereits gegen den FC Augsburg passte er sein System an den Gegner an. Das Ergebnis stimmte beim 3:2-Erfolg, ansonsten ging Kohfeldts Plan allerdings nicht auf. Gegen Hertha BSC sah dies ganz anders aus: Kohfeldts Umstellungen trugen maßgeblich zum ungefährdeten 3:1-Sieg bei.

Kohfeldt schafft Überzahl im Mittelfeld-Zentrum

Hertha BSC war überraschend stark in die Saison gestartet. Vor allem das Mittelfeld-Zentrum um Jungstar Arne Maier überzeugte: Im Aufbau werden sie häufig mit flachen Pässen gefüttert. Aus dem Mittelfeldzentrum öffnete Hertha das Spiel im letzten Drittel auf die Flügel. Kohfeldt konterte Berlins starkes Zentrum, indem er ein noch stärkeres Zentrum aufbot. Er strich die Flügelstürmer aus seinem System und ließ stattdessen mit einer Mittelfeld-Raute agieren: Im Zentrum gab Yuya Osako den Zehner vor Sechser Nuri Sahin. Dazwischen agierten Maximilian Eggestein und Davy Klaassen wie gewohnt auf den Halbpositionen.

Der defensive Teil von Kohfeldts Plan: Mit einer Überzahl im Mittelfeld wollte er das starke Zentrum der Berliner aus dem Spiel nehmen. Dies gelang über weite Strecken der Partie. Die Herthaner Innenverteidiger mussten bereits den ersten Pass auf die Flügel spielen. Von Maier und Zehner Ondrej Duda war wenig zu sehen.

Fokus auf die rechte Seite

Bei Bremer Ballbesitz fiel die eigene Überzahl im Zentrum weniger ins Gewicht. Hertha zog sich innerhalb des 4-4-1-1-Systems weit in die eigene Hälfte zurück, übte nur wenig Druck auf den Spielaufbau der Bremer aus. Die Viererketten zogen sich im Zentrum derart eng zusammen, dass Bremen hier keine Räume für Kombinationen vorfand. Berlin ließ Werder gegen eine Zehn-Mann-Mauer anrennen.

Doch auch diese Aufgabe erledigte Bremen mit Bravour. Werder erzwang eigene Angriffe nicht. Sahin verschleppte vor der Abwehr immer mal wieder das Tempo, überließ dabei aber den Innenverteidigern den Aufbau; die passiven Berliner übten keinen Druck auf sie aus. Erst wenn sich tatsächlich eine Lücke im gegnerischen System öffnete, wagte Werder den Vertikalpass. Somit sammelten sie gegen den passiven Gegner Ballbesitz.

Werders Angriffsstrategie: Osako und Eggestein besetzten den Raum hinter Dilrosun, von dort aus spielten sie Pässe auf den hinter die Abwehr startenden Harnik.

Nach und nach zeigte sich der offensive Plan von Kohfeldt: Werder versuchte, das enge Berliner System über die Flügel zu knacken. Während Werder in den ersten Saisonspielen vornehmlich über die linke Seite angriff, fokussierten sie in dieser Partie Angriffe über die rechte Seite. Osako und Eggestein bewegten sich in den Raum hinter Herthas offensivem Linksaußen Javairo Dilrosun. Von dort spielten sie Pässe hinter die Berliner Abwehr. Hier bot sich Martin Harnik an. Der Stürmer startete immer wieder aus dem Zentrum auf den rechten Flügel.

Hertha war mit diesen Flügelangriffen überfordert. Auch bereiteten ihnen die häufigen Positionswechsel der Bremer Stürmer Schwierigkeiten: Kruse und Osako tauschten ständig die Rollen, mal ging auch Harnik auf den linken Flügel. Die verdiente 2:0-Führung besorgte Werder nach zwei Standardsituationen (11., 45.). Bereits nach einer halben Stunde stellte Herthas Trainer Pal Dardai angesichts der Bremer Übermacht seine Mannschaft um. Er beorderte die Flügelstürmer ins Zentrum, sodass auch sein Team fortan mit einer Raute agierte. Dardais Sohn Palko nahm fortan Sahin in enge Manndeckung.

Kohfeldts Systemwechsel ging auf

So richtig wirksam wurden die Änderungen jedoch erst zur zweiten Halbzeit. Nun bekam Berlin tatsächlich stärker Zugriff auf das Zentrum. Dilrosun startete als zweiter Stürmer zudem häufiger in die Tiefe. Werder schwamm kurze Zeit und kassierte den Anschlusstreffer (53.), reagierte aber in der Folge gut auf das neue Berliner System. Sie bauten das Spiel nun über die freistehenden Außenverteidiger auf. Gerade Gebre Selassie tat sich hier als kluger Ballverteiler hervor. Nach dem 3:1-Treffer durch Max Kruse (66.) verwalteten die Bremer die Führung aus einer stabilen Defensive.

Fazit: Kohfeldts Systemwechsel ging auf: Dank ihrer neu formierten Raute dominierte Werder über weite Strecken die stark in die Saison gestarteten Berliner. Nicht nur die Grundsystematik rief Erinnerungen an die glorreichen Zeiten unter Thomas Schaaf hervor; schließlich war die Raute Schaafs liebstes Spielsystem. Auch die guten Wechsel zwischen einem ruhigen Ballbesitzspiel und einem explosiven Spiel in die Spitze lassen Werder von einer Saison im oberen Tabellendrittel träumen.

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