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Der Wechsel von Thomas Delaney zum BVB war für alle Beteiligten ein Volltreffer.

Beim BVB lieben sie Thomas Delaney, Werder trauert ihm dank Davy Klaassen nicht nach

Das gute Geschäft

Bremen/Dortmund - Einige Fans hatten besonders lange ausgeharrt. Bis weit nach Abpfiff warteten sie auf ihre Idole, die kurz vor dem Einsteigen in den Mannschaftsbus noch schnell das eine oder andere Autogramm schrieben. Claudio Pizarro, Nuri Sahin, Max Kruse – Stars zum Anfassen. Nur einer kam vollkommen unbehelligt davon: Davy Klaassen.

Werders Rekordtransfer trug anders als seine Teamkollegen nach dem Duschen keine offizielle Vereinskluft, hatte sich zudem eine schwarze Schirmmütze aufgesetzt – und wurde schlichtweg nicht erkannt. Diese kleine Episode, sie ereignete sich nach Werders Testspiel in Cloppenburg, im September war das, als das Gesicht des Niederländers längst noch nicht jedem Bremer Fan geläufig war. 

Das hat sich inzwischen geändert. Klaassen ist längst angekommen bei Werder, ist Leistungsträger – und hat es geschafft, dass der schmerzhafte Abgang von Thomas Delaney ziemlich schnell gar nicht mehr so schmerzhaft wirkte. Delaney wiederum genießt in Dortmund schon jetzt Heldenstatus. Fest steht: Sein Transfer war ein Geschäft, bei dem es nur Gewinner gibt.

Delaneys Abgang als Chance genutzt

Zur Erinnerung: 20 Millionen Euro (plus mögliche Bonuszahlungen in Höhe von drei Millionen Euro) haben sich die Dortmunder den Dänen im Sommer kosten lassen. Werder verlor zwar einen unangefochtenen Führungsspieler, einen Mann, der in Bremen vom ersten Tag an Verantwortung übernommen hatte, gewann aber auch etwas: großen finanziellen Spielraum bei der geplanten Neugestaltung des Kaders.

„So ein Abgang ist immer auch eine Chance, neu zu investieren“, sagt Werders Sportchef Frank Baumann, der mit dem Ergebnis dieser Investitionen hörbar glücklich ist: „Wir sind mit der aktuellen Besetzung unseres Mittelfelds sehr zufrieden.“ Von diesem Satz bis zum Namen Davy Klaassen ist es gedanklich kein großer Schritt mehr. 

Davy Klaassen spielt bei Werder bisher eine gute Saison.

Für 13,5 Millionen Euro, mehr als Werder jemals für einen anderen Spieler bezahlt hat, holten die Bremer den 25-Jährigen vom FC Everton, und die Trauer um den Verlust von Delaney war schnell vergessen. Zwar interpretiert Klaassen die Rolle als Achter etwas anders, als es der Däne in Bremen getan hatte, die Rolle als Führungsspieler hat er von seinem Vorgänger aber nahtlos übernommen. Werders guter Saisonstart trug dann sicher seinen Teil dazu bei, dass der Name Delaney rund ums Weserstadion heute nicht mehr allzu häufig fällt.

In Dortmund ist das freilich anders. Dort hat Delaney nach seinem Tor im Revierderby gegen Schalke den Platz in den Herzen der BVB-Fans sicher. Thomas „Derbylaney“ nennen sie ihn. „Mich überrascht es nicht, dass er auf Anhieb eine gute Rolle spielt“, betont Baumann, „für uns hatte er ja auch direkt einen hohen Wert.“ 

Der Mann für die harte Arbeit

Zwar stieg Delaney wegen der WM-Teilnahme mit Dänemark erst verspätet in die Vorbereitung der Borussia ein – zum Leader wurde er trotzdem sofort. Schon in seinen ersten Trainingseinheiten gab er lautstark Kommandos, wirkte wie ein Dirigent. Heute sagen sie beim BVB, dass ihnen genau so ein Spieler wie Delaney im vergangenen Jahr gefehlt hat. 

Im 4-2-3-1-System von Trainer Lucien Favre ist der Linksfuß als zweiter Sechser neben Axel Witsel gesetzt. Mahmoud Dahoud und Julian Weigl kommen nicht an ihm vorbei – ebensowenig wie im Sommer Nuri Sahin, der auch deshalb nach Bremen wechselte. Während Witsel der Mann für die großen Momente ist, ist Delaney der für die harte Arbeit. Er läuft viele Lücken zu, leistet dabei aber deutlich mehr als ein reiner Zerstörer. Kurz: Das Duo ergänzt sich perfekt.

Dazu kommt noch eine weitere, wichtige Rolle, die der Ex-Bremer beim BVB ausfüllt: Er bildet eine Art Gegengewicht zu den vielen, jungen Tempofußballern. Delaney selbst hat das kürzlich im „1909-Talk“ folgendermaßen beschrieben: „Es gibt hier ganz viele junge Spieler. Manchmal ist es wie Gassigehen mit zehn Hunden.“ Großes Gelächter im Publikum, dann: „Okay, nicht zehn, es gibt hier ja auch ein paar ältere Spieler. Es ist schön, einer von ihnen zu sein“, sagte der 27-Jährige, für den am Samstag das erste Wiedersehen mit Werder ansteht. Seine leichten Wadenprobleme will er bis zum Anstoß auskuriert haben.

Frank Baumann würde das freuen, er wünscht dem Dänen das Beste. Schließlich hat der Manager bisher nur positive Erfahrungen mit ihm gemacht. Mit Delaney, dem Sportler und Delaney, dem Menschen. „Und seine Transfers waren auch immer eine gute Sache.“

Davy Klaassen: Seine Karriere in Bildern

Davy Klaassens Karriere begann in der Jugend bei HVV de Zebra&#39s. 2003 spielte er ein Jahr für HSV Wasmeer, bevor ihn Ajax Amsterdam verpflichtete.
Davy Klaassens Karriere begann in der Jugend bei HVV de Zebra's. 2003 spielte er ein Jahr für HSV Wasmeer, bevor ihn Ajax Amsterdam verpflichtete. © imago
Dort spielte Klaassen seit seinem elften Lebensjahr...
Dort spielte Klaassen seit seinem elften Lebensjahr... © imago
...und entwickelte sich zum Profi. Heute gilt er sogar als einer der besten offensiven Mittelfeldspieler in den Niederlanden.
...und entwickelte sich zum Profi. Heute gilt er sogar als einer der besten offensiven Mittelfeldspieler in den Niederlanden. © imago
Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League.
Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League. © imago
Bei den „Toffees“ kam er aufgrund mehrfacher Trainerwechsel in der Saison 2017/18 nur auf 16 Pflichtspieleinsätze, stand sogar die meiste Zeit nicht im Kader.
Bei den „Toffees“ kam er aufgrund mehrfacher Trainerwechsel in der Saison 2017/18 nur auf 16 Pflichtspieleinsätze, stand sogar die meiste Zeit nicht im Kader. © imago
Der Niederlände entschied sich nach nur einem Jahr in England für einen Wechsel zum SV Werder.
Der Niederländer entschied sich nach nur einem Jahr in England für einen Wechsel zum SV Werder. © imago
Die Bremer zahlten 13,5 Millionen Euro (plus Bonuszahlungen) an den FC Everton. Noch nie hatten die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben.
Die Bremer zahlten 13,5 Millionen Euro (Bonuszahlungen möglich) an den FC Everton. Noch nie hatten die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben. © Carmen Frisch
Sein Pflichtspiel-Debüt gab Klaassen für Werder im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms. Mit einem 6:1-Sieg zogen die Grün-Weißen in die nächste Runde ein.
Sein Pflichtspiel-Debüt gab Klaassen für Werder im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms. Mit einem 6:1-Sieg zogen die Grün-Weißen in die nächste Runde ein. © gumzmedia
Wenig später folgte auch seine Bundesliga-Premiere beim 1:1-Unentschieden im „kleinen Nord-Derby“ gegen Hannover 96.
Wenig später folgte auch seine Bundesliga-Premiere beim 1:1-Unentschieden im „kleinen Nord-Derby“ gegen Hannover 96. © gumzmedia
Im Auswärtsspiel beim FC Augsburg erzielte der Niederländer sein erstes Bundesligator am vierten Spieltag der Saison 2018/19. Es war der entscheidende 3:2-Siegtreffer.
Beim FC Augsburg erzielte der Niederländer sein erstes Bundesligator am vierten Spieltag der Saison 2018/19. Es war der vielumjubelte 3:2-Siegtreffer. © imago/DeFodi
Davy Klaassen hat sich bei Werder zum absoluten Stammspieler entwickelt und glänzt regelmäßig mit starken Leistungen - z.B. mit zwei Torvorlagen beim 4:0 zum 120. Werder-Jubiläum gegen Augsburg.
Davy Klaassen hat sich bei Werder zum absoluten Stammspieler entwickelt und glänzt regelmäßig mit starken Leistungen - z.B. mit zwei Torvorlagen beim 4:0 zum 120. Werder-Jubiläum gegen Augsburg. © imago

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