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Augsburg-Manager Stefan Reuter will seine Mannschaft gegen Werder Bremen punkten sehen.

Klemm-Brett vor Augsburg

FCA-Sportchef Stefan Reuter im Kurz-Interview: „Wir fürchten nichts an Werder“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg mit Stefan Reuter im Kurz-Interview, einer Form-Analyse und einem flotten Spruch von Trainer Manuel Baum.

Interview mit Stefan Reuter

Stefan Reuter hat als Spieler alles erreicht: Weltmeister, Europameister, Sieger der Champions League und fünfmal Deutscher Meister. Der heute 52-Jährige ist seit 2012 Manager beim FC Augsburg.

Jahrelang stand der FC Augsburg für Ruhe und Geschlossenheit. Nun gab es die Vorfälle mit Martin Hinteregger und Caiuby, die suspendiert wurden. Wie wollen Sie wieder ein ruhiges  Arbeitsklima herstellen?

Es war sicherlich eine besondere Situation mit beiden Spielern und der Verpflichtung von Jens Lehmann als Co-Trainer, die eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit zur Folge hatte. Aber intern verspüren wir keine Unruhe, sondern arbeiten gemeinsam hart daran, unsere Saisonziele zu erreichen. Ich sage immer: Es gibt keinen Ersatz für Siege. Das gilt besonders in schwierigen Situationen. Ab und zu muss man ein paar Dinge nachjustieren.

Mit Keeper Gregor Kobel und dem jungen Engländer Reece Oxford haben Sie zwei Winter-Transfers getätigt. Können beide das Team auf Anhieb verstärken?

Davon sind wir überzeugt, sonst hätten wir die beiden nicht dazu genommen. Gregor Kobel hat die ersten drei Spiele absolviert und auch Reece Oxford hat gegen Mainz gleich sein Debüt gegeben.

Zuletzt steckte der FCA im Winter 2013 in akuter Abstiegsgefahr. Dann folgten stabile Spielzeiten, nun zeichnet sich erneut ein Existenzkampf ab. Wie wird sich Augsburg in der ersten Liga halten?

Wir sind überzeugt, dass wir die Qualität haben, um die Klasse zu halten. Für uns geht es in der Bundesliga immer zunächst darum, die nötigen Punkte für den Verbleib in der ersten Liga zu sichern. Das ist uns in den letzten Jahren meist sehr gut gelungen, so dass wir mehrfach positiv überraschen konnten. Mit Geschlossenheit und konzentrierter Arbeit wird es uns auch diesmal wieder gelingen.

Was fürchten Sie beim kommenden Gegner Werder am meisten?

Wir fürchten nichts, wissen aber um die Stärken der Bremer, die eine konstant gute Saison spielen. Trotzdem ist es unser Ziel, in Bremen zu punkten.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen den FC Augsburg: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Seltenheit

Beim 2:3 gegen Werder im Hinspiel verliert der FC Augsburg erst zum dritten Mal ein Bundesliga-Heimspiel, obwohl die Schwaben zwei Treffer markiert haben. Das gleiche Missgeschick ereilte die Mannschaft am 29. August 2014 beim 2:3 gegen Dortmund sowie am 5. April 2017 beim 2:3 gegen Ingolstadt.

Hinspiel

Stark im Sturm, schwach in der Abwehr. Auf diesen Nenner lässt sich der 3:2-Erfolg Werders in Augsburg bringen. Es war ein Spektakel, an dem die Bremer einen wesentlichen Anteil hatten. Max Kruse und Maximilian Eggestein brachten die Gäste komfortabel in Führung, ehe Koo in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch für den Anschlusstreffer sorgte. So kam der FCA wieder zurück und glich durch Philipp Max kurz nach dem Seitenwechsel aus. Schließlich setzte sich Kruse, der Spieler des Spiels, prächtig in Szene. Der Torschütze zum 1:0 glänzte als Vorbereiter und bediente dank eines krassen Torwart-Fehlers Davy Klaassen, der mit Rechts das Siegtor schoss.

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Torwart Kobel schon die dritte Nummer eins diese Saison

Alle hatten ihn vor dem Spiel stark geredet. „Keine Torwartdiskussion“ wolle er starten, betonte Manuel Baum. Und stärkte so öffentlich seinem in die Diskussion geratenen Keeper den Rücken. In Mainz hatte Fabian Giefer gepatzt, dann griff er auch gegen Bremen daneben. Das befeuerte natürlich das Thema, die Diskussion nahm Fahrt auf, auch wenn der Coach zunächst Mitleid mit dem schwächelnden Tormann empfand und aus Fürsorgepflicht verkündete: In erster Linie handle es sich „um einen Menschen, mit dem ich mitfühle“.

Doch der 39-Jährige sah sich dennoch gezwungen zu handeln, weil im Geschäft nun mal zähle, „was am Ende auf der Anzeigetafel steht“. Also wechsele Baum den Torwart: Andreas Luthe, 2016 aus Bochum ins Schwabenland gekommen, stand beim kommenden Spiel bei den Bayern im Tor und stand zunächst seinen Mann. Doch die Torwart-Diskussion, im Sommer gestartet, als Marvin Hitz sich nach Dortmund orientierte, war nicht vorbei. In der Winter-Transferperiode holten die Augsburger einen neuen Mann: Gregor Kobel, Nummer zwei in Hoffenheim, wo er langfristig als Nachfolger für Oliver Baumann aufgebaut werden soll.

Der 21-Jährige, der sein Liga-Debüt im Oktober beim 3:1 in Hannover feierte, spielt in der Rückrunde. Auch nicht alltäglich: Die dritte Nummer eins in einer Saison. „Ich habe den Anspruch zu spielen“, verkündete der unerfahrene Schlussmann, der es neben dem Bundesliga-Einsatz auf vier Pokalspiele und eine Berufung im Europacup bringt.

Bilanz Werder Bremen gegen FC Augsburg

De letzte Sieg in den eigenen vier Wänden gegen den FC Augsburg liegt schon fast vier Jahre zurück. Exakt: 3:2 für Werder am 14. Februar 2015. Damals saß Viktor Skripnik auf der Bank, Assani Lukimya, Franco di Santo und Theodor Gebre Selassie zeichneten sich als Torschützen aus, während auf der Gegenseite Ragnar Klavan und Tobias Werner trafen. Es war erst der zweite Heimsieg gegen diesen Gegner. Der erste fand am 17. August 2013 statt: 1:0 nach einem Ekici-Tor. Insgesamt sieben Liga-Duelle gab es bisher im Weserstadion, dabei sprangen nur zwei Siege und ein Remis bei vier Niederlagen für Werder heraus. Die letzten drei Partien gingen allesamt verloren. 2018, 2017, 2016.

Nachlässigkeit am Ende der Spiele

Konzentrationsschwäche und Nachlässigkeit am Ende der Spiele – Augsburg kassierte viele Gegentore in der Schlussphase, schenkte so zahlreiche Punkte her. Späte Gegentreffer gegen Mainz, Dortmund, Nürnberg und Hoffenheim kosteten so insgesamt sieben Zähler und somit in der Zwischenbilanz eine deutlich bessere Platzierung.

Spruch

„Die Bremer haben überhaupt keine Ahnung, wie sie gewonnen haben. Und wir haben keine Ahnung, wie wir verloren haben.“

Trainer Manuel Baum nach der 2:3-Niederlage im Hinspiel

Suspendierte Caiuby und Hinteregger

Es blieb den Bossen keine andere Wahl. Sie mussten im Winter sehr frostig reagieren und zwei Akteure suspendieren: Caiuby, schon mehrfach straffällig geworden, und Martin Hinteregger, mit seiner ersten groben Verfehlung, indes einer unverzeihlichen. Der Brasilianer Caiuby, häufiger mit Undiszipliniertheiten und Unpünktlichkeiten aufgefallen, verpasste den Trainingsstart. „Aus privaten Gründen“, wie es anfangs beschwichtigend hieß. Sie warten den ganzen Januar auf seine Rückkehr aus Südamerika.

Ein Thema, das sich durch die Vorbereitung zog und für Missstimmung sorgte. „Uns nervt es“, kommentierte Kapitän Daniel Baier. Was die sinkende Akzeptanz des Offensivspielers im Spielerkreis kennzeichnet. Zudem standen die Glaubwürdigkeit von Trainer Manuel Baum, der eine „härtere Linie“ ankündigte und mehr „Professionalität abseits des Platzes“ einforderte, sowie von Manager Stefan Reuter auf dem Spiel. Caiuby wurde letztlich freigestellt – viel zu spät, wie Beobachter meinten.

Nicht so lange dauerte es mit der Strafmaßnahme für Hinteregger. Dieser hatte Baum hart attackiert: „Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen.“ Eine Breitseite oder wie es Reuter ausdrückte: „Aussagen über einen Vorgesetzten, die nicht zu akzeptieren sind.“ Eine drastische Geldstrafe und die Sanktion, nur noch separat zu trainieren. Der Österreicher fand rasch einen neuen Arbeitgeber: Der bis 2021 unter Vertrag stehende Profi wurde für eine Gebühr von 500.000 Euro bis Saisonende an Eintracht Frankfurt ausgeliehen. Zwei Profis auf diese Weise aussortiert, den Machern blieb keine andere Wahl, obwohl dadurch der Kader geschwächt wurde. Trainer Baum: „Beide haben sportlich große Qualität.“

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Prominenter Neuzugang: Jens Lehmann wird Co-Trainer

In einer Woche ist in Augsburg so viel passiert wie in den zurückliegenden Jahren seit der Zugehörigkeit zur ersten Liga nicht. Paukenschlag auf Paukenschlag, eine stürmische letzte Januar-Woche: Zunächst die Strafen und Verweise gegen die „Rebellen“ Caiuby und Hinteregger, dann die Verpflichtung eines A-Klasse-Prominenten. Jens Lehmann, zuletzt nur im Blickfeld als Co-Kommentator bei Länderspielen im Auftrag von RTL, heuerte als Co-Trainer an.

Ein Job, den er zwischenzeitlich schon mal bei Arsenal ausgeübt hat. Ein Knalleffekt im betulichen Augsburg mit dem 49-jährigen Querdenker, als Profi nicht immer pflegeleicht. Einige bewerten diese Personalie als Misstrauensvotum gegenüber Manuel Baum, doch dieser erhielt sogleich absolute Rückendeckung von Manager Reuter. Der einstige Klassetorwart soll Baum als Assistent helfen und unterstützen. „Er hat sich gut eingebracht und Impulse gegeben“, urteilte Reuter nach Lehmanns Premiere beim 3:0 gegen Mainz.

Jens Lehmann ist seit Kurzem Co-Trainer von Manuel Baum beim FC Augsburg.

Talent Reece Oxford

Vom „besten Kader, den der FC Augsburg je hatte“ sprach Trainer Baum, allerdings vor dem Verlust der Leistungsträger Caiuby und Hinteregger. In der letzten Transferphase waren die Bayern laut Baums Worten eher nicht aktiv auf der Suche nach neuen Kräften, nachdem Torwart Kobel geholt worden war. Dennoch kam am Ende noch ein Neuer. Ein Talent aus England, dem neuen Trend folgend. Sein Name: Reece Oxford, 20 Jahre jung, Leihspieler von West Ham United. Das Abwehrtalent hat bereits Bundesliga-Luft geschnuppert: acht Pflichtspiele für Mönchengladbach in der Saison 2017/18. Oxford gilt als Ersatz für den Austria-Nationalspieler Hinteregger.

Einschätzung von Christian Hochstätter

Christian Hochstätter (55), geboren in Augsburg, spielte in der Jugend für den FC und wechselte dann Mönchengladbach. Er absolvierte zwei A-Länderspiele.

„Es freut mich, dass der Verein aus meiner Heimatstadt sich in der Liga hält, lange eine so überzeugende Saison gespielt hat, bevor es die Turbulenzen gab. Augsburg hat sich in der Liga etabliert und macht das Beste aus den Möglichkeiten, die vorhanden sind. Unlängst habe ich Michael Gregoritsch, den ich in Bochum als Spieler hatte, bei einem Heimatbesuch getroffen. Er hat mir meine Eindrücke bestätigt. Die Art des Spiels, die Trainer Baum pflegt, gefällt mir. Hohes Laufpensum und aggressives Vorgehen. Für mich ist es so: Augsburg spielt über das gesamte Feld ein kräfteraubendes Eins-zu-eins. Ich hoffe, dass Augsburg wieder zu alter Stärke findet und mit dem Abstieg nichts zu tun hat.“

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Befreiungsschlag gegen Mainz

Schon vor dem Pokalspiel am Mittwoch in Kiel glückte in der Liga der Befreiungsschlag: 3:0 gegen Mainz 05, eine Serie von zehn Spielen ohne Sieg beendet, erstmals seit September wieder ein Erfolg in einem Heimspiel, erst der zweite überhaupt und erstmals seit dem 8. Spieltag beim torlosen Remis gegen Leipzig wieder zu null. Die positive Folge für die abgesackten Augsburger: sechs Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz.

Dreierpacker Alfred Finnbogason

Der Matchwinner hörte auf diesen Namen: Alfred Finnbogason traf dreimal beim so wichtigen Heimsieg gegen Mainz. Zunächst übernahm der Isländer wie immer Verantwortung: zwei Elfmeter verwandelt. Nach der Pause unterstrich der Torjäger seine Kaltschnäuzigkeit und Klasse, als er nach Vorarbeit Jan Moraveks per Rechtschuss zum 3:0- Endstand traf und den Dreierpack komplett machte. Der Stürmer liegt damit mit zehn Saisontreffern auf Platz 7 der Torschützenliste, gemeinsam mit dem Leipziger Yussuf Poulsen und dem Gladbacher Alassane Plea. Gegen Werder droht Finnbogason allerdings auszufallen.

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