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Philipp Bargfrede zeigte gegen den VfL Wolfsburg eine bärenstarke Leistung, räumte ab, schaltete und waltete.

Werder-Sieg gegen VfL Wolfsburg

Taktik-Analyse: Zwei Ur-Bremer die entscheidenden Schachfiguren

Zwanzig Minuten drohte Werder Bremen unter dem hohen Druck des VfL Wolfsburg zu zerbrechen. Doch dann zogen sich die Wölfe zurück – und plötzlich drehte Werder auf. Was Bremen taktisch richtig gemacht hat und wieso zwei Ur-Bremer die Schlüsselspieler beim 2:0-Sieg waren, erklärt unser Taktik-Analyst Tobias Escher.

Neun Jahre. So lange ist es mittlerweile her, seit Philipp Bargfrede und Claudio Pizarro das erste Mal gemeinsam im Weserstadion aufliefen. Auch im Jahr 2018 sind sie aus der Bremer Elf nicht wegzudenken. Gegen den VfL Wolfsburg waren die beiden Bremer Urgesteine die entscheidenden Schachfiguren im taktischen Duell der Trainer; der eine als Fixpunkt vor der Abwehr, der andere als wichtiger Impuls von der Bank.

Wolfsburg bringt Werder-Abwehr ins Schwitzen

Ehe die Stunde von Bargfrede und Pizarro anbrach, musste sich Werder erst einmal der Anfangsoffensive der Wölfe erwehren. Diese begannen das Spiel äußerst offensiv: Aus ihrem nominellen 4-3-3-System heraus störten sie Werder früh. Gleich drei Angreifer gingen zum Pressing auf die Abwehrspieler über.

Bremen hatte in der Anfangsphase herbe Schwierigkeiten mit diesem Pressing. Werder-Coach Florian Kohfeldt vertraute auf seine favorisierte 4-3-3-Formation. Wolfsburg jedoch übte in der ersten Pressinglinie Druck auf Bremens Verteidiger aus, mit der zweiten Pressinglinie stellten sie die Passwege zu Bremens Mittlefeldspielern zu. Werder blieb häufig nur der lange Ball. Den fingen jedoch die hoch gewachsenen Wolfsburger Verteidiger ab.

Auch defensiv stellten die Wölfe Kohfeldts Elf vor einige Probleme. Sie versuchten, die enge 4-3-3-Formation der Bremer über weite Spielverlagerungen zu knacken. Sechser Marcel Tisserand ließ sich fallen, sodass VfL-Außenverteidiger weit nach vorne rücken konnten. Häufig eröffnete Wolfsburg das Spiel über die linke Seite, um mit einem Diagonalball den weit aufgerückten Rechtsverteidiger William freizuspielen. Das gelang Wolfsburg einige Male, auch weil Bremen in dieser Phase den ballfernen Flügel schwach bewachte. Bremen hatte in der Anfangsviertelstunde Glück, dass der Brasilianer keine Abnehmer für seine Flanken fand.

Nach zwanzig furiosen Minuten musste Bruno Labbadias Elf das Tempo drosseln. Sie zogen sich nun weiter zurück und überließen Bremen den Ball. Die Wolfsburger Außenstürmer ließen sich nun in die eigene Hälfte fallen. Wolfsburg verteidigte fortan in einem passiven 4-5-1-System. Bremen konnte nun erstmals das Spiel ruhig aus der eigenen Hälfte eröffnen.

Bargfrede, Sechser mit wachem Auge

Es begann die große Stunde des Philipp Bargfrede. Wolfsburg übte in der passiven Formation keinen Druck mehr auf Bargfrede aus. Er konnte vor der Abwehr schalten und walten. Immer wieder verlagerte er das Spiel auf die Flügel. Diese Flügelangriffe verlaufen bei Werder nach einem eingespielten Muster: Der Achter sprintet auf den Flügel und zieht dabei einen Gegenspieler mit sich. Er sucht den Doppelpass mit dem Außenverteidiger, der wiederum in die geöffnete Lücke startet. In Perfektion war dieses Zusammenspiel vor dem 1:0 zu sehen, als Maximilian Eggestein den Raum öffnete für Theodor Gebre Selassie. Bargfrede war die entscheidende Figur in der Vorbereitung dieser Spielzüge, lenkte er das Spiel doch aus der Zentrale.

Auch im Spiel gegen den Ball überzeugte Bremens Sechser. Davy Klaassen übernahm im Pressing gegen Wolfsburg eine höhere Rolle. Er störte häufig zusammen mit Max Kruse in der vordersten Linie. Dahinter zeigte sich Bargfrede höchst wagemutig und besetzte die Lücke, die Klaassen hinterließ. Bargfrede gewann zahlreiche Bälle und verhinderte somit Wolfsburger Konter.

Die Grafik zeigt das große Loch vor der Werder-Abwehr, das Wolfsburg freiließ. Aus dieser Zone gestaltete Philipp Bargfrede das Spiel.

Nach der Pause verloren die Bremer zunächst etwas den Faden. Sie stellten sich nun in einem defensiven 4-1-4-1-System auf und überließen Wolfsburg das Spiel. Diese stellten nach und nach auf eine offensive 4-2-4-Formation um, wobei die Außenstürmer auf einer Höhe mit dem Doppelsturm agierten. In dieser Formation vernachlässigte Wolfsburg zwar das Mittelfeld. Mit ihren langen Bällen konnten sie jedoch Gefahr entfachen.

Bremen konnte in dieser Phase nur selten für Entlastung sorgen. In Kontersituationen fehlte ein Angreifer, der Bälle hält und weiterverarbeitet. Kohfeldt reagierte und brachte mit Claudio Pizarro genau den richtigen Stürmer (75., für Florian Kainz). Er ging in vorderste Front und hielt Zuspiele. Max Kruse konnte aus einer etwas tieferen Rolle kommen.

Kohfeldts goldenes Händchen bei Einwechslungen

Pizarro bewies, dass er auch im hohen Fußballer-Alter nichts verlernt hat. Durch die Einwechslung von Johannes Eggestein (83., für Yuya Osako) bekam er zudem einen Tiefensprinter an die Seite gestellt, der seine Pässe in die Tiefe erlaufen konnte. Als ins Zentrum einstartender Rechtsaußen gelang Eggestein der entscheidende Treffer zum 2:0. Die Vorarbeit leistete freilich Pizarro.

Fazit: Beeindruckend am Bremer Auftritt war vor allem die spielerische wie taktische Reife. Nur in den ersten fünfzehn Minuten beider Halbzeiten konnte Bremen die Partie nicht dominieren. Ansonsten ließen sie Ball und Gegner laufen. Entscheidend zum Sieg trugen mit Bargfrede und Pizarro zwei Ur-Bremer bei. Doch auch Kohfeldt gebührt Lob: Seine Einwechslungen holten das Momentum zurück auf die Bremer Seite. Momentan scheint Kohfeldt einfach alles zu gelingen.

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