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Eintracht-Trainer Adi Hütter traut Werder zu, ein Wörtchen um die Europapokal-Plätze mitzureden.

Notizen vor Frankfurt

Eintracht-Trainer Adi Hütter im Klemm-Brett: Darum läuft es bei uns wieder gut

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit einem Kurz-Interview, einer Form-Analyse und einem flotten Spruch von Trainer Adi Hütter.

Eintracht-Trainer Adi Hütter im Kurz-Interview

Wo lagen bei Ihrem Einstieg in die Bundesliga die größten Schwierigkeiten?

Adi Hütter: Im Sommer habe ich gesehen, dass es Zeit benötigen wird, um das umzusetzen, was ich im Kopf habe. Wir haben Schlüsselspieler verloren, einige Spieler waren noch bei der WM und wir hatten auch einige Neuzugänge, die noch wenig Erfahrung in der Bundesliga hatten. Es war aber ein Reiz, das alles in den Griff zu bekommen, das war eine spannende Herausforderung.

Wie haben Sie es geschafft, nach dem Fehlstart die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen?

Hütter: Unser Wendepunkt war der 4:1-Sieg gegen Hannover. Hätten wir dieses Spiel verloren, wären wir auf Rang 17 zurückgefallen. Die Mannschaft hat sich selbst aus dem Sumpf gezogen. Dann kamen das 4:1 gegen Lazio Rom und das 2:1 in Hoffenheim und wir waren in einer neuen Situation: Wir haben wieder an uns geglaubt.

Frankfurt überwintert auf einem Platz, der die Qualifikation für Europa  bedeuten würde. Ist der Europacup ein realistisches Ziel?

Wenn Sie mich fragen, ob wir wollen, sage ich: Natürlich! Schaffen wir es, so zu spielen wie während unserer Erfolgsserie im Herbst oder wie gegen Leverkusen, bin ich überzeugt, dass wir das schaffen können. Wenn wir aber so spielen wie gegen Wolfsburg und teilweise auch in Berlin, wird es schwierig. Wir müssen an unserer Leistungsgrenze spielen, dann ist das möglich.

Trauen Sie dem Gegner Werder Bremen zu, dieses Ziel zu erreichen, das sich Mannschaft und Klub gesetzt haben?

Bremen ist sicherlich einer der Bundesligisten, die um einen Platz im internationalen Geschäft ein ernsthaftes Wort mitreden.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Hannover 96: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Sturm-Hoch

In der Stürmer-Rangliste des „kicker“ gibt die Eintracht klar den Ton an: Sebastien Haller ist die Nummer eins. Seine überragende Quote: zehn Tore und neun Assists, überdies ist er noch im Europacup erfolgreich. Der Franzose wurde in die „Internationale Klasse“ eingestuft, genau wie sein Teamkollege Luka Jovic, der den dritten Rang einnimmt. Dritter im Frankfurter Bunde ist Ante Rebic, der Überflieger aus der letzten Saison, der auf Rang sechs landete und „im weiteren Kreis“ eingruppiert worden ist. 

Spitzenreiter Haller stellte damit unter anderem die Torjäger Robert Lewandowski (10 Tore, 6 Assists) und Paco Alcacer (12 Tore) in den Schatten. Auch im ersten Rückrundenspiel waren die „drei Büffel“ erfolgreich: Alle drei trafen beim 3:1 gegen Freiburg. Das war selbst für die drei Topstürmer eine Premiere.

Spruch

„Ich habe schon höher gewonnen, aber das war in Österreich.“

Trainer Adi Hütter nach dem 7:1-Kantersieg gegen Düsseldorf

Form

Ein Dämpfer zum Ende des Trainingslagers in den USA. Beim Florida-Cup in Orland verlor Frankfurt mit 0:1 gegen Flamengo Rio de Janeiro. Für den Traditionsclub aus Brasilien, bei dem auch der Ex-Bremer Diego mitwirkte, war Jean Lucas erfolgreich. Doch beim Start in die zweite Hälfte der Saison überzeugte die Eintracht: 3:1-Erfolg gegen Freiburg. Zwischenstand: Platz 5, 30 Punkte auf dem Konto, in Schlagdistanz zu den Champions League-Plätzen.

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Heimkehr

Seine Wanderschaft ist beendet. Sebastian Rode ist wieder in Hessen gelandet. Eine Rückkehr nach viereinhalb Jahren, die den 28-Jährigen zunächst zu Bayern München und danach zu Borussia Dortmund verschlagen haben. Die Dortmunder haben den Mittelfeldspieler, der eine Operation an der Leiste zu überstehen hatte und sein letztes Bundesliga-Spiel im Mai 2017 bestritten hat, zu seinem Stammverein Eintracht ausgeliehen. Beim Spitzenreiter hatte Rode keine Chance, sich durchzusetzen – auch aufgrund seiner Verletzungsmisere. 

Nun sucht er einen Neuanfang in gewohnter Umgebung, wo er sich von 2010 bis 2014 in 108 Bundesligaspielen (fünf Tore, 15 Assists) einen Namen gemacht hat. Als „absoluten Teamplayer“ würdigt Sportvorstand Fredi Bobic den Heimkehrer: „Er wird sicherlich die Qualität unseres Kaders erhöhen.“ Das erste Spiel bestätigte Bobic: Rode, gegen Freiburg in der Startelf, überzeugte und erhielt glänzende Kritiken.

Abgänge: Kein Wiedersehen mit Wiedwald

Es wird kein Wiedersehen mit einem alten Bekannten aus Bremen geben. Felix Wiedwald, in Achim geboren und zweimal bei Werder unter Vertrag, von 2015 bis 2017 in 59 Erstliga-Partien im Tor, hat die Eintracht im Winter verlassen. Der 28-Jährige, der sich bei den Hessen nicht bewähren konnte, schloss sich dem MSV Duisburg an, für den er einst schon einmal auflief. 

Neben Wiedwald kehrten noch drei weitere Profis der Eintracht den Rücken. Wobei einer für eine Besonderheit sorgte: Der Portugiese Francisco Geraldes, der von Sporting Lissabon ausgeliehen war, blieb ohne Einsatz. Aus zweierlei Gründen: Verletzungen und Formschwäche. Das Leihgeschäft mit dem Spitzenklub aus dem Land des Europameisters wurde somit vorzeitig beendet. Nicht durchzusetzen vermochte sich auch Nicolai Müller, der erst im Sommer vom Absteiger Hamburger SV gekommen war.

Der Flügelmann wurde nach nur sieben Einsätzen, in denen ihm zwei Treffer glückten, an den Abstiegskandidaten Hannover 96 ausgeliehen. Und auch Carlos Salcedo ging. Der Mexikaner wechselte zu Tigres UANL in seiner Heimat. Der Nationalspieler bringt den Hessen eime Rekordablöse von zehn Millionen Euro.

Debüt

Elfmeter und raus: Jiri Pavlenka wollte im Hinspiel gegen den Frankfurter Mijat Gacinovic retten, verursachte einen Strafstoß und  zog sich dabei eine Gehirnerschütterung zu. Pavlenkas Pech war das Glück für Luca Plogmann. Unerwartet und unverhofft kam der Reserve-Keeper zu seinem Bundesliga-Debüt. Erst 18 Jahre jung, meldete sich der U 20-Nationaltorwart frech in der Liga an. Mit einem Small-Talk wollte der Bremer Debütant den Frankfurter Schützen Sebastien Haller verunsichern. Plogmann habe souverän gewirkt, lobte Trainer Florian Kohfeldt anschließend.

Rekord

Luka Jovic stellte in dieser Saison einen ganz speziellen Rekord auf. Der Serbe erzielte beim 7:1 gegen Düsseldorf einen Fünferpack. Allein dies ist eine Erwähnung wert, doch der Nationalspieler markierte mit seinem Kunststück auch eine Bestmarke: Jovic, zum Zeitpunkt des erfolgreichen Toreschießens exakt 20 Jahre und 300 Tage alt, ist der jüngste Spieler in der Liga-Historie, dem dies gelungen ist.

Makoto Hasebe - der beste Verteidiger der Liga

Wenn das mal keine Überraschung ist: Die Eintracht stellte in der Hinserie den besten Innenverteidiger der Liga. Jedenfalls laut der Rangliste, die der „kicker“ traditionell nach jeder Halbserie erstellt. Makato Hasebe landete auf dem ersten Platz, das Magazin stufte den Nationalspieler aus Japan in der „Internationalen Klasse“ ein, weit vor den abgestuften Bayern-Verteidigern Jeorme Boateng und Mats Hummels. Platz fünf in dieser Rangliste nimmt Kollegen David Abraham ein. 

Routine als Trumpf?

„Wir haben die Qualität, um unter die ersten Sechs zu kommen“, sagt Nationaltorwart Kevin Trapp. Fast schon traditionell hat die Eintracht eine überragende Hinrunde gespielt, trotz des holprigen Beginns. Zudem hat sie in der Europa League überzeugt, Deutschland würdevoll vertreten und 18 Punkte in der Gruppenphase geholt. Doch wie wird die zweite Saisonhälfte? 

Die Hessen haben schlechte Erfahrungen gesammelt. 2017 rutschte sie total ab, ein Jahr später holte sie zwar ordentliche 23 Punkte, sackte aber auch auf Platz acht ab. Und diesmal? Vielleicht hilft die Routine, die der Trainer mitbringt. Hütter kann auf seine Erfolge an seinen früheren Wirkungsstätten verweisen. In Bern schaffte er gleich zweimal eine famose Rückserie wie auch zuvor bei RB Salzburg.

Bilanz

Die Eintracht zählt zu den Bremer Lieblingsgegnern. Mit dem Sieg im Hinspiel gelang Werder der 42. Erfolg gegen die Hessen, bei nur 35 Niederlagen. Auch in den Heimspielen gegen die Frankfurter haben die Bremer zumeist die Oberhand behalten: 28 Siege, acht Remis, 12 Niederlagen. Die letzte Niederlage datiert vom 20. November 2016, damals noch unter Ex-Trainer Alexander Nouri. Die Bremer verloren mit 1:2 nach Toren von Grillitsch sowie Meier und Barkok.

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