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Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann ist gut mit Werder-Coach Florian Kohfeldt bekannt.

Notizen vor Hoffenheim

Nagelsmann im Klemm-Brett-Interview über Kohfeldt: „Ich mag ihn gern“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 16. Spieltag gegen die TSG 1899 Hoffenheim mit Trainer Julian Nagelsmann im Interview.

TSG-Trainer Julian Nagelsmann im Kurz-Interview

Sie sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Spielzeit zufrieden, Julian Nagelsmann?

Julian Nagelsmann: Im Großen und Ganzen ja, zumindest was die Bundesliga betrifft. In Pokal und Champions League hätte ich mir natürlich mehr erhofft. Aber auch wenn die Ergebnisse europäisch nicht zufriedenstellend waren, haben wir dennoch durch unsere Spielweise auf uns als TSG Hoffenheim international aufmerksam machen können.

Sie wechseln nach Leipzig und haben dies frühzeitig bekanntgegeben. Erschwert dies Ihre Arbeit in Hoffenheim?

Nagelsmann: Überhaupt nicht. Es war richtig und ohne Alternative, diesen Wechsel so frühzeitig bekannt zu geben. Die zusammen mit der TSG-Kommunikationsabteilung und der Clubführung getroffene Entscheidung bereue ich bis heute nicht. Gleichzeitig arbeite ich weiterhin mit ungebremstem Ehrgeiz für den Verein und freue mich jeden Morgen auf das Training.

Florian Kohfeldt, ein Vertreter der jungen Garde, arbeitet erfolgreich bei Werder. Ist seine Herangehensweise vergleichbar mit Ihrer?

Nagelsmann: Grundsätzlich pflegt er einen offensiven Fußball, von da her vielleicht schon. Aber ich kann nur das bewerten, was ich sehe, ich bin ja intern nicht dabei, wenn er trainiert, Spiele vorbereitet oder zur Mannschaft spricht. Allerdings kenne ich ihn persönlich gut und mag ihn gern.

Kann Bremen in dieser Saison den Sprung nach Europa schaffen?

Nagelsmann: Das halte ich nicht für unmöglich. Werder hat ein starkes Team.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Der forsche Trainer

Ein Mann der leisen Töne ist er nicht. Selbstbewusstsein zeichnet ihn aus. So machte Julian Nagelsmann vor dem Start, wenn traditionell die Zeitschriften, Zeitungen und Agenturen die beliebten Umfragen nach dem kommenden Meister starten, mit einer bemerkenswerten Aussage auf sich aufmerksam. Mit einer Kampfansage an die Bayern, denn Nagelsmann warf dem Abonnementsmeister Bayern den Fehdehandschuh hin. 

„Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel“, ließ der 31-Jährige, somit der jüngste Trainer aller Zeiten in der Bundesliga und in der Champions League, verlauten. Aber es werde schwer, merkte er noch an. Eine Relativierung, die viele überhört haben. Nagelsmann war wieder mal in aller Munde. Auch mit seiner Offensive, frühzeitig seinen Abschied im Sommer 2019 zu bestätigen.

Werder vor Hoffenheim: Klaassen kann spielen - Veljkovic noch nicht

Der Bayer, als Spieler aktiv bei 1860 München und beim FC Augsburg, der als eines der größten Trainer-Talente in Deutschland, wenn nicht sogar auf dem Kontinent gilt, wird zu RB Leipzig wechseln. „Es gibt nun keinen Gesprächsbedarf mehr“, begründete Nagelsmann die Bekanntgabe. „Sonst hätten wir das Thema immer wieder gehabt.“ 

Thematisiert wird dafür nun etwas anderes die nicht gerade gelungene Periode, die die Nagelsmann-Horde durchlebt. Hohe Belastungen durch die englischen Wochen, viele Verletzte, gerade in der Innenverteidigung, dazu wenig Glück – eine kleine Talfahrt nach dem Höhenflug, für den der seit Februar 2016 tätigen Chefcoach verantwortlich zeichnet. 

„Gerade macht es wenig Spaß“, gibt Nagelsmann zu, der jedoch Mitleidsbekundungen ablehnt, das Ganze nur auf den Faktor Spielglück zu reduzieren. „Jeder, der von Glück spricht, ist immer in der Opferrolle. Und da begeben ich mich sehr selten und ungern rein.“

Spruch

„Der Gucci-Beutel unterm Arm bedeutet noch nicht, dass man es geschafft hat. Du darfst nicht vergessen, wo du herkommst.“

Ermin Bicakcic über das Leben als Profifußballer

Aktuelle Form

23 Punkte, Platz sechs, punktgleich mit Berlin. Die TSG zählt zum Verfolgerfeld und hat beste Chancen, auf einem Platz zu überwintern, der die Qualifikation für das internationale Geschäft bedeutet. Das 0:0 gegen Mönchengladbach war das vierte Remis in Folge, zuvor hatte die Nagelsmann-Elf vier Erfolge gelandet. Die letzte Niederlage setzte es am siebten Spieltag bei der 1:3-Heimniederlage gegen Frankfurt.

Interner Ärger mit Kramaric

Andrej Kramaric platzte am Wochenende der Kragen. Früh ausgewechselt, schimpfte der Kroate, vor allem auf Trainer Nagelsmann. Der Torjäger sah sich dadurch um die „einmalige Chance im Leben“ gebracht, im zehnten Pflichtspiel in Folge einen Treffer zu markieren. 

„So eine Serie und auf einer Stufe mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo stehen zu können, die fast schon übermenschlich sind, hätte mir viel bedeutet“, so der 27-Jährige. Kramaric, dem zu allem Überfluss noch ein Tor wegen Abseits aberkannt wurde, stellte den Coach zur Rede und teilte schließlich das Resultat des Gesprächs mit: Der Trainer habe es nicht gewusst - „und er hat sich dafür entschuldigt“.

Volltreffer Reiss Nelson

In allerletzter Minute kam er. Reiss Nelson, Talent des FC Arsenal, wurde am 31. August, dem letzten Tag der Transferperiode, verpflichtet. Ausgeliehen von dem Londoner Traditionsklub, bei dem er ausgebildet worden ist, seit er neun Jahre alt war. Die Not im Sturm zwang die Verantwortlichen um Sportdirektor Alexander Rosen zu dieser Maßnahme. Zu viele Offensivkräfte fielen beim Saisonstart aus. 

Ein Last-Minute-Transfer, der sich als Volltreffer erwies: Die Leihgabe, erst 18 Jahre jung, dennoch zwischenzeitlich schon in die U21 Englands berufen, erwies sich als Volltreffer. „Ich habe einen tollen Lauf“, findet der Stürmer selbst. Seine Quote ist fantastisch. Sechs Tore hat er bereits erzielt. Beim 3:1-Sieg in Nürnberg traf er doppelt. Hoffenheim bemüht sich, den bis 2022 bei Arsenal gebundenen Reiss Nelson dauerhaft an sich zu binden. Ein schweres Stück Arbeit, denn der Junge hat in diversen Äußerungen anklingen lassen, dass er liebend gern nach London zurückkehren möchte.

Bremer Junge

Er ist in Österreich geboren, kann jedoch als „Bremer Junge“ durchgehen. Vier Jahre lang trug Florian Grillitsch schließlich das grün-weiße Trikot, von 2013 bis 2017, als er sich für einen Wechsel nach Hoffenheim entschied. Für Werder hatte Grillitsch in 53 Partien vier Tore erzielt und drei Vorlagen beigesteuert, war also zu einem gestandenen Bundesliga-Profi gereift. Seine gute Entwicklung setzte sich im Kraichgau fort, wo er derzeit einen Stammplatz im Mittelfeld besitzt. Seine Bilanz: 37 Spiele, ein Tor, zwei Assists. Für Österreich bringt es der 23-Jährige inzwischen auf 13 Länderspiele.

Mit Florian Grillitsch (l.) und Ishak Belfodil stehen zwei Ex-Bremer im Kader von 1899 Hoffenheim.

Nachfolge

Im Winter werde vermutlich eine Entscheidung fallen, teilte TSG-Pressesprecher Holger Kliem mit, als nach der Bekanntgabe des Ausscheidens von Nagelsmann die Spekulationen über dessen Nachfolge begannen. Namen, die kursierten: Ralph Hasenhüttl (mittlerweile Trainer des FC Southampton), Hannes Wolf (damals zuletzt Stuttgart, inzwischen HSV), Markus Gisdol (zuletzt HSV) und Peter Stöger (zuletzt Dortmund). Auch der inzwischen in Stuttgart als Korkut-Nachfolger untergekommene Markus Weinzierl wurde damals gehandelt. 

Kandidaten, die teilweise vom Anforderungsprofil in den Kraichgau passen würden. Sprecher Kliem: „Wenn wir uns entschieden haben, werden wir es mitteilen.“ Derweil hat der Winter begonnen und ein anderer Name wird immer häufiger genannt. Marco Rose, Chefcoach beim österreichischen Meister RB Salzburg, dem Ableger in dem Red-Bull-Konzern. Der 42-Jährige kickte einst für Hannover 96 und Mainz 05 in der Bundesliga. 

Seit 2010 arbeitet er als Trainer, begann als Assistent von Jürgen Klopp in Mainz, betreute den 1. FC Lokomotive Leipzig, bevor er nach Salzburg wechselte. Dort wirkte er erfolgreich im Nachwuchsbereich, holte 2017 den Titel in der europäischen Youth League. Mit den Senioren des Vereins aus der Mozartstadt feierte er Erfolge und Erfolge – Meisterschaft, Pokal, Europa League. Mehrere Empfehlungsschreiben für Hoffenheim. Eine offizielle Bestätigung steht indes noch aus.

Grillitsch und Belfodil: Verlorene Bremer Hoffnungen

Personalwechsel

Die Zahlen sprechen für sich. Sandro Wagner erzielte 29 Tore in der Saison 2017/18, er spielt nun für Bayern. Mark Uth markierte 14 Tore, er spielt nun für Schalke. Serge Gnabry war zehnmal erfolgreich, er spielt nun wieder für seinen eigentlichen Arbeitgeber Bayern München, der ihn in die Kraichgauer verliehen hatte. Hoffenheim hat zuletzt einiges an Offensivpower verloren. Es musste in diesem Mannschaftsteil ein radikaler Personalwechsel stattfinden. 

Die Hoffenheimer reagierten und holten zwei namhafte Stürmer. Einmal Ishak Belfodil, der nur ein Jahr lang für Werder stürmte und seinem Club Standard Lüttich 5,5 Millionen Euro einbrachte, sowie einen Akteur, der schon mal bei der TSG 1899 gespielt hat. Joelinton, ein 22-jähriger Brasilianer, der zwei Spielzeiten an Rapid Wien ausgeliehen war. „Der vergessene Brasilianer“, kommentierte die Rhein-Neckar-Zeitung diese Rückholaktion. 

Zudem verpflichtete der Klub zwei weitere überdurchschnittliche Offensivkräfte: Leonardo Bittencourt (Ablöse 6,5 Mio.) vom Absteiger 1. FC Köln sowie Vincenzo Griffo (Ablöse 5,5 Mio.) von Borussia Mönchengladbach, ebenfalls ein alter Bekannter bei der TSG (2012 bis 2013). Auch in der Defensive verstärkten sich die Hoffenheimer: Für die Abwehr holten sie mit Kasim Adams einen Ghanaer von Young Boys Bern, für den stolze sieben Millionen Euro hingelegt werden mussten, für das Mittelfeld den Holländer Joshua Brenet vom PSV Eindhoven, der vergleichsweise bescheidene dreieinhalb 3,5 Millionen gekostet hat.

Alle Infos zur TSG 1899 Hoffenheim findest Du auf heidelberg24.de*.

Nationalspieler Nico Schulz

Beim Neuaufbau der Nationalelf nach dem blamablen Abschneiden bei der WM spielt er eine wichtige Rolle: Nico Schulz, der Mann auf der linken Außenbahn, rückt bei Jogi Löw immer mehr in den Fokus. Zuletzt wurde de 25-Jährige dem Kölner Jonas Hector vorgezogen. Schulz, seit 2017 in Hoffenheim, zuvor in Mönchengladbach und bei Hertha BSC Berlin aktiv, besticht durch seine Schnelligkeit, seine Spielübersicht und seine gefährlichen Flankenläufe auf der linken Seite. Vier Länderspiele stehen für ihn bislang zu Buche, es sollten im kommenden Jahr noch mehr werden. Seine persönliche Bilanz: 105 Liga-Spiele insgesamt, drei Tore, 40 Einsätze für Hoffenheim, dabei ein Treffer und sechs Vorlagen.

Rekord

Torlos endete die letzte Partie gegen Gladbach. Die erste Nullnummer nach 48 Partien für Hoffenheim. Aktuell die längste Serie ligaweit. Den absoluten Rekord hält indes Schalke, das von 1971 bis 1975 in 128 Spielen jeweils einen Treffer erzielte.

Bilanz

Diese Heimbilanz spricht für sich. Werder gelangen im Weserstadion neun Siege und acht Unentschieden gegen Hoffenheim. Also stehen nur drei Niederlagen zu Buche, die letzte am 13. Mai 2017. 3:5 ging es aus damals, als die Elf von Trainer Alexander Nouri entzaubert wurde. Gebre Selassie, Bargfrede und Bauer waren für Grün-Weiß erfolgreich. Für das Nagelsmann-Team trafen Kramaric (2), Szalai, Zuber und Bicakcic. 

Noch souveräner gestaltete Werder die beiden Heimspiele im DFB-Pokal. Zwei Siege, zweimal das Weiterkommen gegen die Elf aus dem Kraichgau. Beim letzten Match in der zweiten Runde gewann Werder am 25. Oktober 2017 mit 1:0 durch einen Treffer von Belfodil, der nun für Hoffenheim spielt. Beim 2:1-Erfolg im Februar 2010 schossen Naldo und Hugo Almeida bei einem Gegentreffer von Tagoe die Tore.

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